Altes Gymnasium & Yigal Alon High School : Israel - wie Geschichte lebendig wird

Austausch: Dr. Jan-Christian Schwarz (2. v. r.), Menachem Shelef (r.) und Abiturienten aus Flensburg besiegeln mit Gastgeschenken die Schul partnerschaft. Fotos: Walther
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Austausch: Dr. Jan-Christian Schwarz (2. v. r.), Menachem Shelef (r.) und Abiturienten aus Flensburg besiegeln mit Gastgeschenken die Schul partnerschaft. Fotos: Walther

Am Sonntag kehrten 18 Schüler des Alten Gyms von ihrer Abschlussfahrt aus Israel zurück - bereichert um Kontakte zu Altersgenossen und eine Beziehung zum Nahen Osten.

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03. Juni 2009, 12:36 Uhr

Flensburg/Rishon Le Zion | Keine halbe Stunde ist vergangen seit ihrer Ankunft in Rishon Le Zion, da stehen die Schüler des Alten Gymnasiums im Büro des Schuldirektors. Auf der Strecke von Jerusalem Richtung Tel Aviv war Stau. Die Gruppe hat sich verspätet. "Ihr kommt nie zu spät", empfängt Menachem Shelef die 20 Deutschen mit offenen Armen - symbolisch wie in Wirklichkeit. Und er beginnt seine kleine Führung durch die "Yigal Alon High School" von 1987 in der "viertgrößten Stadt Israels".

Unkompliziert geschieht die erste Begegnung künftiger Partner. Was die Lehrer Jan-Christian Schwarz und Jane Becker von langer Hand anbahnten - mit Hilfe des israelischen Botschafters Ilan Mor, des Jugendamts in Rishon Le Zion, privaten Sponsoren und Stiftungsgeld, Vorbereitungsseminaren und Klassenfahrten auf jüdischen Spuren nach Berlin, Prag und Budapest -, mündet nun auf der Abschlussfahrt eines aktiven Kerns von Abiturienten beinahe nahtlos in eine deutsch-israelische Schulpartnerschaft.
Skulptur erinnert an schwärzesten Tag in Schulgeschichte
Künftige Gymnasiasten werden profitieren. Schwarz übernimmt zum neuen Schuljahr eine elfte Klasse, mit denen er erneut eine Reise nach Israel plant. "Das nächste Mal wohnt ihr in Gastfamilien", sagt Menachem Shelef spontan zu. Im Jahr 2011 wollen dann die Flensburger Gastgeber sein, erwidert Schwarz.

"Lebendige Geschichte" will der promovierte Historiker vermitteln, einen emotionalen Zugang ermöglichen. Das gelingt, spürbar: Der Rundgang durch Computerkabinett und Klassenräume führt an einer Skulptur vorbei, die an "einen der härtesten Momente im Leben unserer Schule" erinnert, erzählt Shelef. Sie ist einem Schüler gewidmet, der in einer Disko ermordet wurde. Der Täter sei bekannt, aber auf freiem Fuß. Betreten hören die deutschen Gäste zu.

Schließlich gesellen sie sich zu israelischen Schülern, die sie willkommen heißen, rote Kappen mit hebräischem Schriftzug der Schule, Ansichtskarten und Kugelschreiber verteilen. Ein Foto vom Alten Gymnasium geht herum; eine Schülerin staunt: "Das ist eure Schule? Sie sieht aus wie ein Schloss!"

Direktor Shelef ist froh, aber nicht überrascht, denn er hat die Website des Alten Gyms studiert und sich das Gründungsjahr 1566 gemerkt. Er erzählt von Rishon Le Zion, das russische Einwanderer 1882 gründeten, die erste Hebräisch-Schule der Welt beherberge und eine bedeutende Weinfabrik, ein Ort des Gedenkens sei. Der Sohn von Überlebenden des Holocausts und gebürtige Frankfurter sagt: "Das ist Teil unserer Geschichte", und blickt doch voraus: "We shall overcome", die alte Hymne, zitiert er als sein Motto. Das gelte auch für die politischen Probleme auf dem Feld der Sicherheit und Wirtschaft, die es bei aller Leichtgängigkeit des Lebens in Rishon gebe.

"Die Nation hat Verantwortung übernommen", lobt Nissim Cohen vom kommunalen Jugendamt stellvertretend die deutsche Kanzlerin, die dem iranischen Präsidenten jüngst mit Worten die Stirn bot. Das tut gut. Die sangesfreudigen Schüler aus Flensburg verschenken Danny Sandersons "Roni", ein trauriges Liebeslied auf Hebräisch, die Gastgeber klatschen rhythmisch mit und rühren Cohens Kollegin Meyrav Kapito zutiefst.

Schüler mischen sich, ihre Stimmen überschlagen sich, als sie Flensburgs Qualitäten preisen: Bier, Punkte und Sexspielzeug erregen Gelächter. Militär ist ein Thema, das alle Jugendlichen interessiert. Falk Engel verrät, wie sich der Militärdienst in Deutschland durch den Zivildienst vermeiden lässt. Dann bleibt gerade noch Zeit, Email-Adressen auszutauschen, bevor die Flensburger ihre Entdeckung des Nahen Ostens fortsetzen. Die neue Gedenkstätte Yad Vashem (von 2005) rührt viele zu Tränen, eine Palästinenserin schockiert, als sie fragt, ob sich einer der Deutschen vorstellen könne, einträchtig mit Mördern ihrer Familie leben zu können, das quirlige Tel Aviv und das erhabene Jerusalem beeindrucken, die einzigen zwei Stunden Erholung im Toten Meer des dichten Programms spenden Energie. Schon am dritten Tag der Reise resümiert Ramin Nobakht aus Flensburg: "Ich habe eine Beziehung zu Israel aufgebaut".

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