Positive Bilanz : Jobcenter – bester Trend in Flensburg

Turm-Trio mit Modell: Jobcenter-Chefin Claudia Remark (links) bei einer gemeinsamen Aktion mit der Kreishandwerkerschaft mit Albert Albertsen und Petra Schenkluhn.
Turm-Trio mit Modell: Jobcenter-Chefin Claudia Remark (links) bei einer gemeinsamen Aktion mit der Kreishandwerkerschaft mit Albert Albertsen und Petra Schenkluhn.

21 000 Vermittlungen in zehn Jahren: Warum die Zahl der Langzeitarbeitslosen schneller und stärker geschrumpft ist als in vergleichbaren Städten

Avatar_shz von
31. Dezember 2014, 09:00 Uhr

Es ist nicht bekannt, ob Claudia Remark heute Nacht die Sektkorken knallen lässt. Klar ist jedoch für die Frau, die mit dem Jobcenter seit genau zehn Jahren um neue Beschäftigung für Langzeitarbeitslose kämpft: Die Bilanz nach einem Jahrzehnt Arge und Jobcenter sieht für Flensburg nach Remarks Zahlen ausgesprochen positiv aus: Mit 5684 Langzeitarbeitslosen (Jahresdurchschnitt 2005) und einer Erwerbslosenquote von 14 Prozent startete Flensburg mit der Roten Laterne – und hatte bereits nach drei Jahren alle kreisfreien Städte im Land überholt. Mit aktuell 3844 Arbeitslosen und einer Quote von genau acht Prozent hat Flensburg – gemeinsam mit Lübeck – heute die beste Quote unter den kreisfreien Städten im Land aufzuweisen. Die Zahl der Jobcenter-Kunden insgesamt hat sich in diesem Jahrzehnt von 12  302 auf 10  929 verringert.

Dass im Flensburger Jobcenter zugleich große finanzielle Anstrengungen notwendig waren, verschweigt Remark nicht: Über eine halbe Milliarde Euro, genau 517 Millionen, flossen binnen zehn Jahren an sogenannten passiven Leistungen – 280 Millionen Euro Leistungen zum Lebensunterhalt und 237 Millionen Euro Kosten für Unterkunft. Die eigentliche aktive Arbeitsmarktförderung von Bewerbungstrainings über Ein-Euro-Jobs bis zur Ü-50-Förderung nimmt sich dagegen mit 95 Millionen Euro vergleichsweise bescheiden aus.

Arge – unter diesem Namen startete die Arbeitsgemeinschaft von Arbeitsagentur und städtischem Sozialamt vor genau einem Jahrzehnt. Mit vergleichsweise knapper Besetzung: „Wir sind 2005 mit 90 Mitarbeitern gestartet und waren am Anfang froh, dass wir das Geld für die Kunden pünktlich gezahlt haben“, erinnert sich Remark. Silvester 2004 habe man mit einer vergleichsweise großen Mannschaft am Tresen der Arge an der Waldstraße die Leistungen bar ausgezahlt: „Die ersten Monate 2005 waren schon eine besondere Zeit“, urteilt die Geschäftsführerin. Dass das Jobcenter selbst zum Jobmotor wurde und sich von 90 auf heute 180 Mitarbeiter glatt verdoppelte, sei keine Flensburger Besonderheit gewesen. Im Bundesarbeitsministerium habe man sich damals verschätzt, sei mit viel zu wenig Personal gestartet und habe bundesweit nachbessern müssen.

Was aber Flensburg besser macht als andere? „Wir verstehen uns als Jobcenter zum Anfassen“, erklärt Remark. An der Waldstraße setze man nicht auf eine anonyme Callcenterlösung: „Jeder Mitarbeiter ist direkt telefonisch erreichbar.“ In Flensburg werde und habe es nie lange Schlangen am Empfangstresen oder auf den Fluren gegeben. Die Kundschaft solle schnell wissen, ob und wann sie Geld bekomme. Wenn der Antrag vollständig sei, dauere es keine fünf Tage bis zum Bescheid, verspricht Remark – ein Umstand, der den Flensburgern bereits 2012 einen Kundenzufriedenheitspreis als eines der zehn besten Jobcenter bescherte.

Dass das Jobcenter sehr früh auf individuelle Beratung der Kundschaft setzte, habe in den ersten Jahren sehr viel rascher als anderswo die Arbeitslosenquote schmelzen lassen (siehe Tabelle). Insgesamt habe das Flensburger Jobcenter binnen zehn Jahren gut 21  000 Menschen in den Arbeitsmarkt integriert – wobei man gewiss auch Kunden zurückbekommen und wieder in Jobs untergebracht habe. Dabei seien Flensburger Projekte wie das rege Netzwerk „Ü 50“ für ältere Arbeitnehmer sowie das Projekt „Amiga“ für Alleinerziehende gut eingeschlagen.

Arbeitsvermittlerin Sabine Jostmeier gibt das Lob aber auch an die kleinen und mittelständischen Betriebe weiter: „Wir haben sehr viele sozial offene Arbeitgeber in der Region.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen