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Flensburger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 08:16 Uhr

Im Schichtdienst Energie erzeugen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auch über den Sommer herrscht im Heizkraftwerk kein Stillstand – Warmwasser wird immer gebraucht und die Anlagen benötigen Pflege

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2014 | 08:40 Uhr

Sommerferien, und immer noch perfektes Urlaubswetter: Da rücken Hafen und Strände in den Blick der Flensburger und Feriengäste. Deshalb bringt das Tageblatt seine Sommerserie „An der Wasserkante“. Heute: das Stadtheizkraftwerk.

Sommerhitze in der Fördestadt, kein Mensch braucht in diesen Tagen eine Heizung. Und trotzdem herrscht im Heizkraftwerk an der Batteriestraße rege Geschäftigkeit – wieso eigentlich? „Erst einmal produzieren wir Wärme, die als Fernwärme zu den Haushalten geleitet und nicht nur für die Heizung, sondern in immer mehr modernen Häusern auch zur Warmwasserversorgung genutzt wird“, erklärt Dirk Roschek, Geschäftsbereichsleiter für Energieerzeugung bei den Stadtwerken. „Und auch im Sommer wollen die Leute ja gern warm duschen.“ Zudem wird im Kraftwerk nicht allein Fernwärme produziert – sondern damit untrennbar verbunden auch der Strom für die Stadt.

Kraft-Wärme-Kopplung heißt das dahinter stehende Prinzip, einfach erklärt von Dirk Roschek: „Über den durch Hitze erzeugten Wasserdampf wird per Turbine Strom hergestellt, die Restwärme anschließend ins Fernwärmenetz eingespeist.“ Wobei der Begriff „Rest“ im Grunde fehl am Platze ist: 1300 Gigawattstunden (Gwh) Fernwärme und 400 Gwh Strom jährlich entstehen in den derzeit sechs Anlagenteilen – verbrannt werden dafür hauptsächlich 250 000 Tonnen Kohle, die aus Russland und Kolumbien per Schiff angelandet wird. „Eine Anlage, die wir nur zu absoluten Spitzenlastzeiten fahren, läuft noch mit Öl, ab Ende dieses Jahres mit Gas. Außerdem wird der Kohle stets auch aufbereiteter Gewerbemüll und Holz in Mengen von insgesamt rund elf Prozent hinzugefügt.“

Und doch gibt es in den Arbeitsabläufen des Heizkraftwerks Unterschiede zwischen Sommer und Winter – die haben sogar auch direkt mit der Außentemperatur zu tun. „Fünf der sechs Anlagen werden in den kalten Monaten zur Energieerzeugung benötigt, weil natürlich viel geheizt wird. Über den Sommer fahren wir aber immer nur eine Anlage“, erklärt Roschek. Mehr Bedarf an Warmwasser gibt es nicht. Allerdings reicht die zugleich produzierte Menge Strom – der im Sommer unwesentlich weniger verbraucht wird – nicht mehr aus. „Von den benötigten 60 Megawatt Bedarf werden deshalb in dieser Jahreszeit rund 50 Megawatt aus Dänemark hinzugekauft, großenteils stammt die Energie aus Windkraftanlagen dort“, so Roschek. Das sei ungleich ökonomischer, als die nicht speicherbare Wärme der eigenen Anlagen ungenutzt verpuffen zu lassen. Preislich mache der Zukauf kaum einen Unterschied. „Im Winter können wir dafür wieder unseren Überschuss verkaufen.“

Rund um die Uhr sind die Kontrollräume, aus denen die Anlagen gesteuert werden, mit Personal besetzt. „Im Winter sind hier 18 Mann, die in drei Schichten arbeiten, im Sommer reichen acht.“ Einer von ihnen ist Andreas Haedicke. Der 48-Jährige sitzt als Maschinist in der Frühschicht vor den Schalttafeln, ohne ihn gäbe es derzeit für viele Flensburger morgens keine warme Dusche. „Ich muss Temperaturen, Drücke und Mengen im Auge behalten“, erklärt Haedicke. Er trägt die Daten von seinen Messinstrumenten in Tabellen ein, erkennt Abweichungen und regelt dementsprechend nach. Seit 2007 ist der gelernte Maschinenschlosser in dem Bereich tätig, er hat Respekt vor seinem Job: „Autofahren lernen ist einfach, aber hier lernt man jeden Tag, bis man nach mehreren Jahren die Anlage komplett fahren kann.“

Der Stillstand von fünf Anlagenteilen bedeutet allerdings nicht, das dort nicht gearbeitet wird. „Wir nutzen diese Zeit für Instandhaltungsarbeiten, wir machen die Anlagen wieder schön, führen Sicherheitsprüfungen durch“, erklärt Roschek. Eine der ausgeschalteten Turbinen ist geöffnet, hier arbeitet Service-Mitarbeiter Volker Andresen. Der 53-Jährige führt gerade mit einer Messuhr eine Turbinenläuferaushebung durch, in anderen Worten: „Wir schauen einfach, ob die Maße noch stimmen und alles rund läuft.“

Nach gut drei Monaten gerade abgeschlossen sind die Arbeiten am 146 Meter hohen Schornstein. „Der ist Baujahr 1974, im Beton waren durch Umwelteinflüsse Risse entstanden, die dringend ausgebessert werden mussten“, erklärt Roschek. „Außerdem wurde der Blitzschutz erneuert, das ist wichtig, der Schornstein ist ja in Flensburg der Finger, der am weitesten in den Himmel ragt.“ In den kommenden Jahren wird sich technisch einiges verändern im Heizkraftwerk. „Wir sind bestrebt, die Kohlekraftwerke durch CO2-neutralere Kraftwerke zu ersetzen“, erklärt Roschek. Deshalb wird auf dem Gelände gerade eine moderne Gas- und Dampfturbinenanlage errichtet, die gegen Ende 2015 zwei „alte Möhren“ ersetzen soll. „Ein Riesenschritt zur CO2-Einsparung“, wie Dirk Roschek betont.

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