Glücksburg : Intermar-Pläne gefallen nicht allen

Sylvia Ullmer vor dem Haus im Kurgarten, im Hintergrund Garage und rückwärtige Balkone vom Intermar.
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Sylvia Ullmer vor dem Haus im Kurgarten, im Hintergrund Garage und rückwärtige Balkone vom Intermar.

Das Glücksburger Bauausschuss-Mitglied Sylvia Ullmer findet die Gestaltung des Gebäudes „unterträglich“ – und fordert Nachbesserungen.

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15. Dezember 2017, 12:10 Uhr

„Tränen in den Augen und einen Kloß im Bauch“ bekam Sylvia Ullmer laut eigener Aussage als sie vor kurzem am Intermar-Gebäude vorbei spazierte. Dort lag weiß verpacktes Baumaterial. Für jedermann ersichtlich haben die Sanierungsarbeiten an der Fassade begonnen. Der SPD-Fraktionsvorsitzenden geht das zu schnell. Am liebsten würde sie das Geschehen stoppen und erneut darüber beraten.

In einem offenen Brief an „alle, die es eventuell interessiert und betrifft“, brachte Ullmer ihren Schrecken zum Ausdruck. Adressaten waren Vertreter der Stadt, der Verwaltung und der Öffentlichkeit. „Wir haben es versäumt, Ansichten aus verschiedenen Sichtachsen zu betrachten“, schreibt Ullmer und räumt einen „Planungsfehler“ ein. Einen Fehler, den sie selbst mit verursacht hat – sie ist auch Mitglied im Bauausschuss, bezeichnet sich aber als Neuling auf diesem Gebiet.

Wichtig sei ihr das Gesamterscheinungsbild vom Ortsteil Sandwig. Besonders im Auge hat sie das Haus im Kurgarten. Dieser früheste Bau der Moderne für den Tourismus in Sandwig erhielt zur Zeit seiner Entstehung Preise und ist im Stil des Konstruktivismus erbaut. Von Anfang an habe das Haus im Kurgarten unter dem vier bis sechs Jahre später errichteten Intermar gelitten, so Ullmer. Das sei allgemein so empfunden worden. Als Beweis zeigt die Stadtvertreterin eine Postkarte von 1973, auf der das Intermar hinter dem Haus des Kurgastes, wie es damals hieß, aufgehellt wurde und in einer weißen Wolke zu verschwinden scheint. Ullmer findet es unerträglich, dass jetzt wieder drauflos gebaut werde, ohne Alternativen zu prüfen. Sie vermisst Fotomontagen mit unterschiedlichen Farbgebungen und kann sich vorstellen, dass aus Sicht des Kurgartens eine weiße oder graue Intermar-Fassade unaufdringlicher wirken könnte.

Mit ihren Ängsten stößt Ullmer bei den Adressaten zum Teil auf Unverständnis. Im Februar hatte Architekt Ulrich Huber auf einer Sitzung des Bauausschusses die neue Fassadengestaltung vorgestellt. Wenige Monate später war diese Fassade von den Intermar-Eigentümern, darunter die Mehrheitseigner Herman und Stefan Densch, beschlossen worden. Geplant sind kupferfarbene Platten im Erdgeschoss und im ersten Stock, dazu ein farblich abgestimmter Silberton als Anstrich für Balkone und andere Betonflächen, dazu Streckmetall an den Seiten. Architekt Tom Huber, Sohn von Ulrich Huber und Stadtvertreter in Glücksburg, versichert, dass sein Büro die Fassadengestaltung wohl überlegt habe. Man habe sich an der früheren Machart des Gebäudes mit dunklen Fensterrahmen und Naturstein orientiert, um Stilbrüche zu verhindern, sagte er. Nicht alle Eigentümer wollten zum Beispiel in neue Fenster investieren. Folglich müsse man mit Weiß sehr vorsichtig sein. Die Farbe Weiß erfordere außerdem alle vier Jahre einen neuen Anstrich, wogegen die Eigentümer etwas einzuwenden hätten.

Huber wies auf ein weiteres Problem hin: „Die alten Naturstein-Platten sind abgängig.“ Es besteht also Handlungsbedarf. „Die weißen Würfel, die Frau Ullmer gesehen hat, waren verpackte Fenster“, so Huber weiter. Die Rahmen der Fenster sind durch weiße Folien geschützt, in Wirklichkeit seien sie nach außen dunkel.

Bauausschuss-Leiter Svend Colmorn glaubt, niemandem in Glücksburg einen Gefallen zu tun, wenn die bereits laufenden Aufträge nun gestoppt würden. Dies würde ohnehin nur durch eine langwierige Änderung des Bebauungsplans gehen. Derzeit enthält der B-Plan keine Vorgaben für das äußere Erscheinungsbild des Intermar-Gebäudes. Er selbst habe bei der Fassaden-Vorstellung durch den Architekten seinerzeit allgemeines Wohlwollen festgestellt, so Colmorn. „Dankbar“ hätte der Bauausschuss die Vorstellung aufgenommen nach dem Motto: „Es kann nur besser werden.“.

Sylvia Ullmer hat einen Antrag auf Einführung einer Gestaltungssatzung gestellt. Damit soll die Stadt in Zukunft in besonders exponierten Gebieten mehr Mitspracherecht erhalten. Der Antrag ist Thema der nächsten Bauausschuss-Sitzung am 31. Januar. Die 60-Jährige ist Ozeanografin und kam 2010 nach Glücksburg, wo sie im Flottenkommando beschäftigt ist. Doch um ihre Person gehe es ihr nicht, wie sie versichert. Vielmehr darum, dass weitere Bausünden in Glücksburg vermieden werden. Denn „egal wie das Intermar demnächst aussehen wird, die Stadt Glücksburg und unsere Nachfolger werden mit dem Ergebnis 40 Jahre leben müssen“, gibt sie zu bedenken.

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