Mühlentag : Johannismühle - Der Zerfall eines Denkmals

Eigentlich sollte sie längst im alten Glanz erstrahlen – doch die Johannismühle verfällt mehr und mehr. Foto: Michael Staudt
Eigentlich sollte sie längst im alten Glanz erstrahlen – doch die Johannismühle verfällt mehr und mehr. Foto: Michael Staudt

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22. Mai 2010, 07:29 Uhr

Flensburg | Eigentlich sollte alles fix und fertig sein. Ende 2008 spätestens, kündigte Eigentümer Hans-Werner Urbschat im Herbst 2007 an, sollte die alte Johannismühle wenigstens optisch wieder ein Schmuckstück sein. Mit privaten Mitteln wollte er den unter Denkmalschutz stehenden Galerie-Holländer sanieren und in den Originalzustand von 1808 versetzen. Geschehen ist nichts.

Arbeiten sollten die Mühlenräder nicht - dafür hatte ein streitbarer Nachbar gesorgt, der bereits im Vorfeld gegen das Drehen und den Schattenwurf der Mühlenflügel klagte und Recht bekam. So musste auch der ursprüngliche Plan, ein voll funktionstüchtiges historisches Mühlendenkmal einzurichten, zu den Akten gelegt werden. Das Projekt des Müllermeisters Walter Skau von 2001 scheiterte am Nachbarn und endete in der Insolvenz. Seither wurde nur über eine optische Wiederherstellung nachgedacht.

Dem Bauantrag fehle nur noch die Statik, hieß es Ende 2007, dann würde es schnell gehen mit der Wiederherstellung der Johannismühle. Nur: Seither hat sich an dem über 200 Jahre alten Gebäude nichts getan. Der Mühlenkopf mit den Flügeln wurde vor langer Zeit abgebaut, die Galerie ist nicht mehr vorhanden und der Dachhaube fehlen mehrere Schindeln. Auf dem Grundstück rostet ein altes Windrad vor sich hin. Die umgebenden Mühlenhäuschen ergeben ein malerisches Bild - nur von den angekündigten stadthistorisch bedeutsamen Änderungen ist nichts zu sehen. Warum das so ist, kann auch Eiko Wenzel, Leiter der Abteilung Ordnung und Denkmalschutz im Fachbereich Umwelt und Planen der Stadt, nur vermuten: "Es gibt wahrscheinlich kein großes wirtschaftliches Interesse. Trotzdem hat Herr Urbschat immer signalisiert, dass er sofort loslegen würde, wenn der Bauantrag genehmigt wäre."

Die Voraussetzungen sind seit vergangenem Jahr ideal. Der 2007 gestellte Bauantrag hätte nach damals geltendem Recht nicht genehmigt werden können. Wichtige Fragen seien offen geblieben und die Zustimmung des Nachbarn Voraussetzung gewesen, so Wenzel. Die Fragen sind geklärt und mit Wirkung zum 1. Mai 2009 sind Änderungen in der Landesbauordnung in Kraft getreten, die eine Zustimmung des Nachbarn nicht mehr erforderlich machen.

Eigentlich also könnte die Mühle längst in altem Glanz erstrahlen. Dafür hätte Urbschat freilich aktiv werden und den alten Antrag zurückziehen und einen neuen nach neuem Recht stellen müssen. Eine bürokratische Hürde, die, so Wenzel, keinen großen Aufwand bedeutet. Die geforderten Unterlagen sind die gleichen, lediglich die Rechtsgrundlage eine andere. Darauf habe Wenzel den mit der Sanierung beauftragen Architekten Müller des Büros Bauwerk bereits hingewiesen.

Seither wartet der Denkmalschützer auf den neuen Bauantrag. Der muss allerdings vom Bauherren, dem Eigentümer, nicht vom Architekten gestellt werden. Hans-Werner Urbschat gibt sich ahnungslos. Er müsse das Verfahren und den erforderlichen Umgang mit dem Nachbarn erst prüfen, gab er in einem Telefonat mit unserer Zeitung an.

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