Husby : In St. Vincentius läuten wieder alle Glocken

Küster Frank Itau testet den Klöppel der großen und ältesten Glocke.  Fotos: Caspari
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Küster Frank Itau testet den Klöppel der großen und ältesten Glocke. Fotos: Caspari

Die Sanierungsarbeiten im Turm der Husbyer Kirche St. Vincentius sind abgeschlossen, das morsches Gebälk wurde ersetzt.

shz.de von
08. August 2018, 12:00 Uhr

Husby | Mehrere Monate lang konnten die drei Glocken in der Husbyer St.-Vincentius-Kirche nicht gleichzeitig geläutet werden, denn am inneren Turmgebälk hatte der Zahn der Zeit genagt und die Holzbalken und -böden waren unsicher geworden. „Jetzt sind die morschen Teile im Rahmen der laufenden Turmsanierung ersetzt worden, und der Glockenstuhl ist wieder stabil“, freut sich die Vorsitzende des evangelischen Kirchengemeinderats, Kirsten Jacobsen. Nun können in Husby wieder dreimal täglich alle Glocken läuten: um 8 Uhr zum Arbeitsbeginn, um 12 Uhr zur Mittagszeit und schließlich wird um 17 Uhr das Ende des Tagwerks eingeläutet – diese Zeiten galten zumindest früher.

Wer nun meint, dass sich Küster Frank Itau dreimal am Tag für jeweils drei Minuten Läuten „an die Glocke hängt“, um die schweren Klangkörper mit Seilen in Bewegung zu setzen, der irrt: Heutzutage werden Kirchenglocken in den meist von Elektromotoren bewegt, die automatisch gesteuert werden. „Das sind nur zwei kleine Knöpfe, die gedrückt werden, um die Glocken automatisch läuten zu lassen“, sagt Frank Itau und zeigt auf einen kleinen Schaltkasten. Ganz oben im Turm, direkt beim Glockenwerk, sind noch einmal solche Knöpfchen angebracht, um die Glocken auch von dort schalten zu können.

Um ganz nach oben in den Glockenturm zu gelangen, müssen zunächst einige Holztreppen und der uralte, enge aus Backsteinen gemauerte Wendelgang bewältigt werden. „Oh, das war für mich einmal eine besonders sportliche Leistung“, erinnert sich der Küster, „als das Läuten bei einer Trauerfeier nicht enden wollte“. Da klemmte die automatische Zeitabschaltung und ließ sich von unten nicht mehr regeln. Itau (60) musste nach oben eilen, um die Notschaltung zu bedienen. Er kam mit Muskelkater zurück.

Die Geschichte der drei Glocken von St. Vincentius reicht nachweislich in das 16. Jahrhundert zurück, als der Turm bereits zwei Glocken barg, eine große und eine kleinere.

Im Jahr 1600 brannte der Turmhelm nach einen Blitzschlag ab. Die große Glocke zersprang und stürzte ab. Sie war 1556 in Flensburg gegossen worden und trug die Inschrift: „Verbum domini manet in aeternum“ (Des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit). Auch die kleine Glocke war nach dem Brand nicht mehr zu verwenden. Aus den Resten der größeren Glocke wurde 1610 eine neue gegossen. Diese ist auf den Ton E gestimmt. Im Zweiten Weltkrieg musste die Glocke für Rüstungszwecke abgegeben werden. Es wurde befürchtet, dass daraus Waffen produziert werden. Doch nach Kriegsende wurde sie unbeschadet im Glockendepot in Hamburg entdeckt, im September 1947 zurückgeholt. Seitdem hängt sie an ihrem alten Platz.

Die kleine Glocke, die lange unbenutzt im Turm gehangen hatte, wurde im Jahre 1812 umgegossen. Sie musste im Zweiten Weltkrieg zum Einschmelzen gegeben werden – und kehrte nicht mehr zurück.

1960 beschloss die Kirchengemeinde, die E-Glocke um zwei neue Glocken mit den Tönen G und H zu einem Dreiklang zu ergänzen. Die beiden Glocken wurden der Firma Bachert in Kochendorf-Friedrichshall (Baden-Württemberg) in Auftrag gegeben. Die größere der neuen Glocken trägt die Inschrift: „Kommet zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“. Die Worte auf der anderen Glocke lauten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ (Lukas 2, 14). Beide Glocken tragen außerdem die Jahreszahl 1960.

Heute rufen alle drei Husbyer Glocken gemeinsam zu den sonn- und feiertäglichen Gottesdiensten. Seit 2011 wird die kleinste der Glocken auch im Rahmen des 11-Uhr-Gottesdienstes geläutet, wenn die Namen der Neugeborenen bekannt gegeben werden. Dann ist eine Minute lang die kleine Glocke mit der Inschrift „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ zu hören.


> Das Geläut der Kirchenglocken von Husby kann im Internet angehört werden auf www.youtube.com/watch?v =fHCKeDHw7ys




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