Nachtleben in Flensburg : Innenminister auf Nachtstreife

Nächtlicher Besuch auf dem Nordermarkt: Minister Andreas Breitner (2. v. li.) im Gespräch mit Marco Kock (links), Ulf Bartelsen und OB Simon Faber (rechts). Foto: Marcus Dewanger
Nächtlicher Besuch auf dem Nordermarkt: Minister Andreas Breitner (2. v. li.) im Gespräch mit Marco Kock (links), Ulf Bartelsen und OB Simon Faber (rechts). Foto: Marcus Dewanger

Innenminister Andreas Breitner und OB Simon Faber sind mit Flensburger Polizisten auf Streife gegangen - in der Nachtschicht.

shz.de von
13. November 2012, 03:58 Uhr

Flensburg | So spät hat Flensburgs Polizei noch selten prominenten Besuch bekommen. Innenminister Andreas Breitner stattete den Polizisten Sonntagfrüh einen ganz besonderen Besuch ab - und einen ganz frühen.
Es ist 0.30 Uhr auf dem 1. Polizeirevier an den Norderhofenden. Der ehemalige Polizist hat gerade sein Gespräch mit der anwesenden Nachtschicht beendet. Dabei hat er sich mit den Beamten über ihre Sorgen und Nöte unterhalten. Es geht um Dienstzeiten und zusätzliche Belastungen, die durch die Polizeistrukturreform entstehen. "Nachts herrscht immer eine besondere Atmosphäre. Da sind die Gespräche ganz anders", findet Breitner. Die Beamten seien sehr ehrlich gewesen und hätten kein Blatt vor den Mund genommen. "Das schätze ich sehr. Nur so bekomme ich einen realistischen Eindruck."
"Wir kennen unsere Pappenheimer"
Dann erhält Breitner eine Stadtführung der besonderen Art. Zusammen mit Ulf Bartelsen und Marco Kock von der Polizeistation Innenstadt geht er zu Fuß auf Nachtstreife entlang der Kneipen und Diskotheken an der Wasserlinie. "Immer öfter kommt es zu gewalttätigen Übergriffen auf Polizisten. Daher möchte ich mir auf diesem Weg ein Bild vor Ort machen", erklärt Breitner. Auch mit den verschiedenen Gastronomen möchte er ins Gespräch kommen. Bereits in Kiel und Lübeck hat er ähnliche Aktionen hinter sich. Nun ist Flensburg dran. Bei seinem Gang entlang der Küste ist der Innenminister nicht allein. Er wird von Oberbürgermeister Simon Faber (SSW) und den Landtagsabgeordneten Rasmus Andresen (Grüne) und Simone Lange (SPD) begleitet. "Das große Interesse ist auch für mich ein Novum. Es ist toll, dass so ein Einblick in diese wichtige Arbeit gewährt wird", sagt Breitner.
Seit 2004 zeigt das 2. Polizeirevier an 30 Wochenenden im Jahr auf diese Weise Präsenz. Immer zu zweit gehen die Polizisten der Station Innenstadt bis mindestens 4 Uhr morgens durch Kneipen und Diskotheken. Ein festes Team von drei Beamten wechselt sich dabei ab. So werde eine gute Personen- und Milieukenntnis erreicht, die zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit von Polizei, Ordnungsamt und Gewerbeamt geführt habe. "Inzwischen kennen wir unsere Pappenheimer ganz gut", sagt Ulf Bartelsen.
Der Minister stürzt sich ins Getümmel
Im "Dönitzhof", wo 1945 die letzte Reichsregierung nach ihrer Verhaftung vorgeführt wurde, startet der nächtliche Gang durch die Stadt. Durch die Große Straße über den Nordermarkt vorbei am Oluf-Samson-Gang geht es zur Diskothek "Alter Speicher". Inzwischen ist es kurz nach 1 Uhr, und im Speicher herrscht großes Gedränge. Trotzdem möchte der Innenminister sich einen Eindruck verschaffen und stürzt sich mit seinen Begleitern ins Getümmel. Dabei trifft er auf den Betreiber Hannes Thomsen. Die beiden Männer tauschen sich über den Zustand des Hinterhofs, aber auch über den langsamen Verfall der "Kaysershof" aus. "Haben Sie alles im Griff?", fragt Breitner den Gastronomen, der dies bejaht. Den Besuch des Ministers findet er gut: "Es ist wichtig, dass sich hier etwas ändert. Ich habe da noch Hoffnung."
Nach einem kurzen Gespräch mit einem stadtbekannten Rosenverkäufer geht es für die Gruppe weiter in den ehemaligen Tower, der nun das "Max" und die "Phono Bar" beherbergt. Um 1.30 Uhr ist dort noch nicht so viel los. "Das Feierverhalten der Menschen hat sich verändert. Sie kommen später und bleiben kürzer", stellt Breitner nach seinem Gespräch mit Betreiber Sebastian Fremgens fest.
"Das Sicherheitskonzept passt"
Um 1.45 Uhr wird es Zeit, den Rückweg anzutreten. Auf dieser Streife gab es keine Zwischenfälle. "Ich habe heute viel über die Polizeiarbeit in Flensburg gelernt", sagt der Innenminister. Er fügt hinzu: "Das Sicherheitskonzept der Stadt passt." Dass im Dezember zum Beispiel die Polizeistation an der Angelburger Straße geschlossen wird, hält er für kein Problem. "Die Flensburger Polizei weiß, was sie tut. Die innere Sicherheit kann gewährleistet werden."
Auch der Oberbürgermeister hat in der Nacht viel gelernt: "Es war eine unkonventionelle Idee, aber man gewinnt auf diese Weise doch auch ganz andere Innenansichten", findet er. Er nehme mit, dass die Polizei in der Stadt gut aufgestellt ist. Für Simone Lange war die Streife ganz besonders: "Vor kurzem habe ich hier noch selbst auf dem 1. Polizeirevier gearbeitet, und nun befinde ich mich in einer neuen Rolle." Das Gespräch mit den ehemaligen Kollegen sei sehr konstruktiv gewesen. "Wir befinden uns mitten in einer Umstrukturierung, und ich nehme heute ganz viele Ideen mit nach Kiel."

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