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Kunst in Flensburg : In Kohle und Öl: Regen und Schnee in schönster Form

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bis zum 1. Juli sind Stadtlandschaften in Schlechtwetter-Stimmung von Ulf Petermann bei Messerschmidt zu sehen

Der Mann kennt seine Stadt. Menschen mit Regenschirmen überm Kopf oder auch wie ein Gehstock in der Hand gehen leicht vornüber gebeugt durch die Straßen. Die Kulisse der Häuser und Kirche umhüllt ein milchig-grauer Schleier. Schneeregen, Schnee, Winter heißen einige der Titel der Ölgemälde von Ulf Petermann, die seit der gut besuchten Vernissage am Wochenende bis zum 1. Juli in der Kunsthandlung Messerschmidt zu sehen sind.

Ein wahres Kontrastprogramm zum Blick aus dem Fenster im ersten Stock des Gebäudes an den Norderhofenden in die Realität, wo zu dieser Jahreszeit immer wieder der eine oder andere Segler kurz in der Hafenspitze posiert und dann umkehrt in Richtung Außenförde.

Die Schlechtwetter-Darstellungen seien aus der Not heraus geboren, erklärt der Galerist Thomas Messerschmidt für den Künstler. Ulf Petermann, der dem Kreis der norddeutschen Realisten angehört, sei unterwegs gewesen, und das Wetter war wohl nur grässlich. Petermann hat das Neue darin gesehen und seine Schlechtwetter-Periode eingeläutet. Die Werke seien durchaus etwas trister, räumt Messerschmidt ein, aber erklärt nachvollziehbar, dass der Künstler das auch mal braucht. Und das als Herausforderung begreift und bis zur Perfektion treibt.

Die Bilder in der Kunsthandlung sind allesamt frisch, manche hat der Harald-Duwe-Schüler eigens für die Einzelausstellung in Flensburg geschaffen. Neben ein paar Blumen und Raps im Quadrat sind von Petermann in dieser Ausstellung Landschaften, stimmungsvolle Strandszenen und „vor allem atmosphärische Stadtlandschaften bei diffusen Wetterstimmungen“ zu sehen, zählt Thomas Messerschmidt auf. Petermann, der 1950 in Brunsbüttel geboren wurde, lehne sich stark an den Impressionismus an. Insbesondere Lübeck, Husum und Flensburg kommen vor – im Nebel, bei Dunkelheit, im Schneeregen.

Petermann hat von 1976 bis 1981 in Kiel Malerei studiert und in der Landeshauptstadt auch sein Atelier gehabt. Bis 2005 blieb es dort, seit zwölf Jahren lebt und arbeitet er in seinem Atelier in Halebüll bei Husum. Seit 15 Jahren beteiligt er sich an den Symposien des Künstlerverbunds norddeutscher Realisten.

Ein Dutzend der zu sehenden Werke sind Zeichnungen, manche wirken wie hingeworfen. Petermann kann mit Kohle eine Schneelandschaft entwerfen – „nur durch Kohlestift und das Weiß des Papiers“, beschreibt der Galerist. „Schnee ist ja nicht weiß“, meint Messerschmidt, sondern trage „differenzierte Abstufungen von Grau- und Brauntönen“. Auch Licht von Straßenlaternen und Autos wirken real, noch gestreut durch Nebel und Diesigkeit. Ein gelber Tupfen muss eine Taxileuchte sein. Und die Bewegung der Figuren, findet der Galerist, erhöhe den Eindruck der Zufälligkeit der Momentaufnahme. Auch zu bewundern im skizzenhaften Bahnhofsbild, auf dem längst nicht jeder Platz der Leinwand gefüllt ist. Da füge sich das Ganze erst im Auge des Betrachters zusammen, sagt Messerschmidt. Und die angedeutete Frau mit Schirm und Absätzen bleibt im Kopf.

Kunsthandlung Messerschmidt, Norderhofenden 16: Ulf Petermann – Gemälde und Zeichnungen, geöffnet: Do, Fr, Sa 9.30 bis 13 Uhr + Di, Mi, Do, Fr 14.30 bis 18 Uhr; bis zum 1. Juli.

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erstellt am 16.Jun.2017 | 16:28 Uhr

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