Maasholm : In Maasholm sprechen die Bäume

Der zehnjährige Tiago zeigt seiner Mutter Alexandra Schulz (l.) und seiner Oma Brigitte Dethlefsen „seinen Lebensbaum“.
Der zehnjährige Tiago zeigt seiner Mutter Alexandra Schulz (l.) und seiner Oma Brigitte Dethlefsen „seinen Lebensbaum“.

Das keltisches Baumhoroskop im Naturerlebniszentrum kommt bei Besuchern gut an.

shz.de von
31. August 2018, 16:43 Uhr

Maasholm | Unnachgiebig, oft egoistisch, aggressiv, ehrgeizig, leidenschaftlich, selten Kompromissbereit, Stratege – das sind die Eigenschaften, die das keltische Baumhoroskop als neueste Errungenschaft des Naturerlebniszentrums von Maasholm dem zehnjährigen Tiago aus Bottrup in Nordrhein-Westfalen zuschreibt. Der Junge überlegt und stimmt nach einigem Nachdenken zu. Das beschreibe ihn gut, meint er. Dass er als Stratege bezeichnet werde, treffe hundertprozentig zu – schließlich spiele er Schach und sei auch ein Judoka.

Zusammen mit seiner Mutter Alexandra Schulz und der Großmutter Brigitte Dethlefsen verbringt Tiago zwei Ferien-Wochen in Steinberg. Ein Besuch des Naturerlebniszentrums gehört auch diesmal wieder zu ihrem Freizeitprogramm – und alle drei sind begeistert. Sie durchwandern das aus 21 Baumstämmen bestehende Horoskop, als Tiago seinen Lebensbaum – einen Nussbaum – erblickt. Was dort geschrieben steht, gilt für die Zeit vom 21. bis 30. April und außerdem vom 24. Oktober bis 11. November. Letzteres passt, sagt der Junge, weil er am 7. November geboren sei. Was er da über sich geschrieben liest, fasziniert ihn: „Das ist toll.“

Einer, das das gerne hört, ist Horst Franzen, einst Bürgermeister von Maasholm und seit geraumer Zeit Kassenwart des Fördervereins des Naturerlebniszentrums. Er ist ein Mann mit vielen Ideen, die er umsetzt und so die Attraktivität dieser ehemaligen Bundeswehr-Liegenschaft, wo heute die Natur dominiert, mehrt. Das keltische Baumhoroskop findet, wie Franzen sagt, bei Erwachsenen und Kindern lebhaftes Interesse. Die den 21 Bäumen zugeordneten Eigenschaften und das Finden der persönlichen Lebensbäume locke viele Besucher auf eine ganz besondere Entdeckungsreise.

Baumkreise als eine Art Jahreskalender erstellten die Kelten vor 2000 bis 3000 Jahren, die sie bei ihrer Einwanderung nach Westeuropa aus vorgefundenen Steinkreisen entwickelten, denn der Kreis als wiederkehrendes Zeitmuster war ihnen vertraut, erläutert Franzen. So ersetzten sie Steine durch Bäume, die nach keltischem Glauben Weggefährten, Freunde und Geschichtenerzähler waren.

Ulrike Kress aus Dörphof habe sich wissenschaftlich mit dem Baumkreis beschäftigt und ihm die Vorlage für eine entsprechende Tafel zur Verfügung gestellt. „gewissermaßen als Gebrauchsanweisung“. Vier keltische Mond- und Sonnenfeste ergeben ein achtspeichiges Rad. Kelten hätten wenig von geschriebenen Wörtern gehalten. „Sie redeten lieber mit Bäumen, Geistern und Göttern.“

Dennoch fand man in Irland sogenannte Ogham-Zeichen. Die Druiden (Priester der Kelten) nutzten das Ogham-Abc vor allem, um abzuzählen. Ganz im Zentrum steht die Welten-Esche Yggdrasil, denn: Ein Baum steht im Mittelpunkt keltischen Denkens. Yggdrasil verbindet die Welten des Daseins: die Unterwelt Utgard, die Mittelwelt Midgard und die Welt der Götter Asgard. Franzen: „Alles schwierig, aber spannend, sich damit zu befassen.“


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