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Wirtschaft in Flensburg : Ingenieure, die aus der Kälte kamen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Da am Standort Flensburg viel Know-how in der Kältetechnik vorhanden ist, gründete der Bremer Kreutzträger-Konzern hier eine Niederlassung

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 10:18 Uhr

Was hat ein Bremer Konzern im Technologiezentrum der Flensburger Wireg zu suchen? Für Peter Schäftlein ist das keine Frage. Der Kältetechnik-Experte hat die Niederlassung des Bremer Kältetechnik-Spezialisten Kreutzträger vor drei Jahren im Ingenieurs-Duo verantwortlich aufgebaut. Seitdem entwickeln die Bremer mit Flensburger Ingenieurs-Knowhow Spezialanlagen für chemische Prozesse, wie Petrochemie, Erdgefrierung oder Kunsteisbahnbau: „Von Flensburg aus haben wir in Düsseldorf das Eisstadion erweitert und komplett mit neuer Kältetechnik ausgestattet“, berichtet Schäftlein.

Oder: Ende August lieferte man von der Lise-Meitner--Straße, wo die Niederlassung im Technologiezentrum mit mittlerweile fünf Ingenieuren ihren Sitz hat, ein Kälteaggregat in Übergröße ins Ruhrgebiet – zur Prozesskühlung in der Großchemie. Solche Transporte fahren immer nachts über die Autobahn, Mit Begleitfahrzeug, damit es überhaupt möglich ist. Die Größenbegrenzung dieses Anlagenbaus hängt von den Ausmaßen ab, die maximal auf die Straße dürfen. Und an solch einem Auftrag hängen nicht nur fünf Flensburger Ingenieure, sondern jede Menge zusätzliches Knowhow aus der Region – in diesem Fall vom Fachbereich Metall von Holm Metallbau und vom Anlagenbauer Ankon aus Flensburg sowie Brummer Elektromaschinenbau aus Tarp für die Elektroinstallation sowie Isolierer und Beschichter.

Dass Kreutzträger in Flensburg aktiv wurde, hängt vor allem am Spezialwissen, das aufgrund der Geschichte von Unternehmen wie Sabroe, Johnson Controls oder dem im Juli in Insolvenz geratenem Unternehmen Ultratroc hier am Standort vorhanden ist. „Wir mussten nicht wegziehen, weil wir hier oben einen Niederlassung gründen konnten“, sagt Schäftlein, der mit drei anderen Kollegen früher bei Johnson Controls tätig war.

Beim Aufbau des Personalstamms in Flensburg habe aber auch die Nähe zum Hochschulcampus geholfen, sagt Schäftlein. Von der Hochschule habe man in diesem Jahr einen gut ausgebildeten Ingenieur direkt nach seinem Master gewinnen können. „Wir würden uns aber auch freuen, wenn wir weitere Monteure aus dem gewerblichen Bereich finden könnten, zum Beispiel als Bauleiter“, erklärt Geschäftsführer Jan-Peter Nissen, der die Gruppe mit 130 Mitarbeitern und gut 30 Millionen Euro Umsatz gemeinsam mit einem Vertreter der Kreutzträger-Familie leitet. „Mittlerweile gibt es ein Problem, gute Leute zu finden, wenn man wachsen möchte“, ergänzt Nissen. Deshalb sei er froh mit dem neuen Flensburger Standort. Gerade hat er den zweiten Mietvertrag im Technologiezentrum abgeschlossen. Er zahle dort zwar sogar mehr Miete als an anderen Standorten. Er sei aber von den Leistungen des Technologiezentrums überzeugt, die das Geschäft positiv beeinflussten – zum Beispiel durch die flexiblen Möglichkeiten, in der Wireg Räume oder Büroleistungen zu nutzen.

Gerade im Kälteanlagenbau drohe ein Riesenmangel an Fachkräften. Ganz junge Ingenieure könnten binnen drei bis fünf Jahren zu Produktentwicklern werden: „Die Ausbildung geht nach dem Studium weiter.“

Hier gibt es also auch Chancen für Studierende vom Flensburger Campus, wo allein an der Hochschule 550 Studenten im Energiebereich eingeschrieben sind. Und: Auch die Europa-Universität bildet aktuell 122 Studierende im Masterstudiengang Energie- und Umweltmanagement aus.

Dass man mit dieser ungewöhnlichen Niederlassungslösung einen Bremer Konzern im Technologiezentrum aufgenommen hat, ist für Wireg-Prokuristin Barbara Asmussen folgerichtig: „Unternehmensansiedlung und Unternehmensakquise ist einer der zentralen Aufgabenbereiche der Wireg. Dahinter steht der Beitrag zur Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen und Steigerung des Wirtschaftswachstums der Region.“ Das sei auch durch die zahlreichen Fachaufträge, die an Unternehmen aus der Region gegangen sind, nachweisbar. Asmussen: „Beides ist mit der Ansiedlung gelungen.“

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