Dispo-Kredit für Weihnachtskonsum : Immer mehr kaufen Geschenke auf Pump

Laut GfK wird jeder Deutsche in diesem Jahr 285 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben - 24 Euro mehr als im vergangenen Jahr.  Foto: dpa
Laut GfK wird jeder Deutsche in diesem Jahr 285 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben - 24 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Foto: dpa

Teure Geschenke - auch wenn die Finanzen knapp sind: Vor allem jüngere Menschen verschulden sich in der Weihnachtszeit.

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06. Dezember 2012, 10:17 Uhr

Eutin / Kiel | Ein Flachbildschirm, ein Handy oder doch lieber ein schönes Schmuckstück? Die Versuchung ist groß, vor Weihnachten seinen Lieben oder sich selbst eine Freude zu machen. Doch immer mehr Leute können sich diesen Konsum gar nicht leisten. "Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs nimmt die Zahl der Menschen zu, die überschuldet sind", sagt Alis Rohlf von der Koordinierungsstelle Schuldnerberatung Schleswig-Holstein.
Eine neue Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) belegt den Trend, dass gerade in der Weihnachtszeit auf Pump gekauft wird. Nach einer Hochrechnung schenken 3,4 Millionen Deutsche Präsente, die sie noch gar nicht komplett bezahlt haben. 70 Prozent derjenigen, die sich für Weihnachten verschulden, belasten ihren Dispo-Kredit, zwölf Prozent leihen sich Geld bei Freunden und Bekannten, acht Prozent vereinbaren Ratenzahlungen.

Aggressive Werbung und Verdrängung

Laut der GfK-Studie geraten vor allem immer mehr jüngere Menschen in die Überschuldungsfalle. "Die Werbung ist natürlich gerade in der Weihnachtszeit sehr aggressiv", sagt Alis Rohlf. Und vielen bereits verschuldeten Menschen ist es peinlich, wenn sie ihren Angehörigen nichts zum Fest kaufen. "Gerade in der Weihnachtszeit sind die Wünsche der Kinder groß", sagt Ines Lingner von der Schuldnerberatung in Eutin, die regelmäßig Präventionsveranstaltungen in Schulen anbietet. "Kaum eines der Kinder hat aber einen Überblick über die Finanzierbarkeit der Wünsche." Und viele Eltern offenbar auch nicht - oder sie verdrängen ihre angespannte finanzielle Situation.
Der Konsumdrang ist jedenfalls ungebrochen. Laut GfK wird jeder Deutsche in diesem Jahr 285 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben - 24 Euro mehr als im vergangenen Jahr.

Verschuldung trifft alle Schichten

Der Einzelhandel hofft auf ein Umsatzplus von 1,5 Prozent. Jeder zehnte Euro wird übers Internet ausgegeben - gerade hier fällt offenbar das Kaufen auf Pump leicht. Für den Einzelhandel ist das Verlustrisiko gering, weil bei Karten- oder Ratenzahlungen die Bonität geprüft werde, sagt Monika Dürrer vom Einzelhandelsverband Nord. Die wenigen Verluste würden dann "eingepreist".
Die Schuldnerberatungen im Norden haben jedenfalls Zulauf wie lange nicht. "Der Konsum auf Kredit ist gesellschaftlich gewollt", sagt Alis Rohlf. Anders als in den 50er Jahren als die Ratenzahlung begann, könne man heute aber nicht mehr mit steigenden Einkommen rechnen. Die Verschuldung treffe alle Schichten. Allerdings, sagt ein Sprecher der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, falle eines auf: "Vor allem die, die wenig Geld haben, verschenken viel."

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