Ist es heiß in Jarplunds Untergrund?

Geologen und Geophysiker machten Messungen mit dem Gravimeter in Jarplund. Foto: kirschner
Geologen und Geophysiker machten Messungen mit dem Gravimeter in Jarplund. Foto: kirschner

Geologen und Geophysiker untersuchten im Handewitter Ortsteil lokale Möglichkeiten der Tiefengeothermie / Ergebnisse im nächsten Jahr erwartet

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01. Oktober 2012, 07:07 Uhr

Handewitt | "B14" oder "K9" sind am Straßenrand oder auf dem Radweg mit gelber Kreide aufgemalt. Einige kleine Trupps wandern mit Stativen, teuren Geräten und langen Messbändern durch den Handewitter Ortsteil Jarplund und die südlich angrenzende Flur. Es handelt sich jedoch nicht um Ingenieure als Vorboten eines Straßenbaus, sondern um Geologen und Geophysiker, die sogenannte gravimetrische Messungen durchführen - und zwar an "B14", "K9" und 198 weiteren Punkten. Die Ergebnisse sollen die Datengrundlage bilden für die Tiefengeothermie, einem Verfahren zur Gewinnung von Erdwärme (wir berichteten).

Ganz einfach erklärt geht es darum: Bei dieser Form der regenerativen Energien werden warme Wasserschichten in Tiefen von bis zu 2500 Metern angezapft und diese in die Wärmeversorgung an der Erdoberfläche integriert. In Holland werden so bereits Gewächshäuser beheizt, in der dänischen Nachbarschaft, nämlich in Sonderburg, geht in Kürze ein Geothermie-Heizwerk in Betrieb. In Deutschland ist die Technologie noch weitgehend unbekannt. "Wir wollen das Interesse wecken", sagt Dr. Reinhard Kirsch vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Er zeigt sich zufrieden, dass nun das EU-Projekt "GeoPower", in das 546 000 Euro aus Brüssel fließen, in Süddänemark und dem Landesteil Schleswig läuft.

Der Kern des Projekts ist eine umfassende Datenbasis, die interessierten Unternehmen oder Kommunen zur Verfügung gestellt wird. "Wenn die Gemeinde Handewitt fragt, wo es sich lohnen würde, wollen wir eine genaue Antwort geben", erklärt Kirsch. "Jetzt könnten wir das noch nicht so gut - und vor allem nicht so schnell." Viele bestehende Daten aus früheren Felduntersuchungen werden derzeit ausgewertet. Während die Geologie an der Westküste leicht verständlich ist, sorgen im Jarplunder Raum Salzstöcke für eine besondere Komplexität in der Erdkruste, die analysiert werden muss. Wo genau stecken die erforderlichen "geothermischen Nutzhorizonte"?

Das ist ein Fall für Prof. Dr. Hans-Jürgen Götze vom geowissenschaftlichen Institut der Universität Kiel. Er ist mit zwei Dozenten und einem guten Dutzend seiner Studenten auf die Geest gekommen. "Wir sind hier mitten in einer Salzmauer", beweist der Experte ein Gespür für die Tiefe. Dabei beobachtet er, wie der angehende Geologe Lars Wiesenberg die Höhe über Normallnull und die geografischen Koordinaten für den Punkt "B14" exakt festhalten.

Wenige hundert Meter weiter - an "K9" - betätigt sich Dennis Dujan am Gravimeter. Ein unauffälliger Kasten, der stolze 85 000 Euro gekostet hat, aber ein feines Gespür für die geringen Anomalien des Erdschwerfeldes hat. Diese werden durch die geringe Dichte der Salzstruktur erzeugt. Zunächst bringe der Gravimeter allerdings nur "Hausnummern" hervor, schmunzelt Prof. Dr. Hans-Jürgen Götze. "Diese Zahlen werden wir in der nächsten Woche am Computer auswerten und die Ergebnisse im Wintersemester modellieren." Dann werden sich die 200 Messpunkte zu einem dreidimensionalen Blick in den Jarplunder Untergrund vereinen.

Im November soll unter dem Schirm von "GeoPower" eine seismische Untersuchung erfolgen, vermutlich in der regionalen Nachbarschaft. Die EU-Förderung für das Vorhaben endet zwar erst im Juni 2014. Dr. Reinhard Kirsch hofft aber schon im Laufe des nächsten Jahres auf verlässliche Daten. Dann wären klare Aussagen möglich, wo sich in Jarplund eine Bohrung anbieten würde und ob die Tiefengeothermie wirklich Zukunftsmusik für die Gemeinde Handewitt sein kann.

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