Glücksburg : Intermar: Eigentümer ziehen vor Gericht

Container deuten an, dass im Inneren des Intermar Veränderungen vor sich gehen. Nach dem Willen der Stadt soll es aber Hotel bleiben.
Container deuten an, dass im Inneren des Intermar Veränderungen vor sich gehen. Nach dem Willen der Stadt soll es aber Hotel bleiben.

Die Apartmentbesitzer wollen die Rechtmäßigkeit des Bebauungsplans vom Gericht klären lassen. Die Investoren sehen ihre Pläne von dem Verfahren nicht berührt.

shz.de von
02. September 2017, 12:00 Uhr

Glücksburg | Vor einem Jahr hatte die Stadt Glücksburg den Bebauungsplan Nr. 39. aufgestellt. Er legt fest, dass das frühere Hotel Intermar am Kurstrand von Glücksburg künftig wieder als Hotel genutzt wird. Nun wird sich das Oberverwaltungsgericht in Schleswig mit der Rechtmäßigkeit des Beschlusses befassen, dies gab Bürgermeisterin Kristina Franke auf der jüngsten Sitzung des städtischen Bauausschusses bekannt.

Der Plan, das Intermar wieder als Hotel zu nutzen, hatte zu Unruhe unter den Eigentümern einzelner Wohnungen in dem Gebäude geführt. Zur Erinnerung: Schon bald nach Fertigstellung des Baus von 1972 bis 74 war es aufgrund mangelnder Auslastung zu Veräußerungen einzelner Hotelzimmer in dem 160-Zimmer-Komplex gekommen. Die Umwandlung von der Hotel- zu einer privaten Wohn-Nutzung war aber nur in einem Fall vom Kreis genehmigt worden. In den anderen Fällen wurde sie einfach vorgenommen und von allen Behörden geduldet. Über 40 ehemalige Hotelzimmer von 18 Eigentümern sollen betroffen sein.

Zwei Gruppen privater Eigentümer im Intermar haben jetzt durch Hamburger Anwälte Normenkontrollanträge stellen lassen. Damit möchten sie rechtlich überprüfen lassen, ob die kommunale Satzung mit höherrangigem Recht vereinbar ist.

„Aus unserer Sicht ist eine Abwägungstabelle fehlerhaft“, präzisiert Olaf Plessow, Sprecher der einen Klägergruppe, die elf Personen umfasst. Es gehe um unterschiedliche Arten des Eigentums. Keineswegs wolle man den B-Plan zu Fall bringen, so Plessow. „Wir haben gar nichts gegen eine überwiegende Hotelnutzung im Haus. Aber wir wollen unser Eigentum nicht beschränken lassen“, sagt der Wirtschaftsprofessor, der sich von einer Kanzlei vertreten lässt, die in Immobilienrecht spezialisiert ist.

„Wir wollen auf Rechte, die wir bisher hatten, auch in Zukunft nicht verzichten“, bestätigt ein Mitglied der zweiten Kläger-Partei, das namentlich nicht genannt werden möchte. Für Hotelzimmer sei außerhalb des privaten Wohnungseigentums noch genug Platz im Haus – wenn auch, so räumt der Kläger ein, vermutlich überwiegend nach hinten hinaus – also ohne Meerblick.

Mit dem B-Plan wollte die Stadt auch eine Marschroute für den neuen Haupteigner, die Intermar-Holding von Stefan und Herman Densch festlegen. Ihr gehören seit 2011 rund 75 Prozent des Gebäudes. Holding-Sprecher Stefan Densch hatte gegen den B-Plan keinen Einspruch eingelegt. Der Beschluss beeinflusse das Vorhaben seiner Firma nicht, hatte er gesagt. Man wollte Einheiten schaffen, diese veräußern und anschließend durch einen Vermietungsbetrieb vermarkten lassen. Die jetzt gestellten Normenkontrollanträge änderten nichts für die Holding, sagte Stefan Densch zur aktuellen Entwicklung. Er wäre froh, wenn es „bezüglich der im B-Plan aufgestellten Nutzung endlich mal zur Ruhe kommen würde.“

Glücksburgs Bürgermeisterin sieht die Anträge im Augenblick gelassen. Anwälte braucht sie vorerst keine. Sechs Wochen hat sie Zeit, um die Verfahrensakte beim Schleswiger Gericht einzureichen. Das bedeutet ein wenig Verwaltungsaufwand – und dann heißt es abwarten, ob Fehler festgestellt werden. „Wir haben ordentlich gearbeitet“, ist ihre Meinung. Sollten dennoch Fehler festgestellt werden, müsse geprüft werden, ob sie „heilbar“ seien. Im schlimmsten Fall muss das Verfahren noch einmal von vorne aufgerollt werden.

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