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Flensburger Luftbildserie : Im neuen Herzen der Neustadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Versorgungszentrum zwischen Gas- und Werftstraße ist seit 1999 in Planung – am Freitag ist Richtfest.

Beobachter wunderten sich über die Baustelle, auf der es über Monate, ja Jahre bestenfalls in Zeitlupe voranging. Doch nun steuert das Bauvorhaben tatsächlich auf die Ziellinie zu: Am Freitag ist Richtfest für den Neustadt-Markt, umrahmt von Feld-, Gas- und Werftstraße.

Sven Kleinschmidt, geschäftsführender Gesellschafter des Flensburger Unternehmens C. C. Christiansen mit Sitz an der Straße Neustadt, redet nicht drum herum. Der Bauverzug summiere sich auf vier Jahre, sagt Kleinschmidt, der mit dem Bauunternehmen Höft und dem Immobilieninvestor May & Co. aus Itzehoe das tragende Trio des Projekts bildet. Verzögerungen von mehreren Monaten kamen unter anderem durch einen Bauarbeiter zustande, dem die Berufsgenossenschaft mehrere Verstöße binnen weniger Minuten nachweisen konnte. Gewichtiger aber für den Zeitplan war das Erbe, das die früheren Gaswerke (1854 bis 1910) der Stadt auf dem Areal hinterlassen hatten. „Das Besondere an dieser Baustelle ist die Bodenkontamination“, erklärt Sven Kleinschmidt und betont: „Wir haben das sorgfältig bearbeitet.“ Der Familienvater, der seit drei Jahrzehnten im Stadtteil aktiv ist und hier auch mal gewohnt hat, erläutert, dass „Hotspots fachgerecht entfernt“ wurden und auch baulich Rücksicht genommen wurde auf die Altlasten. Der Grund ist sicher, das Kapitel Geschichte, der Bauherr blickt nach vorn: „Die Stadt und wir glauben daran, dass dieser Handel den Stadtteil beleben wird“ und, ergänzt Kleinschmidt, dass Brachflächen endlich genutzt und damit weitere Entwicklungen in der südlichen Neustadt angestoßen werden.

Die Flensburger Gesellschaft für Stadterneuerung (IHR Sanierungsträger) beschreibt in der von der Ratsversammlung beschlossenen Rahmenplanfortschreibung von 2014 das Sanierungsgebiet Flensburg-Neustadt. Es habe eine „Geschichte als Industriestandort und Arbeiterquartier“ und sei geprägt „von Brüchen und Diskontinuitäten“, die noch immer sichtbar seien. Und weiter: „Mit der Gründung der Flensburger Schiffbaugesellschaft 1872 und deren Ergänzung um eine neue Werft wurde die Neustadt zum Flensburger Zentrum für den Stahl-Schiffbau.“ Hinzu kamen die Flensburger Actien-Brauerei, 1891 der Bau der Kornwalzmühle, zudem der städtische Schlachthof, Gaswerk, Kraftwerk, Wasserwerk und Straßenbahndepot – „damit verkörperte die Neustadt ein typisches Abbild der industriell geprägten Moderne“, heißt es in der Historie des Sanierungsträgers. Der Stadtteil durchlief mehrere Strukturwandel, zuletzt aufgrund des Niedergangs traditioneller Industrie und Werftenkrise.

Das Flensburger Familienunternehmen C. C. Christiansen mit seinem Ursprung im Jahre 1802 brach seine Kornbrennerei 2003 ab – auf diesem Grundstück und dem der ehemaligen Aral-Tankstelle entsteht nun der Neustadt-Markt. Die ersten Pläne stammen aus dem letzten Jahrtausend. „Schon 1999 wurde der Neustadt-Markt als ein Baustein des Stadtteilsanierungskonzeptes angedacht“, weiß Sven Kleinschmidt. Er rollt einen großformatigen Plan vom Viertel der Sanierer aus, in dem sämtliche Gebäude, Straßen und selbst Bäume eingezeichnet sind, und heftet ihn an die Wand. Rot und zentral ist das Einkaufszentrum.

Mit der Verlegung der Werftstraße, die 2013 begann, erfuhr das Vorhaben einen Schub. Damit, so begründen die Sanierungsträger, sollte das stark geschwächte Stadtteilzentrum im nördlichen Teil der Straße gestärkt werden. Außerdem sollte die Verkehrsführung insbesondere des Schwerlastverkehrs verbessert und die Harrisleer Straße entlastet werden. Nicht zuletzt sollte der Straßenraum aufgewertet werden und sollten Radfahrer und Fußgänger sicherer unterwegs sein. Über die Werftstraße als bedeutende Verbindung zwischen Innen- und Nordstadt führe als übergeordnete Radwegverbindung der Ostseeküsten-Radwanderweg. Seit Pfingsten 2014 verläuft die Straße nun in gewünschten Bahnen. Und hat Flächen geschaffen für das neue Versorgungszentrum.

Das sei von den Nachbarn gewünscht, beobachtet Sven Kleinschmidt und könnte sowohl Privatpersonen als auch Händler nennen, die das bestätigen würden. Von einem, der inzwischen seinen Laden in der Altstadt hat, weiß er sogar, dass er am liebsten zurück in die Neustadt ziehen würde. Auch der Købmandsgården im Rücken des Firmensitzes von C. C. Christiansen betrachte die neue Nachbarschaft als positiv. Kleinschmidt prognostiziert ihm viel mehr Frequenz. Im Zuge der Baumaßnahmen wurde die Fassade des Grenzhandelsmarkts schon mal aufgehübscht.

Seit der neue Parkplatz fertig sei, so beobachtet der Christiansen-Geschäftsführer, seien auch kleinteilige Geschäfte wieder da; das Viertel bekomme allmählich wieder eine „funktionierende, gesunde Struktur“, sagt Kleinschmidt. Ziel, so heißt es ganz offiziell sei schließlich, „die kleinflächigen Einzelhändler und die ansässigen Dienstleister durch konzentrierte Kundenströme zu stärken“.

Wenn der Neustadt-Markt von Aldi und Edeka bezogen wird, setzt sich die Entwicklung an anderer Stelle fort, nämlich gegenüber der Walzenmühle. Dann wird dort der „freundlichste Edeka“ aufgegeben, wo es Klingeln an den Regalen gebe, falls man mal Hilfe brauche, erzählt der Bauherr und Fan der Neustadt.

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erstellt am 14.Jun.2017 | 16:52 Uhr

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