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Abmontiert : Irritationen um den Grünen Pfeil in Flensburg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Erfolgsimport aus der ehemaligen DDR stößt auf große Zustimmung – doch in Flensburg sind einige Exemplare verschwunden.

Man muss nicht, aber man kann. Und die meisten tun’s. Das erlaubte Rechtsabbiegen im Angesicht des Grünen Pfeils wird von Autofahrern allgemein begrüßt – und auch genutzt. Umso größer die Verwunderung, dass nun einige Grünpfeile aus dem Flensburger Stadtbild offensichtlich verschwunden sind.

Wie zum Beispiel an der Mühlenstraße. Wer dort gewohnt ist, nach rechts in die Stuhrsallee abzubiegen, obwohl die Ampel rot signalisiert, muss höllisch aufpassen. Denn der Pfeil ist nicht mehr, wo er einmal war. Und niemand weiß, wo er geblieben ist. Ebenso am Ballastkai an der Abzweigung zum Hafendamm. Und es soll weitere Fälle des rätselhaften Verschwindens geben, wie Taxifahrer berichten. Unter ihnen kursiert, dass die Stadt die Pfeile habe demontieren lassen, weil sie unfallträchtige Situationen zur Folge gehabt hätten.

Das allerdings wird von Helge Nissen, Sprecher der Verkehrsbehörde im Technischen Betriebszentrum (TBZ), dementiert. „Es gibt keine Rückbau-Aktion und auch keine derartigen Pläne“, sagt er. Im Gegenteil: Der in Flensburg 1995 eingeführte Pfeil habe sich bewährt, stoße bei Polizei und Bürgern auf anhaltend positive Resonanz.

So ganz genau weiß auch er nicht, wie viele Grünpfeile die Ampelmasten in der Fördestadt zieren – es fehlt an einer umfassenden Übersicht. „Etwa 50 dürften es wohl sein“, sagt Nissen. Man schätzt, dass es in Deutschland etwa 5000 Exemplare gibt, davon 48 Prozent in den alten Bundesländern. Denn bekanntlich handelt es sich (neben dem grünen Ampelmännchen) um ein Relikt aus alten DDR-Zeiten, das in den Westen hinübergerettet wurde und seit dem 1. März 1994 Bestandteil der bundesdeutschen Straßenverkehrsordnung ist.

Die Stadt Flensburg ist im Laufe der Jahre komplett gescannt worden, um festzustellen, wo der Einsatz des Grünpfeils sinnvoll sei und wo nicht. Die Voraussetzungen dafür sind nicht gegeben an Ampeln, die der Schulwegsicherung dienen, bei Kreuzung von beidseitig befahrbaren Radwegen oder immer dann, wenn dem entgegenkommenden Verkehr ein konfliktfreies Abbiegen nach links suggeriert wird, wie etwa an von der B199 auf die Umgehung. Dort wurde das Verkehrszeichen bereits 2006 „ganz bewusst entfernt“.

Was aber ist mit den erwähnten fehlenden Pfeilen geschehen? Helge Nissen mutmaßt, dass das Exemplar am Ballastkai im Rahmen von Bauarbeiten abgenommen worden ist, im Fall der Mühlenstraße ist er ratlos. Unter Umständen ein Dieb, der das Objekt der Begierde nun stolz in seinen Privaträumen präsentiert? „In beiden Fällen ist der Pfeil angeordnet – und das werden wir“, so Nissen, „auch wieder umsetzen.“

Eine Ahndung bei Nichtbeachtung der Anhalte- oder auch Sorgfaltspflicht kann bis zu 100 Euro Bußgeld und drei Punkte im Zentralregister beim hiesigen Kraftfahrtbundesamt nach sich ziehen. Wer dort vorstellig werden will, um sein Konto zu überprüfen, kann sein rechtskonformes Verhalten sogleich unter Beweis stellen: Beim Rechtsabbiegen von der Fördestraße wartet auf ihn . . . der Grüne Pfeil.

 

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erstellt am 10.Jan.2014 | 07:56 Uhr

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