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Deutsches Haus : Justus Frantz und der verblüffende Einstieg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Viel Prominenz bei der „Philharmonie der Nationen“: Neben Justuz Frantz überzeugte vor allem Ulrike Payer - eine feinsinnige Solistin.

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2013 | 18:57 Uhr

Verzerrte, klagende Mozart-Zitate aus dem stockfinsteren Bühnen-Off als verblüffender Einstieg in das bestens besuchte Festival-Konzert der „Philharmonie der Nationen“ im Deutschen Haus: Vom prominenten Deutsch-Russen Alfred Schnittke stammte dieses kuriose Entrée „Moz-Art à la Haydn“, das Justus Frantz und ein Dutzend seiner Streicher in einer musikalisch-szenischen Choreographie mit all ihren skurrilen Motiv-Fetzen, klanglichen Irritationen und parodistischen Irrläufern ebenso gelassen wie spürbar lustvoll zelebrierten.

Ulrike Payer war die feinsinnige Solistin in Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 und ließ von Anfang an keinen Zweifel an ihrem konsequent durchgehaltenen interpretatorischen Ansatz. Mit zartester Finesse kostete sie die Laufgirlanden und aparten Verzierungen ihres anmutig dahinperlenden Soloparts aus, versenkte sich ohne larmoyante Attitüde mit ihrer subtilen Anschlagskultur in die zarte Stimmung des Largos, um im spritzigen Rondo-Allegro mit federleichter Brillanz und nonchalanter Schwerelosigkeit zu brillieren. Frantz drosselte erfreulicherweise seine etwas zu „dick“ besetzten Philharmoniker entsprechend herunter, vermied jeden klanglichen Bombast und war der vorzüglichen Ulrike Payer ein mitdenkender und elastisch reagierender Partner in ihrer so angenehm unprätentiösen Werksicht.

Nach der Pause (leider) ganz andere Töne bei der 2. Sinfonie von Johannes Brahms, die ohnehin in ihrer musikantischer Diesseitigkeit eine latent aufscheinende Melancholie schnell vergessen lässt. Justus Frantz war hier ganz bei sich selbst, legte kraftvoll-glühende Klangfarben auf und trieb mit seinem typischen Ganzkörpereinsatz seine Musiker zu fast pausenlosem Furor an. Heiterkeit und tänzerische Anmut hatten bei dieser Werksicht einen arg schweren Stand, die resignative Seite dieser Sinfonie ging meist in einer permanent lärmenden Fröhlichkeit unter. Das ekstatisch vorgetragene Finalgetöse provozierte erwartungsgemäß den frenetischen Jubel der Justus-Frantz-Fans, die bei den traditionellen Fortissimo-Vivacissimo-Zugaben voll auf ihre Kosten kamen.

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