zur Navigation springen

Europa-Uni Flensburg : Integratives Lachen im Stadtheater

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Experiment auf der Bühne: YouTube-Stars Allaa Faham und Abdul Abbasi sezieren den German Lifestyle.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2017 | 06:15 Uhr

Das Stadttheater feierte am Sonnabend eine ungewöhnliche Premiere: Ein Abend mit zwei YouTube-Stars, die zum ersten Mal mit ihrer Show auf einer Bühne standen. Der Eintritt war frei. Gut eine Stunde berichten Allaa Faham (20) und Abdul Abbasi (22), bekannt als German Lifestyle (GLS), auf Einladung der Europa-Universität und des Landestheaters von kulturellen Unterschieden aus syrischer Sicht.

Es ging – sehr kurzweilig – um Schokoriegel und kulturelle Missverständnisse, aber auch um zum Teil absurde Erfahrungen mit deutschen Vorurteilen und Fremdenfeindlichkeit. Von der Frage nach dem Verbleib des Kamels und der vier Frauen bis zum Rückflugticket als Wurfsendung der NPD. „Wie geil ist das denn?“, fragt Allaa Faham ins Publikum, um anschließend seine persönliche Videobotschaft an die NPD zu zeigen. Faham und Abbasi treiben auf die Spitze, verarbeiten Alltagssituationen, die leicht in großer Betroffenheit oder bestenfalls als gesellschaftliche Herausforderung enden, zu befreiender Comedy. Gemeinsames Lachen als gelungene Integrationsarbeit.

Als er die Videos gesehen habe, sei ihm bewusst geworden, „wie steif wir manchmal sind“, gibt Innenminister Stefan Studt zu. „Wir können auch mal ein bisschen lockerer werden“, räumt der Schirmherr des Abends ein. Studt bedankt sich bei den beiden Studenten für ihren Beitrag, – ein Angebot, das Faham gleich konkretisiert: „Abdul kann gut kochen. Wirklich. Er kann Ihnen das Kochen beibringen, und Sie geben ihm dafür Ihren deutschen Pass.“

Das kommt gut an. Über 27000 Menschen haben den GLS-Kanal auf YouTube abonniert, für einzelne Videos werden über 200  000 Aufrufe gezählt. Für ihr „herausragendes Engagement um Integration“ wurden Faham und Abbasi Ende 2016 mit der Integrationsmedaille der Bundesregierung ausgezeichnet.

Der Schritt auf die Bühne war dennoch Neuland für alle Seiten. Professor Werner Reinhart, Präsident der Europa-Universität, beschreibt das Experiment so: „Ein überwiegend deutsches Publikum beobachtet hier zwei Syrer, die Deutsche dabei beobachten, wie sie auf Syrer reagieren, die in Deutschland leben.“

Experiment geglückt? In vielerlei Hinsicht ja. Das Publikum war an diesem Abend so bunt wie sonst selten. Mit der Uni und dem Landestheater haben sich zudem zwei Partner zusammengetan, die neue Zielgruppen erreichen und gesellschaftliche Diskurse begleiten können. Der Versuch, das Format der Videoclips auf die Bühne zu transformieren, erwies sich jedoch als nicht so stabil. Es fehlte ein klares Konzept und den beiden häufig etwas zurückhaltend wirkenden YouTubern die Bühnenerfahrung. Eine Moderation hätte hier sicher geholfen. Der Übergang von Show zur Fragerunde war abrupt, das Ende ebenso.

Gescheitert ist das Experiment dennoch nicht: Das Publikum gab mit Standing Ovations das eindeutige Signal dafür, dass Faham und Abbasi nicht nur weiterhin mit Videos, sondern auch auf der Bühne für die Integration befreienden Lachens in ernsthafte Debatten eintreten sollen.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen