Internet für alle beim Stadtfest

Spontan gibt ein Glücksburger, der ungenannt bleiben möchte, Thorben Dittmar (r.) 70 Euro für das Vorhaben.
1 von 2
Spontan gibt ein Glücksburger, der ungenannt bleiben möchte, Thorben Dittmar (r.) von Fördefunk 70 Euro für das Vorhaben.

Glücksburg will attraktiver für Touristen werden / Im August auf dem Marktplatz kostenloses W-Lan

von
07. Mai 2015, 08:00 Uhr

Im Sommer will Glücksburg auferstehen von den Toten – was öffentliches Internet betrifft: Dann soll ein freies und kostenloses W-Lan-Netz zumindest um den Marktplatz herum aufgebaut werden. „Das wollen wir beim Stadtfest im August erstmals testen“, berichtet Svend Colmorn, Vorsitzender des Tourismusausschusses.

Möglich machen will dies die ehrenamtliche Projektgruppe „Fördefunk Flensburg“ (vormals „Freifunk Flensburg“). Im Glücksburger Rathaus und umstehenden Gebäuden sollen an die vorhandenen Router spezielle Fördefunk-Router angeschlossen werden, damit auch Bürger in der nahen Umgebung frei im Internet surfen können, etwa mit dem Smartphone.

Die Idee sowie die geplante Umsetzung stellten Fördefunk-Vertreter dem Tourismusausschuss bereits vor. Und dessen Mitglieder waren davon hellauf begeistert, genau wie Bürgermeistern Kristina Franke. „Das ist eine super Idee, mit der wir hauptsächlich für Touristen attraktiver werden wollen.“ Daher wolle die Stadt alle Bewohner und Unternehmen im Marktplatzbereich für das Vorhaben gewinnen.

Auch im Strandbereich soll es bald freies W-Lan geben, sagt Franke. Das bestätigt Gorm Casper, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Flensburger Förde (Taff). „In den nächsten Monaten werde ich entsprechende Gespräche mit den Betrieben in Strandnähe führen.“

Das freut auch Colmorn. Doch er betont: „Zunächst müssen alle rechtlichen Bedenken ausgeräumt werden.“ Denn die Technik ermöglicht eine missbräuchliche Nutzung des freien Bürgernetzes. Verstöße lassen sich nicht dem Verursacher zuordnen. „Eine Aufzeichnung der über das freie W-Lan geführten Kommunikation ist aus datenschutzrechtlichen Gründen unzulässig“, erläutert der Flensburger Fachanwalt Jan Meyer.

Das wissen die Fördefunker. „Daher leiten wir den Internetverkehr über unseren zentralen Server und von dort über das europäische Ausland ins Internet“, sagt Fördefunker Thorben Dittmar. Richtig zufrieden sei er mit dieser Lösung nicht, aber so werden wenigstens nicht die Anschlussinhaber und die Fördefunker für Verstöße Dritter haftbar gemacht.

Darf eine Kommune das unterstützen? „Ein solches Vorgehen ist für die öffentliche Verwaltung natürlich nicht unproblematisch, da dieses letztlich darauf abzielt, die wahre Identität der Nutzer zu verschleiern“, sagt Meyer. „Die Verwaltung begibt sich bewusst in einen Zustand, in welchem es ihr unmöglich ist, Rechtsverstöße der Nutzer zu vermeiden und verfolgbar zu machen.“

Daher will Franke die Glücksburger über die Gefahren informieren. „Jeder Bürger muss für sich selbst entscheiden, ob er mitmacht.“ Das sieht Ratsmitglied Burkhard Repenning (LWL) genauso, doch er mahnt, nicht nur die negativen Seiten zu sehen. „Es ist schade, wenn neue Entwicklungen nicht auf den Weg gebracht werden, weil zu viele Bedenken bestehen.“ Die sind bei der Bevölkerung offenbar vorhanden, bislang haben die Fördefunker nach eigenen Angaben erst vier Personen Router verkauft. Dittmar: „Wir hoffen, dass die Zahl bis August noch wächst.“ Das hoffen auch Bürgermeisterin und Stadtvertreter, damit der Marktplatz während des Stadtfestes keine internetfreie Zone bleibt.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen