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Flensburger Tageblatt

23. September 2017 | 09:19 Uhr

Feuerwehr : In Glücksburg herrscht Funkstille

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit 2006 gefährden Funklöcher die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr – eine Lösung ist nicht in Sicht

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 14:00 Uhr

Es brennt und kein Löschzug rückt an. In Glücksburg könnte das passieren, lösten die Funkmelder der Feuerwehrkräfte doch wiederholt nicht aus. So wie am 16. März, als der erste Zug alarmiert wurde. Ein Fahrzeug hatte Treibstoff verloren. „Von 20 Pagern lösten nur drei aus“, berichtete Frank Makolla, Gemeindewehrführer in Glücksburg und Ortswehrführer in Bockholm. Erst mit der Alarmierung des zweiten Zugs trafen 18 Feuerwehrkräfte bei den Löschfahrzeugen ein.

„Das Problem besteht seit 2006, seitdem wir mit dem System arbeiten“, sagt Bastian Meyer, Wehrführer in Glücksburg-Stadt. Anfänglich seien nur die Bockholmer Kollegen in Glücksburg betroffen gewesen, doch seit zwei, drei Jahren herrscht auch direkt in der Stadt immer wieder Funkstille.

Ralf Feddersen, seit einem guten Jahr bei der Kreisverwaltung in Schleswig für die Alarmierungssysteme zuständig, weiß um die Probleme in Glücksburg. Der Funkempfang könnte durch Nutzungsfehler, wie das vergessene Aufladen der Batterien, gestört werden, aber auch durch das Lagern neben dem Computer oder den Aufenthalt mit dem Meldeempfänger in einer blechverkleideten Halle.

Als hinderlich erweist sich nach Feddersens Aussage zudem die Landschaft selbst. Glücksburg reiche, geografisch betrachtet, ins dänische Nachbarland hinein: „Sendeanlagen auf bundesdeutscher Seite dürfen internationalem Recht entsprechend nicht in dänisches Hoheitsgebiet hineinstrahlen“, erklärt er. Deshalb wollte der Kreis einen Sender in Kollund installieren lassen, der nach Deutschland ausstrahlt. „Doch zwischen Kollund und Bockholm liegt ein Höhenrücken.“ Das bestätigt Klaus Hütten, Vertriebsdirektor bei e-Message in Berlin. Das System e-BOS der Firma wird kreisweit genutzt. Nirgendwo gibt es derartige Probleme, wie in Glücksburg, sagt Hütten und erklärt: „Das ist funktechnisch ein relativ anspruchsvoller Geländeabschnitt.“ Es habe in den vergangenen Jahren etliche Lösungsversuche gegeben – ohne Erfolg. Auch der Ansatz, die nötige Technik auf dem Leuchtturm in Schausende zu installieren, sei nach zähem Hin und Her im Sande verlaufen, erinnert sich Heinrich Seehusen, Sachbearbeiter beim Kreis. Das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Lübeck hat den Leuchtturm Holnis inzwischen für den Digitalfunk vorgesehen, erklärt Hütten. WSA-Leiter Henning Dierken konnte gestern zu dem Vorgang keine Auskunft geben.

Die Kreisverwaltung in Schleswig hat kürzlich entschieden: „Ich habe einen Freifahrtschein bekommen und darf mich um ein anderes Alarmierungssystem kümmern“, sagt Makolla und merkt an, dass das Aufgabe des Kreises sei. „Der Kreis muss sicherstellen, dass eine Feuerwehr zu alarmieren ist. Gelingt das nicht, muss ich aber den Kopf hinhalten. Nicht auszudenken, was passieren kann, wenn uns die Leitstelle einmal nicht erreicht.“ Gott sei Dank sei wegen der Funkstille bisher niemand zu Schaden gekommen.

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