Jugendliche bewerten ihr Dorf

Jens Jannek Wolff (von links) und Thade Kelder diskutieren mit den Gemeindevertretern Bianka Funke, Andrea Scheppach, Keno Jaspers und Prof. Brigitte Wotha (vorn) über die Situation der Jugendlichen in Großenwiehe.
Jens Jannek Wolff (von links) und Thade Kelder diskutieren mit den Gemeindevertretern Bianka Funke, Andrea Scheppach, Keno Jaspers und Prof. Brigitte Wotha (vorn) über die Situation der Jugendlichen in Großenwiehe.

Zebrastreifen und Hundezaun: Auf einem Rundgang durch Großenwiehe zeigen die Schüler, was sie verändern würden

shz.de von
24. Juni 2018, 13:00 Uhr

Nach dem überwältigenden Interesse der Großenwieher Bürger am ersten Workshop zur Dorfentwicklung im Februar ging es nun in die zweite Runde. Jetzt waren die Kinder und Jugendlichen gefragt. Am Vormittag machten sich Prof. Brigitte Wotha und Anja Kühl vom Büro für Stadt- und Regionalentwicklung mit den Klassensprechern der Grundschule und vier Fünftklässlern der Dänischen Schule auf, um zu Fuß bei einem Rundgang das Dorf in Augenschein zu nehmen. „Viele Kinder wünschen sich sehnlichst, dass die Hundewiese eingezäunt wird, weil sie Angst vor den Hunden haben“, stellte Brigitte Wotha fest. Mit den Spielplätzen seien sie im Großen und Ganzen zufrieden, auch mit dem Reitweg, aber bezüglich der Verkehrssicherheit seien gute Ideen geäußert worden. „Bei der Bushaltestelle am Wiehekrug müsste es unbedingt einen Zebrastreifen geben – und die Verkehrsinsel bei unserer Schule könnte hübscher bepflanzt werden“, schlugen die Kinder vor.

Nach dem vielversprechenden Vormittag richtete sich der Fokus am Nachmittag auf die Zehn- bis 18-Jährigen, doch der Zulauf der Jugendlichen hielt sich in Grenzen. Ob es an allgemeiner Zufriedenheit oder am Zeitmangel lag, konnte nicht analysiert werden. „Ich bin sehr enttäuscht“, meinte OKR-Vorsitzende Bärbel Otto, die mit drei weiteren Gemeindevertretern gekommen war, um zu erfahren, was sich die Jugendlichen ihres Dorfes wünschen. Entschädigt wurde sie jedoch durch die Anwesenheit von Thade Kelder und Jens Jannek Wolff, die so engagiert mit den Älteren ins Gespräch kamen, dass sogar das vorgesehene Zeitfenster überschritten wurde. Beide sind Schülersprecher in Handewitt und gehen in die 12. Klasse. „Könnt ihr euch vorstellen, auch später hier zu leben?“, fragte Brigitte Wotha und erhielt differenzierte Antworten, durch die sich sogleich die Hauptprobleme herauskristallisierten. „Was total nervt, ist das Internet, das nicht läuft. Das führt zu Frust bei den Jugendlichen“, stellte Thade fest, und das sei auch für Selbstständige eine Existenzfrage. Außerdem plädiere er für freies W-Lan im Dorfkern. „Wer studieren will, geht weg“, war Jens’ eindeutige Antwort.

Trotz unterschiedlicher Ansichten über die Vor- und Nachteile des Dorflebens waren sie sich in einem Punkt einig: Der öffentliche Nahverkehr von Großenwiehe aus ist völlig unzureichend. Gäbe es Querverbindungen ins Umland, sei es auch mit einer Ausbildung einfacher. Und beide sind froh, inzwischen mit dem Auto fahren zu können. Das sei zwar leider nicht umweltfreundlich, aber unumgänglich und preiswerter. „Für 8,20 Euro komme ich mit der Bahn nach Hamburg und zurück und kann dort den ganzen Tag mit der HGV unterwegs sein – aber für den Preis komme ich nicht von Großenwiehe nach Flensburg und zurück“, verdeutlichte Thade die Situation. Im Hinblick auf die Umsetzung des Projekts Dorfentwicklung äußerte sich Jens eher pessimistisch. Doch Brigitte Wotha schlug vor, den vor einigen Jahren eingeschlafenen Jugendbeirat wieder zu aktivieren.

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