Lions-Club Flensburg-Fördestadt : Jazzpremiere mit Jungmusikern

Der Bariton James J. Kee vom Volkstheater Rostock gab den Papageno und andere Figuren des Musiktheaters beim Lions-Benefiz-Konzert auf Schloss Glücksburg.
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Der Bariton James J. Kee vom Volkstheater Rostock gab den Papageno und andere Figuren des Musiktheaters beim Lions-Benefiz-Konzert auf Schloss Glücksburg.

Die Band Sellows überzeugte mit ihrem Debüt auf Schloss Glücksburg. Zuvor lieferten Sopranistin Anna Schoeck und Bariton James J. Kee hochwertige Unterhaltung mit Liedern aus Oper und Operette ab.

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10. November 2013, 16:04 Uhr

Klassik und Jazz – mit dieser Kombination hatte der Lions-Club Flensburg-Fördestadt zum 4. Benefizkonzert eingeladen und war damit auf viel Interesse gestoßen. Der erste Teil galt bekannten und beliebten Stücken des Musiktheaters wie „Mein Liebestraum“ aus „Die verkaufte Braut“ von Smetana und Papagenos Arie aus Mozarts Zauberflöte. Sopranistin Anna Schoeck und Bariton James J. Kee sorgten mit Arien und Duetten aus Oper und Operette für gute Unterhaltung. Musikalisch wie szenisch trugen die Sängerin des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters und der Sänger des Volkstheaters Rostock überzeugend vor, lebendig-zurückhaltend begleitet von Peter Geilich, Kapellmeister am Landestheater. „Das erinnert an ganz alte Zeiten“, sagte ein Zuhörer. Seine Erwartungen seien erfüllt worden.

Für die Auswahl der Künstler hatte Peter Sommerer, der Generalmusikdirektor des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters, gesorgt. Der Österreicher ließ zum ersten Mal im Glücksburger Schloss musizieren. In der Pause schilderte der Dirigent seine ersten Eindrücke. Die 300 Zuhörer hätten die jeweiligen Stücke gut gespiegelt, sagte er und lobte: „Das Publikum ist extrem aufmerksam.“ Sommerer, Mitglied im Club, führte gekonnt durch den Abend. Den „Barbier von Sevilla“ ließ er als Frisör im Niedriglohnsektor arbeiten. Den Unterhaltungswert von Operetten verglich Sommerer mit dem von TV-Seifenopern. Er sei garantiert. Jede seiner kurzweiligen Hinführungen zu Arie oder Duett sorgte für Heiterkeit.

Als bekömmliches wie erfrischendes Bonbon entpuppte sich der experimentelle zweite Teil des Abends. Junge Orchestermusiker aus Schleswig-Holstein und Hamburg lieferten Eigenkompositionen und etablierte Jazzweisen wie „On the sunny side of the street“ in ungewöhnlicher Besetzung. Als „Sellows“ hatten sich die Musiker des Landesjugendorchesters erstmalig formiert und gezwungener Maßen eigene Kompositionen und Arrangements geschrieben. „Für Geige, Cello, Contrabass, Posaune, Piano und zwei Saxofone beziehungsweise eine Oboe gibt es keine Jazzliteratur“, erklärte Bandleader Glenn Großmann (18, Contrabass), der mit seinen Mitstreitern Lasse Golz (21, Tenorsax), Fynn Großmann (21, Altsax, Oboe), Giacomo Schmidt (16, Geige), Felix Jedeck (16, Cello), Benjamin Turley (16, Flügel) und Robert Hedemann (22, Bassposaune) kraftvoll vortrug. Die Jungmusiker verschonten ihr Publikum nicht mit Disharmonien, orchestralen Zwischentönen und ungewöhnlicher Darbietung. Über das Betrommeln der Bodendielen bis hin zum Ortswechsel reichte ihre Experimentierfreude, die das Publikum mit Applaus, Rufen und Stampfen goutierte. Es ist zu hoffen, dass Sommerer Recht behält: „Von diesen Musikern werden wir noch hören.“

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