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Teure Bauschäden : Jetzt hat es die Petri-Kirche erwischt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kosten von mehr als 500 000 Euro drohen: Kirchengemeinde will sich von ihrem Gemeindehaus trennen, um die Sanierung des Gotteshauses zu finanzieren

shz.de von
erstellt am 16.Nov.2015 | 10:00 Uhr

Erst vor kurzem hat die Kirchengemeinde St. Jürgen ihre Kirche wieder eröffnet, die Risse sind beseitigt, die Bauprobleme fachmännisch behoben – und nun trifft es die nur circa zehn Jahre jüngere Kirchen-Schwester: St. Petri in der Flensburger Neustadt hat Risse im Gewölbe, unter dem Putz sind an verschiedenen Stellen Luftblasen zu finden und in einem Nebenraum – der Sakristei – nistet der Schwamm. Seit zehn Wochen ist die Kirche geschlossen, die Gottesdienste feiert die Gemeinde im Gemeindehaus an der Bauer Landstraße.

Doch die Kirchengemeinde ist guten Mutes, das Beste aus dieser Situation zu machen: Sie will die Kirche gründlich sanieren, innen neu verputzen und mit Licht und Farbe hell und freundlich gestalten. Bänke, Stühle, Empore, Lesepult und Kanzel sollen wieder in dem ursprünglichen hellen Farbton gestrichen werden – und das alles bis Weihnachten. Und sie will im zweiten Schritt den Saal, der sich ebenfalls im Kirchengebäude befindet, so modernisieren, dass die Kirchengemeinde zu ihren Angeboten und Gruppen in ein zeitgemäßes, freundliches Ambiente einladen kann: barrierefrei und für gemeinsames Essen, Feste und Begegnungen.

Für die Sanierung der Kirche rechnet die Kirchengemeinde mit Kosten von 231  000 Euro. Die Renovierung des Kirchsaales unter der Kirche wird noch einmal 343  000 Euro kosten. „Um das zu finanzieren, werden wir uns wahrscheinlich von unserem Gemeindehaus trennen“, sagt Pastorin Birgit Lunde. Einig sind sich alle drei Pastoren der Gemeinde, sich als Kirche einladend und modern auf das Wesentliche zu konzentrieren. Pastorin Ute Köppen ergänzt: „Die Kirche ist unser wesentlicher Bestandteil. Sie ist ein geistlich geprägter Raum, der den Menschen Heimat gibt und Schutz und Schirm.“ Die Kirche sei der Raum, in dem die Menschen schon immer Zuflucht gefunden haben in Leid und Unglück. „Hier fanden sie Mut und Orientierung für die nächsten Schritte im Leben. Hier ist ihr Leben gesegnet worden, hier haben sie Ruhe finden können“, erklärt die Pastorin. „Und so soll es auch bleiben.“

Tatsächlich ist der Kirchturm gemeinsam mit der Bergmühle der weithin sichtbare Orientierungspunkt, sobald man durch das Flensburger Nordertor tritt. In der Mühle oben wurde früher das Korn gemahlen. Die Kirche unten erinnert schon immer daran, dass Leben mehr ist als Essen und Trinken. Pastor Christoph Touché betont: „Heute sind wir das Zentrum für ökumenische und interreligiöse Kontakte und damit quasi für die gesamte Stadt Flensburg in einer Vorreiterrolle: Gemeinsam mit den Muslimen und den Dänen wollen wir dafür sorgen, dass Menschen aller Nationen hier vor Ort gut zusammen leben können.“

Dass dies funktioniert, zeigen beispielsweise das gut besuchte interreligiöse Frauenfrühstück oder der „Friedensfühler“, bei dem sich Christen, Muslime und Juden einmal jährlich in ihren Gotteshäusern besuchen und gemeinsam feiern. Pastor Christoph Touché fasst zusammen: „Wir brauchen unsere Kirche, in der wir Heimat und Orientierung geben, denn nur dann können wir auch Fremde gastfreundlich aufnehmen. Das ist zukunftsweisend und heute wichtiger denn je.“



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