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myinso.de : Internetplattform hilft bei Entschuldung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Schleswiger Insolvenz-Anwalt Björn Björnsen hat das Angebot gemeinsam mit Michael Clausen entwickelt.

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2013 | 12:00 Uhr

Laut einer aktuellen Studie der Diakonie sind im Land Schleswig-Holstein 100 000 Haushalte überschuldet, mehr als doppelt so viele Menschen haben Zahlungsschwierigkeiten. Ihre Zahl steigt ständig. Sicher hat das auch etwas mit dem sich ändernden Konsumverhalten zu tun.

„Viele sind damit einfach überfordert und können ihre eigene finanzielle Situation nicht mehr richtig einschätzen“, weiß Björn Björnsen, der als Anwalt in einer Insolvenzkanzlei jahrelang Erfahrungen sammeln konnte und diese nutzte, um gemeinsam mit Michael Clausen und der Firma Closed Cavity GmbH ein Internetportal zu kreieren, dass genau dieser Klientel unter die Arme greifen soll – unkompliziert und sofort.

Seit 1999 gibt es auch für Privatpersonen die Möglichkeit, Insolvenz anzumelden. Bevor dieses Verfahren eingeleitet werden kann, muss zunächst mit allen Mitteln versucht werden, eine Insolvenz abzuwenden. Mit Hilfe des außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahrens soll versucht werden, zwischen Schuldner und Gläubigern einen sogenannten Vergleich zu erzielen und die Abzahlung der Außenstände in einem vertretbaren Maß zu regeln.

Sämtliche Gläubiger müssen aufgelistet und angeschrieben werden. Mit jedem Einzelnen wird über die Zahlungsmodalitäten verhandelt. Viele Schuldner geraten schnell an die Grenzen des Überschaubaren und stecken den Kopf in den Sand. Natürlich gibt es Hilfe für die Durchführung einer Privatinsolvenz. Zum einen kann man sich an einen auf das Insolvenzrecht spezialisierten Anwalt wenden – was in Anbetracht der sowieso schon prekären finanziellen Situation meist nicht das Mittel der Wahl ist. Der weitaus größere Teil der Schuldner wendet sich an eine der 35 Schuldnerberatungsstellen im Land. Aber auch hier sind Hürden zu nehmen: „Wenn sich ein Schuldner dazu entschlossen hat, das außergerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren anzustreben, ist der erste Schritt zwar getan“, weiß Björn Björnsen „aber auch wenn er möchte, passiert meist erst einmal nichts. Die Schuldenberatungsstellen sind derart überlastet, dass Wartezeiten von zwölf bis 24 Monaten nicht selten sind – der Druck auf die Schuldner steigt in dieser Zeit ins unermessliche!“ Viele Schuldner kämpfen zudem mit Scham, fühlen sich als Versager. Viele sind erst durch eine besondere Belastung in diese Situation gekommen: „Noch immer sind Arbeitslosigkeit, Trennung und Krankheit die Hauptgründe für Überschuldung“, weiß Björnsen.

„Die Idee, eine Internetseite zu kreieren, mit der man das außergerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren durchführen kann, brodelt schon mindestens zehn Jahre in mir“, erinnert sich Björnsen. Michael Clausen berichtete ihm von einer in Not geratenen Verwandten und holte das Thema bei Björnsen wieder in den Vordergrund.

Zwei Jahre hat die Erstellung der Plattform gedauert. „Die Seite bietet dem Schuldner alle wichtigen und notwendigen Informationen, die ihn Schritt für Schritt, verständlich und unkompliziert durch die Verfahren leiten. Formblätter und Musterschreiben können heruntergeladen werden“, beschreibt Michael Clausen das Vorgehen für ein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren. Das Programm liefert, nachdem alle Gläubiger mit den entsprechenden Forderungen eingetragen und alle Einnahmen verzeichnet sind, einen Sanierungsplan mit einer Übersicht der Gläubiger, Höhe der monatlichen Zahlungen und der Gesamtverbindlichkeit.

Björn Björnsen macht auf einen weiteren Punkt des Angebots aufmerksam: „An dieser Stelle sind die Schuldner selbst gefragt. Viele befassen sich in diesem Moment das erste Mal ganz konkret mit ihren Schulden und sind überrascht, was da zusammengekommen ist.“

Mit dem Nutzen des Portals kann man unangenehme Behördengänge vermeiden: „Noch immer schämen sich viele Verbraucher für ihre Schulden und nur ein Bruchteil nimmt überhaupt die Hilfe der Beratungsstellen in Anspruch. Wir hoffen, dass unsere Internetplattform dazu beiträgt, dass mehr Menschen sich der Verantwortung stellen und ihre Finanzen regeln“, erklärt Björnsen. Die Kosten der Registrierung, für die man alles bekommt, was man für die Abwicklung der Verfahren benötigt – natürlich auch Hilfe, wenn Fragen auftauchen sollten – betragen 75 Euro.

Die Adresse der Internet-Plattform: www.myinso.de


 

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