"Kaysers Hof" : Jensen pleite: Aus für Hotel?

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27. Oktober 2010, 06:29 Uhr

Flensburg | Kay-Uwe Jensen, stadtbekannter Kaufmann und Immobilienbesitzer mit dänischen Wurzeln, ist pleite. Insolvenzverwalter Jan Wilhelm (Hamburg) hat für den kommenden Mittwoch eine erste Gläubigerversammlung anberaumt. Welche Auswirkungen die Insolvenz auf das seit Jahren stockende Hotel-Projekt "Kaysers Hof" hat, interessiert nicht zuletzt die Stadtplaner im Rathaus. Wilhelm war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Eigentlich hätte das Hotel an der Schiffbrücke schon fertig sein und in diesem Jahr in Betrieb gehen können. Doch dann kam die Finanzkrise, und alle Investoren zogen sich zurück. Die Kosten für die überwiegend leer stehenden Immobilien zwischen Herrenstall und Oluf-Samson-Gang liefen aber weiter, wie Kay-Uwe Jensen gegenüber dem Tageblatt erklärte: "Gebäudeversicherung, Grundsteuer, Straßenreinigung, Verzinsung einiger Darlehen: Das muss alles weiter gezahlt werden." Einnahmen hingegen gibt es kaum, da nur zwei von zwölf Objekten vermietet sind. Jensen hat rechtzeitig damit begonnen, die Häuser zu leeren und nicht wieder neu zu vermieten, um sie für Investoren attraktiver zu machen und einen zügigen Baubeginn zu ermöglichen. "Wir können jederzeit loslegen", so Jensen, "in vier bis fünf Monaten könnte ein Bauantrag vorliegen." Die Vorplanungen, die vor über zwei Jahren auch öffentlich präsentiert wurden, stammen von dem Flensburger Architekten Michael Krebs.

Die Stadt Flensburg hat ein großes Interesse daran, dass an der Schiffbrücke endlich etwas passiert. Die Häuserfront in allerbester Hafenlage verfällt zusehends und wird immer mehr zu einem Schandfleck und einer Problem-Immobilie. Eine Renovierung von Grund auf, womöglich verbunden mit Teilabrissen und Neubauten, würde die Schiffbrücke an dieser Stelle ungemein aufwerten.

Das weiß auch Chefplaner Michael Draeger, der Kontakt zum Insolvenzverwalter aufgenommen hat, um gemeinsam mit ihm eine Lösung im Sinne der Stadt zu erzielen. "Wir müssen sehen, was wir verhindern können und was nicht", meinte Draeger. Ihm sei klar, dass der Insolvenzverwalter im Sinne der Gläubiger das Ziel hat, "Werte zu Geld zu machen." Er könne sich nicht vorstellen, dass die Stadt als Käufer auftritt, um das Areal für die gewünschten Zwecke - etwa als Hotel - zu nutzen. Vor dem Hintergrund der Gesamtentwicklung an der Schiffbrücke mit dem Ausbau des Historischen Hafens und der Erweiterung des Schifffahrtsmuseums brachte Draeger aber auch das Thema Parken ins Spiel: "Was passiert mit all dem Blech? Wo ist Platz für ein Parkhaus?"

Kay-Uwe Jensen indes ist in seinem Optimismus unerschütterlich. Er sei in guten Gesprächen mit neuen Investoren. "Ich bin guten Mutes", sagte er gestern. Er werde alles tun, um die Insolvenz doch noch abzuwenden. "Flensburg hat verdient, dass da etwas Gutes hinkommt."

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