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Landestheater Schleswig-Holstein : Intendant gibt sich weiter streitlustig

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Peter Grisebach informiert die Flensburger Theaterfreunde über die Lage am Landestheater und nimmt einen Scheck über 20.000 Euro entgegen.

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erstellt am 02.Apr.2014 | 08:35 Uhr

„Das Land des Lächelns“ heißt die Léhar-Operette, die Peter Grisebach gerade inszeniert (Premiere: 12. April). Deshalb stieß er am Montag direkt von der Großen Bühne auf die Kleine Bühne zur Jahresmitgliederversammlung der Theaterfreunde hinzu, um die Vereinsmitglieder über die Lage des Landestheaters zu informieren.

Dass der „Lotse“, Aufsichtsratsvorsitzender Jörn Klimant, nach der Gesellschafterversammlung am Freitag (wir berichteten) von Bord gegangen war, wussten die Kulturinteressierten längst aus der Presse. Mit Flensburg als Hauptgesellschafterin der Landestheater-GmbH sei kein Kompromiss möglich gewesen – im Rathaus müsse man endlich wieder zur Besinnung kommen, zitierte er einen Kritiker. So könne man nicht mit seinen Partnern umgehen. Grisebach sprach auch die Forderung an ihn an, keine Presseerklärungen mehr abzugeben, ohne sie zuvor mit den (größeren) Gesellschaftern besprochen zu haben. Doch: „In meinem Leben gibt es keinen Maulkorb-Erlass!“

„Bravo“, rief eine leidenschaftliche Theaterfreundin in der zweiten Reihe. Wilma Nissen, frühere Ratsfrau für den SSW, war die Ruferin. Sie sei seit 46 Jahren Mitglied des Vereins, „weil mir Theater am Herzen liegt“. Ihre Partei, die auch den Flensburger Oberbürgermeister stellt, saß am selben Abend im Rathaus beisammen. Unter der Überschrift „SSW will Zukunft des Landestheaters sichern“ beschlossen die Kommunalpolitiker drei Punkte. Unter anderem fordern sie, dass der Strategieprozess „zeitnah“ in eine „Entscheidung über die Grundstruktur des Landestheaters“ münden und künftige Spiel- und Produktionsstätten festlegen solle. Zudem sei für die Umsetzung des Prozesses eine Arbeitsgruppe notwendig, die sich aus Personen aus allen Kreisen der Gesellschafter zusammensetzt und mit bis zu zwei externen Sachverständigen ergänzt werden könne. Die Vorwürfe an Flensburg seien nicht nachvollziehbar, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Verstehen kann er hingegen, dass der Generalintendant „bis Jahresende eine klare Ansage braucht, wohin die Reise geht“.

Die Gutachter-Suche müsse ausgeschrieben werden, drängt Peter Grisebach, hofft auf einen „großen Ruck, denn so geht es nicht weiter“. Er hatte schließlich doch noch gute Nachrichten zu verkünden. „Es war gut und tat gut, mal wieder Theater im Theater zu erleben“, sagte er eingedenk der für Ballett-Direktorin Katharina Torwesten völlig überraschenden Auszeichnung am Sonnabend (wir berichteten). Traditionell übergaben sie Grisebach ihre jährliche Spende – in Höhe von 20 000 Euro. Die würden vor allem in Technik investiert, um Schritt zu halten, erklärte Grisebach. Und fast noch wichtiger: „Ich verspreche, es wird niemand betriebsbedingt seinen Arbeitsplatz verlieren.“ Er freue sich auf die nächste Spielzeit – und die Theaterfreunde gleich mit ihm. Denn Grisebach riss an, was auf dem Spielplan stehen werde, darunter: die Strauss-Oper „Die Fledermaus“, „Lucia di Lammermoor“ von Donizetti, Mozarts „Cosi fan tutte“ und Tanztheater über Piaf, ferner Shakespeare, Kleist, Borchert.

Wiederwahl im Verein der Theaterfreunde und Bestätigung im Amt: Gabriele Cramerals erste Vorsitzende; Peter Hartwigsen als erster Schatzmeister; Regina Mell als erste Schriftführerin.

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