Trockenheit in Flensburg : Jeder Tropfen zählt!

Staubtrocken: Die Taerbek führt kein Wasser mehr – der Bach zieht sich mitten durch den Ortsteil Tarup.
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Staubtrocken: Die Taerbek führt kein Wasser mehr – der Bach zieht sich mitten durch den Ortsteil Tarup.

Trockenheit und die Folgen: Rasen verdorrt, Vögel leiden, erhöhte Waldbrandgefahr – und selbst die Straßenbäume machen schlapp.

Gunnar Dommasch von
12. Juli 2018, 10:48 Uhr

Flensburg | Die anhaltende Trockenheit bringt nicht nur Landwirte ins Schwitzen. Bäume lassen die Blätter hängen, der Rasen verdorrt – und auch die Tierwelt leidet.

Wie im Garten von Michael Hollinger und seiner Frau Christa. Das Paar wohnt in einem Einfamilienhaus an der Struvekoppel in Tarup, unmittelbar an ihrem Grundstück fließt die Taerbek vorbei. Von Fließen kann allerdings keine Rede mehr sein. Der Bachlauf ist staubtrocken. Auch der Lautrupsbach führt stellenweise kaum noch Wasser. „Wir geben den Singvögeln täglich Wasser – morgens, manchmal auch abends“, berichtet das Ehepaar. Und dann kommen sie angeflogen: Grün- und Buchfink, Meisen, der Laubsänger (Fitis), Kolonien von Spatzen und sogar ein Buntspecht. Es gibt zudem feste Nahrung.

Auch die Kohlmeise freut sich, wenn man im Sommer zufüttert.
Foto: Peter Endig/dpa
Auch die Kohlmeise freut sich, wenn man im Sommer zufüttert.
 

„Auch im Sommer soll man zufüttern“, weiß Hollinger, „denn mit der Brut geht ein hoher Energieverlust einher.“ Der ohnehin nur noch kleine Bestand an Insekten ist durch Mangel an Feuchtigkeit nochmals dezimiert worden.

Der Mangel ist groß, der Durst enorm. Amseln haben im Garten Schalen umgeworfen und Steine beiseite geräumt, das Moos zerpflückt, um Raupen, Larven oder Regenwürmer zu finden. Doch die sind abgetaucht. „Morgens pochen die frechsten Vögel mit ihren Schnäbeln an die Fensterscheibe“, sagen die beiden Naturfreunde. Und verlassen ihr Revier nicht. „Sie bewegen sich in einem Radius von vielleicht 50 Metern. Besonders die Jungen sind in Gefahr zu verdursten.“ Naturschützer betonen, den Tieren im Garten oder auf dem Balkon saubere Vogeltränken anzubieten. Das Gefäß sollte täglich ausgekocht werden, um Keimen vorzubeugen.

Wasserspende für Bäume

Sträucher, Stauden und Straßenbäumen geht es in diesen Tagen nicht besonders gut. Man sieht es ihnen an. Zwei Mitarbeiter des Technischen Betriebszentrums sind deshalb extra für die Wässerung der Pflanzen abgestellt. Dabei spielen die verschiedenen Pflegeklassen ein Rolle: Priorität hat die Innenstadt, Neuanpflanzungen am Rathaus etwa, Blumenbügel in der Fußgängerzone oder die aufwändige Bepflanzung am Maskenbrunnen. Rasenflächen sind ausgeklammert. „Die kriegt man auch mit Trockenheit nicht tot“, sagt TBZ-Sprecher Geoffrey Warlies. Großflächige Wassergaben seien ökologisch übertrieben. Die überall zu beobachtenden Verfärbungen würden bei Regenfällen schnell wieder einem satten Grün weichen.

Warlies ist nicht verborgen geblieben, dass Straßenbäume – besonders die jüngeren, nicht tief verwurzelten – Hilfe brauchen. Reviergärtner erfassen derzeit den Bedarf und erstellen eine Bewässerungsliste. Allerdings sind Personal und Maschinen knapp, auch wenn es Unterstützung durch das Klärwerk mit Saug- und Spülwagen gibt. Insofern ist gern gesehen, wenn Hauseigentümer oder Mieter den Bäumen vor ihrem Haus gelegentlich einige Eimer Wasser spendieren. Gelegentlich! Im Gegensatz zur kontinuierlichen Pflege eines Rasens reicht hier eine Bewässerung ein bis zweimal in der Woche.

Kein Trinkwasserproblem

Die Stadtwerke haben aktuell nicht mit Problemen oder Engpässen zu kämpfen. Das Trinkwasser wird aus mehreren Brunnen in 100 bis 300 Metern Tiefe gefördert. Der Zeitraum von acht Wochen, in dem es kaum geregnet hat, wirkt sich auf die Trinkwasserversorgung nicht aus. „Es dauert einige Jahrzehnte, bis der Regen in den von uns genutzten Tiefen ankommt, und bis dahin gleichen sich vergleichsweise kurze Perioden von einigen Wochen mit viel oder wenig Niederschlag aus.“

Im Mai und Juni habe man etwa zehn Prozent mehr Wasser geliefert als im Vergleichszeitraum 2017. Allerdings habe es an einigen Tagen einen Spitzenverbrauch von bis zu 19.000 Litern gegeben. Normal seien 12.000 bis 13.000 Liter. „Eine nachvollziehbare Erklärung haben wir dafür aber nicht.“

Die Marienhölzung, die über einen feuchten Boden verfügt, und der Volkspark fallen auch in den Zuständigkeitsbereich des TBZ. Besonders den Tiefwurzlern dort kann die Trockenheit nichts anhaben. Eine mögliche Gefährdung droht aus einer ganz anderen Ecke. Offene Feuer oder das Rauchen erhöhen die Waldbrandgefahr. Auch das Grillen auf „Grün“-flächen ist riskant. Hitzerückstände können sich entzünden.

Dehydrierte Igel

Die anhaltend hohen Temperaturen und die Trockenheit machen auch Igeln zu schaffen Die Kombination aus Wärme und Dürre sorgt dafür, dass viele Igel mit Dehydratation zu kämpfen haben – und sterben. Die Organisation Igelhilfe Nordjütland (Pindsvinehjælp Nordjylland) schlägt bereits Alarm. Gartenbesitzer werden nun aufgefordert, Wasser in einer Schale für die Tiere bereit zu stellen.

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