Neues Hotel in Flensburg : Jetzt geht’s los im Kayser’s Hof

Vom Fotografen wirkungsvoll ins Licht gesetzt: Der frühere Kontakthof aus der Zeit der Bordell-Nutzung mit frischem Feuchtbiotop und alten Baustoffen.
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Vom Fotografen wirkungsvoll ins Licht gesetzt: Der frühere Kontakthof aus der Zeit der Bordell-Nutzung mit frischem Feuchtbiotop und alten Baustoffen.

An der Flensburger Schiffbrücke geht es voran: Noch im Sommer soll mit den ersten Abrissarbeiten begonnen werden. Das einstige Zuhause des Flensburger Nachtlebens soll für 15 Millionen Euro zu einem Hotel umgebaut werden.

shz.de von
09. Juli 2014, 07:52 Uhr

Flensburg | Im alten Kontakthof des früheren Bordells hat sich ein üppiges Feuchtbiotop angesiedelt, das Oberlicht sorgt für fast schon ästhetische Lichteffekte. Im Hof wuchert das Grün die Wände hoch. Reste von Schildern erinnern an ruhmreiche Zeiten: „Tipsy Man“ und „Nachtclub Trocadero“ ist da zu lesen oder auch „Schnellimbiss geöffnet bis 5 Uhr morgens“. Geöffnet war hier zuletzt nur noch der „Speicher“, dessen Fans ihn schmerzlich vermissen, seit er Ende Mai schließen musste.

Im und am „Kayser’s Hof“ geht’s jetzt entschieden voran. Noch im Sommer soll mit ersten Abrissarbeiten begonnen werden. Dann kommen die Archäologen und dürfen ein paar Wochen im Untergrund nach Spuren der Flensburger Geschichte suchen. Wenn alles gut läuft, beginnen im Herbst die Arbeiten für die Tiefgarage. Die Flensburger Investorengruppe will im Frühjahr 2016 mit allem fertig sein. Gestern stellte sie die Pläne im alten Fachwerkhaus vor, das einst das „Kult“ beherbergte.

„Wir sind drei Flensburger, uns liegt die Stadt am Herzen“, sagte Hermann Höft, Bauunternehmer. Die anderen beiden sind der Kaufmann Norbert Erichsen (FFG) und Boy Meesenburg, Baustoffhändler. Vierter im Bunde ist der Sylter Hotelier Jan Hendrik Rose, der das geplante Stadthotel mit 63 Zimmern und vier Appartements betreiben wird.

15 Millionen Euro sollen an der Schiffbrücke zwischen Herrenstall und Oluf-Samson-Gang verbaut werden. Der Gestaltungsbeirat hat seinen Segen für den Entwurf erteilt. Die Fassade an der Schiffbrücke bleibt überwiegend erhalten, nur das Haus direkt neben dem 1851 erbauten Hotel wird abgerissen und durch einen modernen Neubau, der sich einpasst, ersetzt. Im hinteren Bereich wird alles durch Neubauten ersetzt.

Für den Architekten Axel Waltje (Asmussen & Partner) ist das Projekt Kayser’s Hof eine riesige Herausforderung – größer als die Walzenmühle und größer als Sonwik. Als er sich das erste Mal in das Innere der Gebäude getraut hatte, sei sein erster Gedanke gewesen: „Da kann man kein Hotel draus machen.“ Mittlerweile hat er sich eines besseren besonnen und ist optimistisch, aus dem verschachtelten, zum Teil extrem heruntergekommenen Konglomerat vollkommen unterschiedlicher Häuser etwas Attraktives gestalten zu können. Dabei werde man im Erdgeschoss durchaus erleben können, dass man sich in alten Häusern befinde, so Waltje.

Im Vergleich zu den vor einigen Jahren vorgestellten Plänen ist das jetzige Bauprojekt abgespeckt. Die Häuser im Innenhof haben zwei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss. Die Baulücke und der Fahrweg links neben dem Haupthaus bleiben erhalten: Hier fahren die Hotelgäste hinein, biegen gleich rechts ab und verschwinden dann recht schnell in der Tiefgarage mit 34 Stellplätzen.

In der alten Discothek „Sunny“ sind die blauen Disco-Wände mit der Palme aus bemalten Spiegelglas-Stücken noch vorhanden. Hier sollen – vielleicht schon in zwei Jahren – die Hotelgäste frühstücken. Später können sie in dem alten Haus an der Ecke Herrenstall in die Sauna gehen und danach im Hotelhof ausspannen.

Im Hof werde sogar Platz sein für sechs kleine Gärten der sechs Stadthäuser, die an der Nordseite am Herrenstall entstehen sollen. Drei davon wurden schon vor rund 15 Jahren von Kay-Uwe Jensen erbaut – und sehen aus wie neu, weil sie nie genutzt wurden. „Es gibt kaum ein Objekt in Flensburg, zu dem es so viele Fragen von Bürgern gibt“, sagte Oberbürgermeister Simon Faber. Er freue sich, dass es nun endlich los gehe und hoffe, dass das vorgelegte Tempo gehalten werden kann.

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