Interreligiöse Werkstatt zeigt Glaubensfenster

Malen den Hintergrund für die Silbe OM: Die Tamilen Sajer und Carmel Vincent (von links).
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Malen den Hintergrund für die Silbe OM: Die Tamilen Sajer und Carmel Vincent (von links).

Menschen verschiedener Nationalitäten und Religionen feiern zum 9. Mal gemeinsam an Pfingstmontag

shz.de von
04. Juni 2014, 16:00 Uhr

Viel Sonnenschein käme den Mitgliedern der Glaubensgemeinden in Flensburg am Pfingstmontag gelegen. Wollen Sie doch ihre Ergebnisse einer Fensterwerkstatt in der Christuskirche in Mürwik präsentieren.

In der Werkstatt sind sechs Glasbilder entstanden. Gemeinsam trafen sich Gläubige an einem Wochenende und malten Symbole oder symbolhafte Bilder auf Glas. Die entstandenen Werke werden am Pfingstmontag, um 14 Uhr, während des traditionellen Begegnungsnachmittags eingesetzt und auch erklärt werden. Anschließend wollen die Anwesenden mit internationalen Tänzen und an einer Kaffeetafel weiterfeiern.

Es ist das neunte Mal, dass Bahá’i-Gemeinschaft, Evangelische und Griechisch-Orthodoxe Gemeinde, Hinduistische Gemeinschaft der Tamilen aus Sri Lanka, Islamisch-Tunesische Gemeinschaft und Jüdische Gemeinde einen Nachmittag der Kulturen, Religionen und Konfessionen in diesem Rahmen in Flensburg schaffen.

Dieser Nachmittag ist möglich, weil sich das Glaubensverständnis gewandelt hat. „Die anderen Glauben sind nicht mehr falsch“, sagt Michael Möbius, der die Treffen mitorganisiert, „sie sind einfach eine andere Offenbarung, ein anderer Zugang zu Gott.“ Sein amtierender Kollege der Christusgemeinde, Michael Jensen, ergänzt: „Das neue ist, dass sich alle Religionen als gebrochenes Licht und nicht mehr als absolutes Licht sehen.“

Hanna Jessen von der kleinen Bahá’i-Gemeinde ist erfreut über „diese Einheit in der Vielfalt, die mit den Fenstern zum Ausdruck komme.“

Inga Aciz und Elena Sokolovsky von der Jüdischen Gemeinde erklären, dass der von Inga Aciz aufgemalte blau-weiße Davidstern eine religiöse wie politische Aussage habe. Die zwei Dreiecke zeigten die Beziehung zwischen Mensch und Gott.

Das religionsübergreifende Miteinander wurde schon bei der Vorbereitung des Pfingstnachmittags offensichtlich. So griffen zwei katholische Tamilen hinduistischen Landsleuten bei der Gestaltung ihres Fensters unter die Arme. Allen Freiwilligen stand Gabriele Beismann mit künstlerischem Rat zur Seite.

Die entstandenen Fenster symbolisieren aus Sicht der Christusgemeinde Dankbarkeit für die bisherigen Begegnungen der Gläubigen und die Fähigkeit, Fragen zu stellen – Fragen nicht nur über den eigenen, sondern auch über die anderen Glaubenslehren. Besuchern der Christuskirche zeigen die Fenster zukünftig auch: „Ihr seid hier willkommen; ihr habt hier Platz.“

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