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Kooperation : Inklusion – Ein Flensburg für alle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Breites Bündnis im Alltag und in der Freizeit macht sich auf den Weg / Großzügige Förderung durch die Aktion Mensch

In Fruerlund fing alles an. Hier gründeten die Lebenshilfe, die Arbeiterwohlfahrt und die Stadt Flensburg vor einigen Jahren die Arbeitsgemeinschaft Inklusion Fruerlund (AGIF). Mit dem Selbsthilfebauverein und den Mürwiker Werkstätten gab es hier zwei große und aktive Kooperationspartner, um das Thema Inklusion im Alltag voranzutreiben. Mit Hilfe der Aktion Mensch kann dieses Projekt jetzt auf die ganze Stadt ausgedehnt werden – die Abkürzung AGIF passt immer noch.

Es geht um ganz praktische Fragen, die vor allem mit Inklusion im Freizeitbereich zu tun haben. Christian Eckert, der Behindertenbeauftragte der Stadt, nennt ein Beispiel. „Ich war bei Peek & Cloppenburg, hatte einen Kinderwagen dabei und wollte in den ersten Stock, zu den Anzügen. Ich überlegte, wie komme ich da rauf?“ Eckert hat nur einen Arm, also war die Idee, die Rolltreppe zu benutzen, nicht ganz ohne Risiko. Am Ende sprach er eine Verkäuferin an, und siehe da – „es gab einen Fahrstuhl, für das Personal und für Waren. Den durfte ich gern benutzen“.

Annelie Petersen, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Flensburg, erinnert daran, dass es beim Thema Inklusion nicht nur um Rollstuhlfahrer geht, sondern auch um Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen oder Menschen, die eine einfache Sprache zur Kommunikation benötigen. Es gehe darum, die Menschen in der Stadt für Inklusion zu sensibilisieren, sie damit vertraut zu machen. „Die meisten Menschen wissen gar nicht, was damit gemeint ist“, so Eckert. So entstünden Barrieren vor allem in den Köpfen der nicht behinderten Menschen.

Aber nicht nur dort. Simone Klöppel aus Glücksburg besucht gern kulturelle Veranstaltungen. Sie sitzt im Rollstuhl. Ihr Vater unterstützt sie – und berichtet von Schwierigkeiten, einen Platz zu ergattern oder überhaupt in den entsprechenden Raum zu gelangen. Doch auch er räumt ein: „Es geht gar nicht darum, nur zu meckern. Es gibt viele Beispiele, wo es funktioniert.“

Die Fördersumme der Aktion Mensch für das Projekt beträgt 112 533,32 Euro. Damit wird die Stelle des Projektleiters finanziert, die Thorkil Nißen innehat. Zusammen mit Annelie Petersen knüpft er ein Netzwerk aus Kooperations- und Bündnispartnern. Jetzt gehe es darum, ein Leitbild für das Thema Inklusion in Flensburg zu entwickeln. Das erste konkrete Projekt gibt es auch schon: Es heißt Flensburger Pluspunkt. Das ist eine Art Qualitätssiegel, eine Marke, mit der Unternehmen und Einrichtungen ausgezeichnet werden, die sich in irgendeiner Weise um Inklusion bemühen. „Wir suchen sinnvolle und leicht umzusetzende Ideen“, erklärt Thorkil Nißen. Keinesfalls soll es unübersichtliche Kriterien wie bei einer Zertifizierung geben. „Die Leute sollen Berührungsängste abbauen“, wünscht er sich. Nach seiner Überzeugung ist das Thema Inklusion bei vielen Menschen noch nicht angekommen.

Das könnte sich bald ändern. Dann finden Kunden im Textilgeschäft von allein den Lift, den sie auch benutzen dürfen. Und im Deutschen Haus muss man sich nicht am Nebeneingang „den Finger wund klingeln“, bis jemand öffnet. Überall gibt es zumindest einen Mitarbeiter, der die einfache Sprache beherrscht und immer häufiger Blinde und Sehbehinderte Hinweise in einer für sie lesbaren Schrift. Eine Vision – doch es gibt ein starkes Bündnis auf dem Weg zum Ziel, das „Ein Flensburg für alle“ heißt.

 


Ansprechpartner für Bürger, Unternehmen, Einrichtungen ist Thorkil Nißen, Tel. 0461-31348281, thorkil.nissen@lebenshilfe-fl.de

 

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