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Flensburger Tageblatt

20. November 2017 | 08:57 Uhr

Immer Ärger auf der Wilden Weide

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vandalismus, illegale Abfallentsorgung und unangeleinte Hunde trüben die Natur-Idylle an Küsterlücke und Adelbyer Kirchenweg

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2017 | 07:22 Uhr

Zwischen Adelbyer Landstraße und Küsterlücke hat sich in den letzten Jahren ein kaum vermutetes, einzigartiges Landschaftsidyll entwickelt. In dem langgestreckten Biotop, das sich an das Neubaugebiet schmiegt, haben Kiebitze ihre Jungen ausgebrütet, Rehe sind heimisch geworden, 24 zottelige Galloways sowie ein prächtiger Highlander weiden auf der Wilden Weide sowie auf einer benachbarten elf Hektar großen Koppel. Feldlerchen, Wildgänse und Graureiher sind hier zu beobachten. Leider auch „schwarze Schafe“. Es gibt Ärger im Naturparadies – und das nicht erst seit gestern.

Ursula Baltuttis führt ihren Labrador-Retriever über die Wege zwischen dem satten Grün. Der Hund ist angeleint. Doch das ist nicht der Regelfall. „Etwa ein Viertel der Hundebesitzer sind die Ausnahme. Sie bringen uns alle in Verruf“, sagt sie. Die pensionierte Lehrerin, deren Holzhaus in der ersten Reihe der Küsterlücke steht, ertappt immer wieder Halter, die ihre Tiere frei herumlaufen lassen. Zum Leidwesen der Bodenbrüter, aber auch der Rinder, die ausgesprochen verschreckt reagieren.

Das Schlimmste aber, klagt sie, seien die Beschimpfungen, denen man sich aussetze, falls man es wage, das uneinsichtige Verhalten zu kritisieren. „Die werden richtig aggressiv“, sagt die 71-Jährige. „Kaum zu glauben, was man sich alles anhören muss.“ Die Naturfreundin berichtet von Hunden, die auf der Weide Hasen oder Kälber jagen, von Joggern, die den Weg verlassen und ungeniert zwischen den Galloways ihre Runden drehen. Sie berichtet von zwei Rindern, die verendet sind, weil Unbekannte ihre Gartenabfälle nachts über den Zaun geworfen haben: Kirschlorbeer – „das wirkt wie Gift“.

Gerd Kämmer, Vorsitzender vom Verein Bunde Wischen, der die ehemalige Brache vor sieben Jahren von der Stadt gepachtet hat, betrachtet die Entwicklung mit Sorge – und mit wachsendem Unmut. Denn auch der Vandalismus will kein Ende nehmen. So würden Zäune regelmäßig gelockert, durchtrennt oder kurzgeschlossen.

Bislang sind die Taten von aufmerksamen Anwohnern immer rechtzeitig bemerkt worden, doch die Gefahr, dass Rinder ausbüxen und bis hin zur Osttangente laufen, ist immer gegeben.

Die Wiesen dienen als Ausgleichsflächen der Stadt für an anderer Stelle durchgeführte Baumaßnahmen. „Und wie überall sonst, ist das Betreten bewirtschafteter Flächen auch hier verboten. Da gibt es gar keine Diskussion“, sagt Kämmer klipp und klar. Schließlich habe man für Spaziergänger ein weiträumiges Wegenetz zwischen Tangente und Holländerhof geschaffen. „Leider gibt es absolut renitente Hundehalter, die ihre Tiere nicht in den Griff kriegen.“

Nicht nur Gartenabfälle, sondern auch Müll oder Hundekot gefährden die Gesundheit der Wiederkäuer. „Die Leute müssen begreifen, dass das hier die Salatschüssel der Rinder ist und kein Hundeklo!“, schimpft Kämmer. Dankbar ist er über die „kleinen Sheriffs“ wie Ursula Baltuttis. Dieser Tage hat der Verein wieder Schilder angebracht, die darauf hinweisen, wie man sich auf dem sensiblen Terrain zu verhalten habe. Ob’s hilft, muss bezweifelt werden. Mehrfach bereits wurden sie von Unbekannten zerstört oder abgerissen.



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