Wohnraum für Asylsuchende : Immer mehr Flüchtlinge in Flensburg

Blick in die überfüllte Erstaufnahme-Einrichtung in Neumünster: Hier werden die Asylbewerber auf die Kreise und kreisfreien Städte wie Flensburg verteilt.
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Blick in die überfüllte Erstaufnahme-Einrichtung in Neumünster: Hier werden die Asylbewerber auf die Kreise und kreisfreien Städte wie Flensburg verteilt.

Die Zahl der Asylbewerber hat sich binnen eines Jahres fast verdoppelt / Wohnraumkapazitäten noch ausreichend vorhanden

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19. Januar 2015, 07:01 Uhr

Warum sollte es in Flensburg anders sein? Die Flut der Asylsuchenden geht auch an der Fördestadt nicht vorbei. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Waren es Ende 2013 noch 152 Menschen im Asylverfahren, so explodierte die Zahl bis aktuell 267 Personen, die in ihrem Heimatland aus unterschiedlichsten Gründen vertrieben werden und hier auf ihre Anerkennung warten. Es handelt sich nicht nur um Kriegsflüchtlinge, sondern auch um persönliche oder geschlechtsspezifisch Verfolgte. Homosexualität etwa kann schon Ursache genug sein.

Die Flüchtlingsströme aus den Krisengebieten der Welt wollen nicht abreißen. Naheliegend, dass besonders der Bürgerkrieg in Syrien derzeit für den Zuwachs Asylsuchender verantwortlich ist. Sie stellen seit Monaten den stärksten Anteil dar, vor Afghanistan und dem Iran. Es folgen Serbien, Russland, der Irak, Jemen, Albanien und die Türkei. „Ein neu auftretendes Phänomen sind auffällig viele junge Männer, aber auch Frauen aus Eritrea, die zu uns kommen“, berichtet Kirsten Jessen, Leiterin der Ausländerstelle. Bei den Nordostafrikanern stößt sprachliche Verständigung an ihre Grenzen. „Wir kommunizieren oft mit Händen und Füßen“, sagt Kirsten Jessen, die aber auch auf einen Dolmetscher aus Hamburg zurückgreifen kann. Ansonsten gibt es unter den einzelnen Nationalitäten sprachliche Unterstützung untereinander.

Das ist auch spürbar in der Gruppe der Wartenden, die sich die Zeit mit lebhaften Gesprächen vertreiben, bis sie aufgerufen werden, um ihre Leistungen im Kellergeschoss des Rathauses in bar abzuholen. Sie werden analog zu Hartz IV-Empfängern bedacht: Lebensunterhalt und Miete, falls erforderlich. Die meisten allerdings sind in Wohnungen untergebracht, die über den Fachbereich Vermögen überall im Stadtgebiet angesiedelt sind. „Wir haben die Abläufe gut im Griff“, versichert Kirsten Jessen, und auch die Wohnraumversorgung sei derzeit noch gewährleistet.

Gemeinschaftsunterkünfte gibt es in Flensburg schon seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Anfang der 90er Jahre gab es sie noch im Kontext mit der Kosovo-Krise. Flüchtlinge fanden bis 2004 ein Refugium in der ehemaligen Kaserne am Katharinenhof. Seitdem setzt die Stadt auf dezentrale Unterbringung. Erste Anlaufstelle ist ein Hostel, in dem die Asylsuchenden neben Backpacker-Touristen beherbergt werden. In Gemeinschaftsküchen versorgen sie sich komplett selbst. Die Einrichtung ist vom Flüchtlingsbeauftragten der Landesregierung für geeignet befunden worden. Von dort aus werden die Umzüge in Wohnungen organisiert. „Wir gucken dann“, so Kirsten Jessen, „wer am besten zusammen geht, um potenzielle Konflikte zu vermeiden.“ Die Unruhe aber halte sich in Grenzen.

Die Vermieter, sagt sie, hätten in der Regel keine Vorbehalte. Fälle, in denen sie die Notlage der Flüchtlinge ausnutzten, etwa durch horrende Mieten, wie jüngst am Rande Hamburgs geschehen, seien nicht bekannt. „Nachbarn indes fühlen sich bisweilen belästigt, haben Ängste oder Vorurteile, werden aber oft eines Besseren belehrt.“

237 Zuweisungen gab es im vergangenen Jahr, jede Woche kommen sechs bis acht Fälle neu hinzu. Und – wen wundert’s, – es gibt es eine weiterhin prognostizierte Zunahme. „Wer weiß“, sagt Kirsten Jessen, „welcher Krisenherd in der Welt sich als nächstes auftun wird.“

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