Nach Ende des KKI : Jedes Viertel braucht ein Kulturzentrum

Neuer Ort für Leute mit Ideen: Eine offizielle Einweihung gab es für die Neustadt 12 als multikulturelles Zentrum noch nicht, aber es lebt bereits, wie hier bei der zweiten Vernissage.
Neuer Ort für Leute mit Ideen: Eine offizielle Einweihung gab es für die Neustadt 12 als multikulturelles Zentrum noch nicht, aber es lebt bereits, wie hier bei der zweiten Vernissage.

Nach dem Ende des KKI vor einem Jahr dient nun das Stadtteilhaus Neustadt 12 den Treffen und Aktionen von Künstlern und Kreativen.

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01. Juli 2015, 16:00 Uhr

Flensburg | Als Ersatz mag Lothar Baur das Haus in der Neustadt 12 nicht betrachten. Dafür ist die Kunst- und Kulturinitiative, das KKI, wie die Alte Schule in der Duburger Straße zuletzt hieß, doch zu anders gewesen. Auf über 160 Projekte hat sie es binnen sieben Jahren gebracht. Von den 18 Künstlern, die in den früheren Klassenräumen ihre Ateliers hatten, haben einige wieder in der Neustadt eine neue Heimat gefunden. Nach der verlängerten Nutzung kam im vorigen Jahr das Ende des KKI als „soziokulturelles Zentrum“. Und mit ihm das Ende des einen oder anderen Vorhabens. Daran könne man erkennen, wie wichtig ein solcher Treffpunkt sei, folgert Lothar Baur mit Blick auf ein Flensburger Radioprojekt, das von vorn anfangen muss.

„Weil jeder Stadtteil ein eigenes Kulturzentrum haben muss“, so Lothar Baurs Bestreben, bedient jetzt erst mal die Neustadt 12 die Klientel, die das genauso sieht. Das Stadtteilhaus am Nordertor ist seit Februar von der Sanierungsgesellschaft angemietet und beherbergt im anderen Gebäudeteil das Jugendzentrum AAK. Die beiden hohen Räume linkerhand vom Eingang der Neustadt 12 trennt eine deckenhohe Ziehharmonika-Tür. Zwei Ausstellungen und ein paar Familienfeste haben die Säle schon gesehen. Bei der ersten Ausstellung von Studenten, erzählt Baur, war das Innenleben des Hauses nur zur Hälfte hergerichtet. Das tat dem Erfolg keinen Abbruch: Die erste wie auch die zweite Vernissage lockte rund 200 Besucher.

Jetzt wirkt alles licht und einladend. Vom Flur mit Garderobe gehen eine gut bestückte Teeküche ab und ein Lagerraum für jede Menge Stühle zum Beispiel. Im hinteren Saal schließlich steht eine Musikanlage. Ziel sei, Leuten, die im Norden wohnen, einen Raum zu geben – zum Feiern wie zum Kreativ werden. „Wenn Du etwas machen willst, wende Dich an uns, und wir gucken, was sich machen lässt“, spricht Baur seine Zielgruppen direkt an. Bei dem Kultur- und Medienmanager vom Bodensee laufen viele Fäden zusammen: Er ist Initiator des Midtsommerjazz am Ostseebad, das noch frisch in Erinnerung haftet, diverser Kunst- und Kulturbaustellen und Konzerte in der Alten Deutschen Bank (Neustadt 21), Gründer des Vereins 8001. Der habe 15 aktive Mitglieder. Die zahlen einen winzigen Beitrag. Das ist für Baur nicht die Währung, die zählt. „Wir brauchen Leute, die mit einer Idee kommen; das ist viel wichtiger.“ Gleichwohl ist Geld ein Thema, nur die Quelle soll eine andere sein. „Wir würden ja die Welt umpflügen, wenn wir das Geld hätten.“ Baur hofft, dass es einen Stadtteilfonds geben wird. Seiner Beobachtung nach, „haben alle verstanden, dass es ohne nicht geht“.

Als nächstes werden 18 Siebtklässler von der Comeniusschule in der Neustadt die Welt verbessern. Sie beteiligen sich am Schulwettbewerb „Einwegplastik kommt (mir) nicht in die Tüte“. Dazu werden sie am 7. Juli ab 12 Uhr Plastikkunst aus dem Meer von Chris Landrock ausstellen und Plakate , mit Antje Fuchs und Stela Korljan auf der Straße eine Performance zeigen und Edeka-Kunden in der Neustadt mit selbst gefertigten Stoffbeuteln beschenken.

www.8000eins.de

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