Lärmaktionsplan : In Flensburg ist es viel zu laut

Hohe Lärmbelastung: Auch die Apenrader Straße gehört zu den stark von Lärm betroffenen Straßen.
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Hohe Lärmbelastung: Auch die Apenrader Straße gehört zu den stark von Lärm betroffenen Straßen.

4100 Menschen leiden unter dem Lärm der Autos. Der zweite Lärmaktionsplan soll bald den Bürgern vorgestellt werden.

shz.de von
09. Januar 2015, 08:00 Uhr

Flensburg | 43.000 Euro stellt die Stadtverwaltung für den zweiten Lärmaktionsplan zur Verfügung. Den hat sie sich nicht selbst ausgedacht, sondern muss ihn aufgrund einer EU-Verordnung aufstellen. Er wurde jetzt erstmals im Rathaus vorgestellt. Eine seiner Kernaussagen ist, dass rund 4100 Menschen in Flensburg durch Lärm hoch belastet sind, davon etwa 700 sehr hoch.

Flensburg hat keinen Flughafen, keinen großen Wirtschaftshafen, keine lauten Industriebetriebe. Wo es in Flensburg Lärm gibt, kommt er von den Autos. Deshalb überrascht es nicht, dass die vom Lärm am meisten belasteten Gebiete rechts und links der am meisten befahrenen Straßen liegen.

Aufgestellt wurde der Lärmaktionsplan von dem Büro „Lairm Consult“ aus Bargteheide. Deren Experten sind jedoch nicht mit Messgeräten durch die Stadt gelaufen, um den tatsächlich vorhandenen Lärm physikalisch zu messen. Die gesamte Lärmkartierung ist das Ergebnis aufwendiger Berechnungen; die Lärmbelastung wird also nicht gemessen, sondern berechnet. Allerdings hätten die Erfahrungen gezeigt, dass Berechnungen auf der Basis von Verkehrszahlen meist sogar etwas über dem Ergebnis tatsächlicher Lärmmessungen liegen, sagte Olga Kuhl, die für Lairm Consult das über 70 Seiten starke Werk im Umwelt- und Planungsausschuss vorstellte.

Die Erhebungen für den zweiten Lärmaktionsplan stammen aus dem Jahr 2013; im Unterschied zum ersten aus dem Jahr 2008 wurde er jedoch erheblich erweitert. Während 2008 nur die besonders stark belasteten Straßen mit einer Fahrzeugzahl von 16.200 Fahrzeugen und mehr pro Tag betrachtet wurden, haben die Gutachter diesmal alle Straßen mit mehr als 5000 Fahrzeugen pro Tag untersucht. Somit enthält der Plan unter anderem Aussagen zu Straßen wie Osterallee, Kiefernweg und Friedheim im Osten, Alter Kupfermühlenweg, Eckenerstraße und Marienhölzungsweg im Westen sowie Alter Husumer Weg in Weiche und Liebigstraße im Süden.

Doch mit einer Benennung der besonders stark vom Lärm belasteten Straßen und Wohnquartiere ist es natürlich nicht getan. Das Wort Lärmaktionsplan impliziert Maßnahmen zur Reduzierung des Lärms. Es werden viele aufgelistet – bereits umgesetzte und noch zu ergreifende. Ziel ist fast immer eine Reduzierung des Autoverkehrs, sei es durch Maßnahmen zur Förderung des Busverkehrs oder des Fahrradverkehrs. Allerdings: Während die Aufstellung des Plans eine Verpflichtung für die Stadt ist, sind die konkreten Maßnahmen eine freiwillige Aufgabe.

Öffentliche Veranstaltungen zum Thema Lärm sind am 23. Februar (Innenstadt), 26. Februar (Mürwiker Straße/Seewarte) und 5. März (Weiche).

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