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Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 15:23 Uhr

In Jarplund trumpfen die Grünen auf

vom

Helga Knaack und Sabine Asmussen jagen der CDU Direktmandate ab / Wahlbeteiligung mit 48,7 Prozent so niedrig wie noch nie

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Handewitt | Der Handewitter Gemeinderat wird bunter. Die erstmals in der Großkommune angetretenen Grünen jagten der CDU die beiden Direktmandate in Jarplund ab und ergatterten mit einem Stimmenanteil von insgesamt 14,6 Prozent drei Sitze im zukünftigen, 23-köpfigen Gemeinderat. Die CDU (26,6 Prozent) und die KWG (23,4 Prozent) errangen jeweils sechs Mandate, der SSW (20,6 Prozent) wird fünf Vertreter entsenden. Die SPD (14,8 Prozent) verlor einen der bisher vier Sitze und registrierte in Handewitt ein Rekordtief.

Einen bemerkenswerten Erdrutsch erlebte Jarplund. Überraschend kam er allerdings nicht. Das umstrittene Recycling-Projekt "Hornholzer Höhen" hatte dort viel Gegenwind in der Bevölkerung entfacht. Ein Großteil des 2011 gegründeten Handewitter Grünen-Ortsverbandes entstammt der Bürgerinitiative. Aus dem Stand heraus setzten sich Helga Knaack und Sabine Asmussen an die Spitze in ihrem Wahlkreises. "Das Leitthema unserer Wahl waren aber nicht die Hornholzer Höhen, sondern die Bürgerbeteiligung", erklärte Helga Knaack. "Die haben die Jarplunder vermisst."

Jarplund war das "blaue Auge" der CDU, die sonst ein konstantes Ergebnis verbuchte. "Katastrophe", dachte der bisherige CDU-Fraktionschef Marx Plagemann, als die ersten Zahlen eintrudelten. Dann hellte sich seine Miene aber noch auf. "Wir haben immerhin fünf Direktmandate gewonnen." Auch sah er keinen Schaden für seine Partei durch die "Personalie Dr. Arthur Christiansen". Der Bürgermeister war vor Kurzem erst aus der CDU ausgetreten und erklärte zwei Wochen später, in Schleswig für das höchste Verwaltungsamt zu kandidieren.

"Wir haben das Ergebnis gehalten", sagte die KWG-Vorsitzende Brigitte Erichsen, machte dabei aber kein besonders glückliches Gesicht. Die Wählergemeinschaft hatte sich zumindest partiell mehr versprochen. Gerhard Beirer etwa, der wieder einige Aufgaben übernehmen sollte und einen großen Anteil am KWG-Wahlprogramm hatte, fiel in seinem Wahlkreis durch. Auch Listenplatz fünf reichte nicht zum Einzug.

Die einzige "Zweier-Kombination", die eine Mehrheit im Gemeinderat hätte, wäre ein KWG-CDU-Bündnis. Ob das bei der Verteilung der wichtigen Ämter hilfreich ist? Da Bernd Rehmke (SPD) sich aus der Kommunalpolitik zurückgezogen hat, wird ein neuer Bürgervorsteher gesucht. Ehrenbürgermeister Horst Andresen mahnte an, gerade bei der Auswahl des stellvertretenden Bürgermeisters eine besondere Sorgfalt walten zu lassen. Wenn Arthur Christiansen ab Januar nächsten Jahres tatsächlich nach Schleswig wechseln sollte, würde es eine mehrmonatige Interimszeit geben, in der ein Stellvertreter größere Verantwortung zu tragen hätte.

Allgemeine Enttäuschung herrschte über die Wahlbeteiligung. Sie lag mit 48,7 Prozent so niedrig wie noch nie. "Uns wird ja immer nachgesagt, dass wir eine Stammwählerschaft hätten", meinte SSW-Fraktionschef Hans-Christian Böwes. "Unsere Wähler sind aber wie alle anderen auch, sonst hätten wir nicht rund zwei Prozent verloren." Besonders kurios: In Weding-West, wo die Wahlbeteiligung nur knapp die 40-Prozent-Marke kratzte, reichten Steffen Steinfurth (KWG) nur 72 Stimmen, um das Direktmandat zu erringen.

Im besonderen medialen Fokus stand das Feuerwehrgerätehaus Haurup. Das dänische Fernsehen kreuzte auf, um den Landtagsabgeordneten Flemming Meyer zu interviewen, der dort für den SSW kandidierte. Als die Stimmen ausgezählt wurden, stand er aber klar im Schatten von Gunnar Jürgensen. Der 33-jährige Hülleruper wird das jüngste Mitglied im zukünftigen Gemeinderat sein, der sich am 19. Juni konstituieren wird.

Gewählte Direktkandidaten: Marx Plagemann (CDU, Ellund), Gerald Müller (CDU, Timmersiek/Unaften), Klaus-Dieter Stotz (KWG, Handewitt-Nordwest), Thorsten Neumann (KWG, Handewitt-Nordost), Bruno Lorenzen (CDU, Handewitt-Südwest), Kaj Clausen (SSW, Handewitt-Südost), Gunnar Jürgensen (CDU, Haurup/Hüllerup), Steffen Steinfurth (KWG, Weding-West), Peter Carstensen (CDU, Weding-Mitte), Dieter Neugebauer (KWG, Weding-Ost), Sabine Asmussen (Die Grünen, Jarplund-West), Helga Knaack (Die Grünen, Jarplund-Ost) Über die Liste in den Gemeinderat: Joachim Schmidt (CDU), Brigitte Erichsen, Klaus Neitzel (beide KWG), Per Wietz, Hans-Christian Böwes, Ingo Reimer, Jan Christiansen (alle SSW), André Hense, Wolfgang Hennig, Dirk Hoppe (alle SPD), Achim Klinner (Die Grünen).

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