Kinderbetreuung in Flensburg : In der Stadt fehlen 670 Kita-Plätze

Quartett für Qualität: Simone Lange, Maria-Theresia Schlütter, Fachbereichsleiter Ulrich Mahler, Astrid Springfeld (v.l.).
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Quartett für Qualität: Simone Lange, Maria-Theresia Schlütter, Fachbereichsleiter Ulrich Mahler, Astrid Springfeld (v.l.).

Im Schatten der Kindergarten-Qualitätsoffensive hat sich die Lücke im vergangenen Jahr noch vergrößert.

shz.de von
18. Januar 2018, 10:37 Uhr

Eine Familie aus München zieht im Dezember nach Flensburg, weil der Mann hier einen Betrieb übernimmt. Zudem leben die Großeltern der beiden Knirpse, ein halbes Jahr und sechs Jahre alt, an der Förde. Während es in München nach Auskunft der Familie „kein Problem war, einen städtischen Kindergartenplatz zu bekommen“, blitzen die Neu-Flensburger bei Kitas dreier Träger auf der Westlichen Höhe ab. Der Flensburger Großvater des Sechsjährigen fragt: „Was haben Politik und Verwaltung in den zurückliegenden zwölf Monaten gemacht, um dieses bekannte Problem zu beheben?“

Zwölf Monate – das ist der Zeitraum, seit dem die Kita-Qualitätsoffensive nach dem einstimmigen politischen Beschluss Ende 2015 umgesetzt wird. Unter anderem sollen 150 neue Vollzeitjobs für eine bessere Betreuung sorgen. „Wir suchen immer noch Heilpädagogen“, sagt Oberbürgermeisterin Simone Lange. Und zur quantitativen Dimension: „In Flensburg fehlen mehr als 600 Kita-Plätze.“ Vor einem Jahr ging Wolfgang Sappert, Leiter des Fachbereichs Bildung, noch von einer Lücke von 500 Plätzen aus.

Die Stadt als Trägerin verfügt über 731 Kita-Plätze, sagt Pressesprecher Clemens Teschendorf. Wartelisten gebe es mit etwa 60 Kindern pro Kita, bestätigt Teschendorf und betont, dass Mehrfachmeldungen üblich sind. Dennoch empfiehlt er suchenden Eltern, sich auf Wartelisten registrieren zu lassen, auch um im Falle einer Bedarfsmeldung nachweisen zu können, dass man sich um einen Platz bemüht habe. Auch andere Träger raten einer Familie in Not, wie der aus München, sich an die Fachberater im Rathaus zu wenden.

Adelby 1 weist auf der Website acht Kindertagesstätten in der Stadt aus; Geschäftsführer Heiko Frost zählt für diesen Träger 456 Plätze. „Unsere aktuelle Warteliste weist 717 Kinder aus“, sagt Frost und kommt selbst nach der Bereinigung auf „akut über 150“ Eltern, die auf einen Platz warten. Die Nachfrage sei stark gestiegen, beobachtet der Adelby 1-Chef, weshalb der Träger gerade 110 Plätze geschaffen habe und für dieses Jahr weitere 140 plant.

„Leerstand kennen wir seit fünf Jahren nicht“, sagt Gerd Nielsen, Leiter des Kindertagesstättenwerks im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg. Dieser Träger führe in Stadt und Kreis insgesamt 47 Kitas, davon neun im Stadtgebiet.

Stets ausgelastet in den letzten fünf Jahren waren auch die Kitas beim Träger ADS-Grenzfriedensbund mit 307 Kita-Plätzen in Flensburg. Ab April, freut sich Gesa Görrissen, die das Referat Kitas leitet, über eine weitere ADS-Einrichtung im Wasserlooser Weg.

Sie sei weit davon entfernt, die Lage schön zu reden, sagt die Oberbürgermeisterin, bezeichnet die Stadt dennoch als „Vorzeigekommune“ wegen der überall gleichen und seit 2011 konstanten Gebühren für Eltern und der Vielzahl der Träger. Fast 20 sind es. „Wir verzeichnen in Flensburg steigende Geburtenraten und jährlichen Zuzug, so dass der Druck weiterhin hoch bleibt“, sagt Simone Lange. „Wir müssen dranbleiben.“ In der „frisch aktualisierten Kita-Bedarfsplanung bis 2019“, über die heute die Ratsversammlung (16 Uhr, Ratssaal) beschließt, sind deshalb rund „230 zusätzliche Betreuungsplätze im U3- und 440 zusätzliche Betreuungsplätze im Ü3-Bereich eingeplant“. Die Landesregierung müsste das für sich als Thema erkennen, wünscht sich Lange angesichts des mit dem Ausbau wachsenden Kostendrucks, schließlich seien Kindertagesstätten Bildungsstätten. Und: „Bildung ist Ländersache.“

Die Ergebnisse des Kommunalgipfels lassen hoffen: „Mit der jetzt kommenden Unterstützung des Landes steigt der Landesteil an den Betreuungskosten endlich wieder“, freut sich Ellen Kittel-Wegner, Grünen-Fraktionsvorsitzende in Flensburg. Der Landtagsabgeordnete Rasmus Andresen ergänzt: „Vor allem die deutliche Aufstockung der Mittel für die Kita-Finanzierung kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.“

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