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Flensburg : Job-Focus: Vorzeigeprojekt vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Landesweit einmaliges Flensburger Angebot in Schwierigkeiten – nachdem aus dem Kreisgebiet die Teilnehmer ausbleiben

Bettina Jürgensen hat ein Problem: Wenn heute SPD-Sozialministerin Kristin Alheit zu Besuch kommt, wollte die Chefin des Flensburger Bildungsträgers Job-Focus-Nord stolz ihr landesweit beachtetes Aktivierungs- und Qualifizierungsprojekt Momo („Mobil motiviert in Arbeit vermitteln“) präsentieren. Zur Aktivierung von Teilnehmern mit Vermittlungshemmnissen habe das Projekt gute Erfolge mit dem Einsatz von Ponys und großen Tieren, zweimal pro Woche auf einem Hof in Holnis: „Die Tiere fordern volle Konzentration“, sagt Jürgensen. Daran würden die Teilnehmer wachsen, darunter Menschen mit gesundheitlichen Schwierigkeiten oder Alleinerziehende, die nicht in jeder Situation flexibel reagieren können. „Ich kam zerrüttet hierher, bin seit Mai jetzt aber stabil. Die Tiere geben mir viel Kraft“, sagt Projekt-Teilnehmerin Sonja. Und Bernd ergänzt: „Wir sind selbstsicherer und zielstrebiger geworden.“

All dies könnten Bettina Jürgensen, ihre Mitarbeiter in der Flensburger Villa Walzenmühle und ihre Projektteilnehmer gewiss leicht dem hohen Besuch aus Kiel vermitteln. Auch scheinen die Zahlen für sich zu sprechen: 30 Prozent dieser als schwierig vermittelbar geltenden Klientel seien in Arbeit gebracht worden – bei 52 Mitarbeitern, 20 Prozent sogar auf dem sogenannten ersten, dem ungeförderten Arbeitsmarkt. Andere der Projektteilnehmer fanden den Weg zur Schuldner- oder Suchtberatung oder in einen Kurs, um den Hauptschulabschluss zu absolvieren.

Das Problem: Das Projekt sollte sich sowohl mit Teilnehmern speisen, die das Flensburger Jobcenter entsendet als auch mit solchen aus dem Kreis Schleswig-Flensburg. Von 52 Teilnehmern kamen zuletzt 42 aus Flensburg, zehn über das Schleswiger Kreishaus aus dem gesamten Kreisgebiet. Und während die Flensburger aus dem Jobcenter bei erfolgreichen Vermittlungen nachbesetzten, passiere dies bei den gerade mal zehn Schleswiger Plätzen kaum, kritisiert Jürgensen.

Mit dem Ergebnis, dass Job-Focus-Nord offenbar die Finanzierung wegbricht, weil Teilnehmer fehlten – das hochgelobte Projekt steht mangels Masse auf der Kippe. Am Montag sollte ein neuer Kurs beginnen.

Inzwischen hat sich die Flensburger Landtagsabgeordnete Simone Lange eingeschaltet: „Was das Projekt landesweit einmalig macht, ist, dass es Vermittlungshemmnisse individuell abbaut“, sagt die SPD-Politikerin und ergänzt: „Ich habe selten ein Angebot gesehen, das so flexibel reagiert.“

Flensburgs Jobcenter-Leiterin Claudia Remark kann ebenfalls nur Gutes über die Aktivitäten aus der Villa Walzenmühle berichten: „Ein gutes Angebot für unsere Kunden“, sagt sie: „Auch die Teilnehmer äußern sich äußerst positiv.“

Unklar bleibt, warum die Kunden aus dem Kreisgebiet zunehmend ausbleiben. Allgemein hört man auch aus dem Kreishaus Positives über das Projekt. Warum kaum mehr hierher vermittelt wird, war aus dem Schleswiger Kreishaus nicht zu erfahren.

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erstellt am 29.Okt.2013 | 19:57 Uhr

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