"Flensburger Köpfe" : Jürgen Bremer - 1848 Mitglied der provisorischen Regierung

Mit dabei: Jürger Bremer war Mitglied der provisorischen Regierung von 1848.
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Mit dabei: Jürger Bremer war Mitglied der provisorischen Regierung von 1848.

In diesem Jahr wird die Stadt Flensburg 725 Jahre alt. Eine ganze Reihe bedeutender Persönlichkeiten hat die Fördestadt in diesen Jahren hervorgebracht. Die wichtigsten von ihnen stellen wir in einer kleinen Serie vor. Heute: Jürgen Bremer.

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09. September 2009, 06:20 Uhr

Flensburg | Bremer Platz oder Bremerplatz? Da der Name dieses kleinen Platzes auf St. Jürgen keine Reverenz an die Hansestadt an der Weser bedeutet, sondern damit das Leben und Wirken des Juristen und Politikers Jürgen Bremer (1804-1874) gewürdigt werden soll, regelt der "Duden" in diesem Falle die Schreibweise folgendermaßen: Bremerplatz. Mit der Namensgebung erinnert Flensburg seit 1909 an einen Sohn der Stadt, der sich im Nationalitätenkonflikt gegen Kopenhagen positionierte und 1848 in die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins berufen wurde, der später auch das Amt des Ersten Bürgermeisters in Flensburg bekleidete.

Nach dem Besuch der Lateinschule in Flensburg studierte der Sohn eines Adelbyer Lehrers in Kiel Rechtswissenschaften und ließ sich daraufhin in seiner Heimstadt als Advokat und Notar nieder. Über die beruflichen Verpflichtungen hinaus engagierte er sich auf politischen und sozialen Feldern. Auf seine Initiative ist die Gründung des Martinsstifts, einer "Rettungsanstalt für sittlich verwahrloste Kinder", zurückzuführen. Ferner gehörte er dem Armenkollegium an, wirkte in berufsständischen Organisationen mit, war an Fragen der Landesgeschichte interessiert und setzte sich publizistisch für die "Schleswig-holsteinische Sache" ein. Er war in Flensburg der führende Kopf der schleswig-holsteinischen Partei und zugleich der bedeutendste Vertreter des politischen Liberalismus in der Stadt.

Die Erhebung gegen Dänemark im Revolutionsjahr 1848 führte ihn in hohe politische Ämter. Seinem Abgeordnetenmandat in der Schleswigschen Ständeversammlung folgte die Mitarbeit in der provisorischen Regierung für den selbstständigen Staat Schleswig-Holstein. Das Kabinett bestand aus sechs Ministern, das Ressort Justiz wurde Bremer übertragen. Zusammen mit seinem Freund Wilhelm Beseler repräsentierte er in der Regierung die nationalliberale Linie.

Bremer agierte in dieser Runde mit "vorsichtiger Zurückhaltung und sachlicher Aufklärung", wie ein Biograph anmerkte. Die Regierungsarbeit war von Differenzen über die Zukunft Schleswig-Holsteins geprägt. Dennoch gelang es der Regierung, eine - für die damalige Zeit sehr liberale - eigene Verfassung zu erarbeiten. Doch die Erhebung gegen Kopenhagen scheiterte, und die Regierung trat zurück. Über Stationen als Richter in Braunschweig und Lübeck kehrte Bremer 1864 nach Flensburg zurück, um das Amt des Ersten Bürgermeisters zu übernehmen. In der Amtsführung glücklos, trat er nach nur sechs Monaten wieder zurück.

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