„Masterplan Mobilität 2030“ : Ist Flensburgs Klimaziel zu ambitioniert?

Neuralgischer Punkt für Auto und Rad: Auf der Friedrich-Ebert-Straße stauen sich Autos immer öfter – und Radler müssen mit dem Provisorium Heinrichstraße leben.
Neuralgischer Punkt für Auto und Rad: Auf der Friedrich-Ebert-Straße stauen sich Autos immer öfter – und Radler müssen mit dem Provisorium Heinrichstraße leben.

Bus und Rad fördern – oder Autos: Der Planungsausschuss schickt den Grundsatzbeschluss zum Leitbild des Masterplans in die Verlängerung.

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14. Dezember 2017, 06:12 Uhr

Flensburg | Den Grünen gehen die Fortschritte für Rad, Bus und Fußgänger nicht weit und schon gar nicht schnell genug. CDU und WiF fürchten, dass Autofahrer und Einzelhandel unter die Räder kommen könnten: Gleich der erste Aufschlag zum Leitbild „Masterplan Mobilität 2030“ ist am Dienstagabend in die nächste Beratungsrunde des Planungsausschusses geschickt worden. Und das, obwohl die Zeit drängt bei dem Förderprojekt als Teil des „Masterplans 100 Prozent Klimaschutz“: „Wir brauchen erstmal die Richtung. Sie haben die Klimaziele beschlossen“, erinnerte Flensburgs Verkehrsplanerin Elin Helas die Politiker daran, dass sie sich bereits auf dem Weg zur CO2-Neutralität im Jahr 2050 gemacht hätten.

„Ziel des Masterplans Mobilität ist es, die Mobilitätswende in Flensburg weg von einer autogerechten zu einer klimafreundlichen Stadt mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität zu meistern“, heißt es in der Vorlage zu Leitbild und Umweltverbund-Szenario. „Wir haben bewusst gesagt, dass Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV und Bahn bewusst gefördert werden“, erklärten die Verkehrsplaner Jörn Janssen und Sabrina Stieger vom Büro SHP: „Wir behandeln das Auto aber nicht restriktiv.“

 

Dabei wollten die Planer Flensburgs Ratspolitiker unter drei Szenarien auf die mittlere Umweltverbundstrategie einstimmen, die den Verkehr in der Innenstadt mittelfristig um 20 Prozent verringern soll. Pelle Hansen (Grüne) brachte schon der Verzicht auf das strengere Klimaschutzszenario auf die Palme, während Arne Rüstemeier (CDU) einige Fragezeichen in die andere Richtung setzte: „Ist der Masterplan Mobilität ein Masterplan Radverkehr?“ In einer Mitteilung bekennt sich die CDU zum Verfahren, sieht aber die Quadratur des Kreises: „Zum Einen stehen wir zu den erklärten Zielen Klimaschutz und Lebensqualität in Flensburgs Innenstadt, zum Anderen ist das Ziel, Flensburg als führenden Wirtschaftsstandort der Region zu erhalten und auszubauen, ebenfalls vorrangig“, erklärt Planungsausschussmitglied Joachim Schmidt-Skipiol. Man wolle die Stadt für Einkaufstouristen attraktiv erhalten sowie den Innenstadthandel stärken.

Auch WiF-Ratsherr Hubert Ambrosius brach eine Lanze für die Autofahrer: „Wenn wir weniger Parkplätze anbieten, haben wir noch mehr Parkplatzsuchverkehr.“ Das beauftragte Verkehrsplanungsbüro hat indes herausgefunden, dass die zentralen Parkhäuser aufgrund höherer Preise als bei den umliegenden Parkplätzen teilweise sehr wenig ausgelastet seien. 4100 Parkplätze gebe es in der Innenstadt, eine Überlastung aber nur in seltenen Spitzenzeiten. Elin Helas riet, die große Aufenthaltsqualität für die Menschen in der Fußgängerzone zu bestaunen und warnte vor einer Überlastung der City mit Autoverkehr: „Der Zob-Knoten ist in seiner Leistungsfähigkeit an manchen Zeiten schon an seiner Grenze. An irgendeiner Stelle können wir nicht mehr optimieren.“

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