Flensburg und Apenrade : Jubiläum unter Nachbarn

Der 1920 aufgestellte Grenzstein mit der Nummer 1 am deutsch-dänischen Grenzübergang Schusterkate in Wassersleben.
Der 1920 aufgestellte Grenzstein mit der Nummer 1 am deutsch-dänischen Grenzübergang Schusterkate in Wassersleben.

1920 entschieden die Menschen per Volksabstimmung über den deutsch-dänischen Grenzverlauf – 2020 soll groß gefeiert werden

fju_maj_0203 von
08. Februar 2018, 17:09 Uhr

Ein Dreivierteljahr nach Gründung einer ähnlichen Organisation in Dänemark gibt es jetzt auch auf schleswig-holsteinischer Seite ein Vorbereitungs-Komitee für die Feierlichkeiten zum Jubiläum der Volksabstimmung über den Verlauf der deutsch-dänischen Grenze vor 100 Jahren, die 2020 anstehen.

Vorsitzende des schleswig-holsteinischen „2020-Komitees“ sind Landtags-Direktor Utz Schliesky und Staatskanzlei-Chef Dirk Schrödter. Mit dabei sind ebenfalls Vertreter der kommunalen Landesverbände, des Landesarchivs, der Landesbibliothek, der Industrie- und Handelskammern sowie die deutsche Minderheit nördlich und die dänische Minderheit südlich der Grenze. Darüber hinaus bindet das 2020-Gremium das Bundesaußenministerium, Schleswig-Holsteins Landesvertretung in Berlin und Wissenschaftler in seine Arbeit ein.

Ziel sei es, zum 100. Jahr der Volksabstimmung zahlreiche Projekte gemeinsam mit Akteuren aus Politik, Gesellschaft und Kultur in Deutschland und Dänemark zu initiieren, sagte Staatskanzlei-Chef Schrödter. Die Organisationsstruktur solle dazu dienen, sich inhaltlich und terminlich abzustimmen. Wie es weiter hieß, möchte die Landesregierung durch ihre Beteiligung an den Feierlichkeiten „vor allem einen weiteren Impuls für die gutnachbarliche grenzüberschreitende Zusammenarbeit“ geben. Ein weiterer Akzent liege darauf, das Datum als „Geburtsstunde“ der deutschen Minderheit in Dänemark und der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein zu begehen. Wobei sehr viel mehr als eine historische Rückschau geplant werde: „Wir wollen zeigen, wie vielfältig Schleswig-Holstein unter der Bewahrung der kulturellen Identität einer Grenzregion ist“, kündigte Schrödter an. Gewürdigt werden solle deshalb auch der interkulturelle Austausch.

Dänemark und Schleswig-Holstein haben historisch einen unterschiedlichen Zugang zum Ausgang der Volksabstimmung 1920: Schleswig-Holstein verlor dadurch seinen nördlichsten Teil, der seit Jahrhunderten von nördlich Flensburg etwa 60 Kilometer weiter bis kurz vor Kolding reichte. Dänemark hingegen versteht den Wechsel des nördlichen Schleswig als „Wiedervereinigung“ – ausgehend von der Betrachtung, dass es dort eine Bevölkerungsmehrheit dänischer Gesinnung gab und Schleswig-Holstein bis 1864 Teil der dänischen Monarchie war. Entsprechend glanzvoll und unter dem Titel „Wiedervereinigungs-Jubiläum“ plant das Königreich denn auch 2020 landesweite Aktivitäten. Koordinator ist dort Flensburgs ehemaliger Oberbürgermeister Simon Faber. Allein für die Vorbereitungen 2018 hat der dänische Staat in den Haushalt zehn Millionen Kronen (umgerechnet rund 1,3 Millionen Euro) eingestellt. Neben der nationalen Selbstvergewisserung sieht das dänische Konzept für die Feierlichkeiten aber auch ausdrücklich offene Arme gegenüber den südlichen Nachbarn vor. Gemeinsame Programmpunkte sind erwünscht. Das Jubiläum solle auch „das Bewusstsein für eine stabile Freundschaft zu Deutschland stärken“, heißt es dort. Ebenfalls wolle man „die europäische Perspektive“ des Grenzlandes betonen.

In Schleswig-Holstein gibt es für das laufende Jahr mit Blick auf 2020 noch keine Haushaltsmittel. Für das kommende Jahr lasse sich der Aufwand noch nicht quantifizieren, teilte ein Regierungssprecher mit. Klar machte er schon jetzt, dass sich das Land nicht annähernd an dänischen Größenordnungen orientieren wird: Dänemark sei ein eigenständiger Staat, Schleswig-Holstein ein Bundesland. Das setze der Landesregierung finanziell Grenzen.

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