Bernsmanns Bellevue : "Irgendwie bin ich unten durch"

Die Wasserterrasse des Bellevue wird um 55 qm auf das ursprüngliche Maß gestutzt – und Horst Bernsmann (Mitte) packt mit an. Foto: Dewanger
Die Wasserterrasse des Bellevue wird um 55 qm auf das ursprüngliche Maß gestutzt – und Horst Bernsmann (Mitte) packt mit an. Foto: Dewanger

Das Bellevue an der Hafenspitze muss Federn lassen. Die Frist für die erst vor drei Monaten realisierte Erweiterung des Restaurants hin zur Kaimauer ist abgelaufen.

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16. September 2009, 12:31 Uhr

Flensburg | Das Bellevue schrumpft. Um 52 exquisite Plätze auf der Wasserterrasse, um genau zu sein. Horst Bernsmann, der das Restaurant vor 16 Jahren aufgebaut hat, sich heute aber nur noch als Hausmeister und Alleinunterhalter versteht, findet das gar nicht gut. "Meine Gäste auch nicht", fügt er hinzu. Die zusätzlichen Plätze seien außerordentlich begehrt gewesen, das Angebot von Flensburgern und Touristen begrüßt worden.

Bernsmann gibt an, nach Gesprächen mit der Bauordnungsbehörde, namentlich Eiko Wenzel und Frank Rolfes, eine Baugenehmigung für die Anbauten erwirkt zu haben, zeitlich befristet bis zum 15. September. Mit Blick auf die 725-Jahr-Feier der Stadt sei die Erlaubnis erteilt worden. Alle seine Versuche, eine Verlängerung der Frist zu erreichen, seien jedoch gescheitert.

Bei der Stadt sieht man die Dinge freilich anders. Wie so oft, wenn es um die Belange des 65-Jährigen geht. "Es gab lediglich eine temporäre Duldung", korrigiert Stadtsprecher Thomas Hansen. Horst Bernsmann habe am 8. Juli zwar einen Bauantrag gestellt, eine Baugenehmigung sei wegen zweier fehlender Stellungnahmen aber mitnichten erteilt worden. Bernsmann habe sich die Befristung in seinem Antrag quasi selber auferlegt. Im Übrigen sei er für die Stadt nicht der primäre Ansprechpartner.
Abbau des Pontons sei ein Affront
Wie berichtet, hatte Bernsmanns Lebensgefährtin Marion Sliwka (50) als geschäftsführende Gesellschafterin im Mai dieses Jahres den Gang zum Insolvenzrichter antreten müssen. Besitzer der Immobilie ist der Investor Ingo Jaich, das Grundstück hat ihm die Stadt auf Grundlage des Erbbaurechts verpachtet.

Gleichwohl darf man Horst Bernsmann als Spiritus Rector in Sachen Bellevue bezeichnen. Er zieht die Fäden, führt Verhandlungen. Seinen Angaben zufolge ist die ehemalige Küchenchefin Marion Vehrenkemper nunmehr Konzessionsinhaberin.

Die Tatsache, dass Bernsmann die 55 Quadratmeter zusätzlich errichteter Fläche seit Montag zurückbauen muss, wertet er als Affront. "Ich werde das Gefühl nicht los, dass das alles gegen mich persönlich gerichtet ist", sagt er und schließt, seiner eigenen Logik folgend: "Irgendwie bin ich von Beginn an untendurch."

Die Wasserterrasse, ist er sicher, hätte die Stadt ihm niemals genehmigt. Er habe den Bau seinerzeit über das Wasser- und Schifffahrtsamt durchgesetzt.

Jetzt stehen weitere Maßnahmen an: Umbau der Toiletten, Erweiterung des Wirtschaftshofes im Norden und der Lagerräume in Richtung Bahndamm. Thomas Hansen: "Das darf und soll er machen. Die Stadt ist an einer touristischen Außenwirkung in diesem Bereich nachhaltig interessiert."

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