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Die Helfer vom Bahnhof : „Jeder in Flensburg ist gerade Flüchtlingshelfer“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Serie: Die Helfer vom Bahnhof: Niklas Kildentoft organisiert die Flüchtlingshilfe am Bahnhof.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2015 | 13:00 Uhr

Flensburg | Viele Helfer vom Bahnhof sind an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen. Seit einer Woche arbeiten sie fast rund um die Uhr ehrenamtlich beim Empfang der Flüchtlinge mit, bereiten Essen vor oder kümmern sich um frische Kleidung. Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie man sich einbringen kann bei der Willkommensinitiative – doch all die Helfer und Hilfen wollen auch koordiniert sein.

Darum kümmert sich zum Beispiel Niklas Kildentoft. Der 25-Jährige beschäftigt sich schon länger mit der Flüchtlingskrise, arbeitet seit Februar ehrenamtlich beim Verein Flüchtlingshilfe Flensburg mit, wo er zweiter Vorsitzender ist. Seit Mittwoch ist er zusätzlich am Bahnhof, packt mit an und koordiniert die Helfer.

Die Resonanz an Hilfsbereitschaft überwältigt ihn. Niklas hat keine Erklärung dafür, wie es sein kann, dass jede Helferabteilung reibungslos funktioniert – von ganz alleine. So viel hat er eigentlich gar nicht mehr zu koordinieren zwischen den Helfern. Die Entwicklung, die zwischen Mittwochnacht und Sonnabend stattgefunden hat, sei riesig. Die Organisatoren halten ständig Kontakt mit den Helfern aus anderen Städten, notieren wie viele Flüchtlinge mit dem nächsten Zug aus Hamburg ankommen und leiten diese Informationen an die verschiedenen Helferteams am Bahnhof weiter. So gelingt es ihnen, dass genug Essen und Kleidung da ist.

Wie für viele andere sind die Helfer auch für Niklas zu einer Familie geworden. Als er Dienstagabend nach einer zweitägigen krankheitsbedingten Pause zurück zum Bahnhof gekehrt ist, wurde er herzlich empfangen, alle haben sich erkundigt, wie es ihm gehe, erzählt er gerührt. „Dabei kenne ich die Menschen ja erst seit wenigen Tagen!“

Dass die Krise so nah an Flensburg rankommt, hätte er nicht gedacht. Die Bilder aus den Nachrichten werden immer realer. Am Dienstag sind wieder um die 800 Flüchtlinge in Flensburg angekommen, schätzt das Orga-Team.

Eigentlich hat für Niklas diese Woche die Uni wieder begonnen, er studiert Marketing und Kommunikation in Dänemark, am Montag hatte er noch ein mündliches Examen. Die Uni-Veranstaltungen will er vorerst nicht besuchen, damit er noch mehr für die Flüchtlinge tun kann. „Hausarbeiten kann ich auch von Zuhause aus schreiben.“ Sein Hobby Handball steht gerade auf dem letzten Platz seiner Prioritätenliste. Ganz oben, klar, die Flüchtlingshilfe. Denn: „Jeder in Flensburg ist gerade Flüchtlingshelfer.“

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