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Gastkommentar aus dem Regionskontor : Ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Krise?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dänemarks Grenzkontrollen, Flensburgs Votum gegen einen Grenzbahnhof oder die Nichtverlängerung der grenzüberschreitenden Nutzung der Flensburger Strahlentherapie sind Beispiele.

shz.de von
erstellt am 19.Dez.2016 | 10:50 Uhr

In diesen Wochen liest man vermehrt in den Medien, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Krise sei. Ob dies wirklich so ist, sollen die folgenden Zeilen beleuchten. Ohne Zweifel hat es im Jahr 2016 – wie auch schon immer in den Jahren zuvor – Erfolge und Misserfolge gegeben, wenn es um die Umsetzung konkreter Dinge zwischen deutschen und dänischen Akteuren ging. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. In der Tat hat es in 2016 auch eine Häufung von Themen und Entwicklungen gegeben, die bislang so nicht aufgetreten sind.

Zu den in diesem Zusammenhang oftmals zitierten Themen zählen unter anderem die seit dem 4. Januar 2016 durchgeführten Grenzkontrollen sowie die Inbetriebnahme der automatischen Kennzeichenscanner an der Grenze. Die geringere Nutzung des Niebüller Rettungshubschraubers aufgrund der in Dänemark etablierten Hubschrauberflotte oder die Nichtverlängerung der grenzüberschreitenden Nutzung der Flensburger Strahlentherapie gehören ebenfalls zu diesen Themen. Aktuell wird die politische Diskussion um den Flensburger Grenzbahnhof, die offenbar beendet ist, zitiert. Nicht zu vergessen ist hier auch das schleichende Aus der grenzüberschreitenden Geburtshilfe im Niebüller Krankenhaus.

Gleichzeitig funktionieren viele Kooperationen. Die seit 1997 in der Region Sønderjylland-Schleswig geleistete Arbeit ist hier Grundlage und schuf den Rahmen für vielfältigste Zusammenarbeit, ist jedoch nicht immer in diesem Zusammenhang sichtbar oder – je nach Definition – auch nicht beteiligt, da es schlichtweg auch ohne politische oder administrative Hilfen zu einer Zusammenarbeit gekommen ist. Ja, es gibt sogar Kooperationen, die sehr gut funktionieren, ohne dass diese in der Presse beschrieben werden – man denke hier an gute geschäftliche Beziehungen von Unternehmen, die gar kein Interesse an Publizität haben.

Seit den 1990er Jahren fahren Rettungswagen zu Einsätzen über die Grenze, und auch die Kooperation der Feuerwehren war noch nie so stark wie heute.

In Raumplanungsfragen wurden erste Initiativen ergriffen, die die Beteiligten enger zusammenbringen, und auf dem Arbeitsmarkt konnten Erleichterungen für die Mobilität erreicht werden. Im kommenden Jahr wird ein Projekt die grenzüberschreitende Arbeitsvermittlung ankurbeln, was gerade den Kommunen an der Grenze zu Gute kommen wird.

Dies sind nur Beispiele, an denen die Region Sønderjylland-Schleswig direkt oder indirekt einen Beitrag geleistet hat, denn ohne kontinuierliche Arbeit verlaufen Initiativen im Sande.

Übergeordnet konnte ein Fokus der dänischen Regierung auf das Nachbarland Deutschland registriert werden, der unter anderem in einem Ausbildungsgipfel auf Ministerebene mündete.

Viele Projekte wurden im laufenden Interreg-Programm Deutschland-Dänemark bereits gefördert – ein Großteil hiervon zum Wohle der Region an der Landgrenze. Eine stete Aufgabe ist das Vernetzen und Zusammenbringen der Bevölkerung, das mit dem jetzt etablierten Projekt KursKultur entscheidend vorangebracht werden konnte. Für größere Projekte wurde eine neue Kulturvereinbarung verhandelt, die ab Januar ihre Arbeit aufnehmen wird.

Politisch funktioniert die Zusammenarbeit gut. Da man die Partner kennt und deren Interessen, Wünsche und Vorstellungen respektiert, konnten Lösungen gefunden werden, wie beispielsweise die neue Vereinbarung zur Zusammenarbeit, die zu Beginn des kommenden Jahres unterzeichnet wird.

Für eben diese Erfolge ist es erforderlich, den Rahmen für Diskussion und Wissensaustausch auf einer vertrauensvollen Basis zu schaffen. Genau dies ist Aufgabe und Ziel der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Region Sønderjylland-Schleswig und wird es bleiben. Getragen von der Achtung der Unterschiede sowie dem Begegnen auf Augenhöhe werden auch zukünftig Erfolge erreicht, und es bleibt eine Daueraufgabe, den Dialog im Grenzland ergebnisorientiert fortzuführen. Eine Zusammenarbeit, die einen Mehrwert für die Bevölkerung in der Grenzregion schafft.

Dafür stehen wir.

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