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Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 06:55 Uhr

Im Monsterbus auf Festival-Tour

vom

Zum fünften Mal haben Christian Fischer und Sven Petersen ein Riesengefährt herausgeputzt / Jede freie Minute wird ins Hobby investiert

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Grossenwiehe | Was passiert mit dem Werbe-Bus einer Erotik-Firma, wenn sie ihn nicht mehr gebrauchen kann? Was macht man mit einem riesengroßen Gefährt in Lila-Pink, auf dem leichtbekleidete Damen mit überdimensionierten Brüsten posieren? Verkaufen - und genau solch ein Bus ist Christian Fischer (40) aus Großenwiehe in die Hände gefallen. Der Handwerker und sein gleichaltriger Jugendfreund Sven Petersen, der Schlosser ist, haben nicht wenig Geld zusammengekratzt, um ihn ihr Eigen nennen zu können - und noch mehr investiert, um das Porno-Image des Gefährts zu beseitigen.

Petersen und Fischer haben seit Januar fast jede freie Minute an und in dem Monstrum verbracht, unglaublich viel Schweiß und Muskelkraft hineingesteckt. Der allerletzte Feinschliff fehlt zwar noch, doch beim Wacken Open Air (W:O:A) hatte das Riesengefährt vor wenigen Tagen bereits den ersten öffentlichen Auftritt - und war kaum wiederzuerkennen: Die Karosserie erstrahlt nun in mattem Schwarz, ist mit lackierten Holzleisten veredelt worden, statt "Fundorado" und "Erotik-Flatrate" liest man darauf jetzt "Rammstein" und "Wacken 2013", außerdem zieren den Lack drei Sägefisch-Umrisse: "Das ist das Logo vom Film ,Das Boot, deshalb nennen wir den Bus auch U 96", erklärt Fischer. Das Schlachtschiff sei auf dem Festival ein Wahnsinns-Hingucker gewesen.

Der frühere Porno-Bus ist ein wahrer Koloss: Er ist inklusive Dachterrasse über sieben Meter hoch, fast 13 Meter lang und extrem schwer: "Wir haben mit Ladung 15,8 Tonnen gewogen, als wir nach Wacken gefahren sind", berichtet Fischer. Sogar eine Sondergenehmigung mussten die beiden bei den Veranstaltern beantragen, um überhaupt anreisen zu dürfen. "Das war aber alles total unkompliziert, die waren echt super", betont er. Warum der Bus so extrem schwer ist, erklärt sich, wenn man ihn betritt: Es gibt zwei große Sitzecken, eine Bar, eine Tanzfläche mit Go-Go-Stange - und all das kann mit einer großen Licht- und Laseranlage erleuchtet oder mit einer Nebelmaschine in grauen Dunst gehüllt werden. Eine Leiter führt nach oben auf die große Dachterrasse mit Tischen und Bänken und einem hervorragenden Ausblick. Auch von außen kann der Bus komplett beleuchtet werden. "Einige Leute dachten in Wacken zuerst, es ist der Rammstein-Tourbus", sagt Fischer schmunzelnd. "Wir haben dort aber auch viele andere coole Gefährte gesehen", sagt er ganz bescheiden und ergänzt: "Da konnten wir viele Ideen fürs nächste Jahr sammeln." Dann nämlich will er längst an einem neuen Projekt werkeln, ein weiteres Gefährt, welcher Art auch immer, mit seinem Freund aufpolieren.

"Monate lang haben wir gleich nach Feierabend und jedes Wochenende an dem Bus gearbeitet, insgesamt hat uns das alles 50 000 Euro gekostet", verrät Fischer. Ausgepowert wirkt er trotzdem nicht, er strotzt förmlich vor Energie - denn er ist viel härtere Arbeit gewöhnt: 20 Jahre lang war er im Tiefbau tätig, machte sich dann als Handwerker selbstständig.

In den vergangenen Jahren haben Fischer und Petersen schon so manchem Gefährt - zum Beispiel einem alten Stadtwerke-Gelenkbus oder einem Londoner Big-Ben-Doppeldeckerbus - einen neuen Look und eine neue Verwendung verpasst, zum Beispiel als rollende Disco, und verkauft - denn aus reinem Spaß an der Freude oder als Hobby könnten sich die beiden das nicht leisten. Dennoch sind die Großenwieher für jeden Spaß zu haben - zuletzt aber mit unerwarteten Folgen: An Vatertag erhielten die beiden und weitere Kumpels Strafanzeigen, weil sie mit einem skurrilen Gespann, einer Frontlader-Sauna-Kombination, die nicht für die Personenbeförderung geeignet ist, nach Viöl fuhren (wir berichteten). Beim schwarzen Riesen-Bus sind sie deshalb auf Nummer sicher gegangen: Der war ganz legal unterwegs, mit TÜV und allem, was dazu gehört. "Eingetragen ist er als Wohnmobil - er darf auf der Straße fahren", sagt Fischer schmunzelnd. Am Sonnabend ist das Prachtstück beim Rock an der Eider in Süderstapel zu sehen. "Wir wollen damit erstmal einige Festivals abfahren - Kaufinteressenten gibt es aber schon."

Auch, wenn der Bus zuerst in Wacken war: Petersen und Fischer sind keine Metal-Fans: "Wir waren das letzte Mal vor 15 Jahren da - wir stehen dann doch eher auf Werner und Brösel."

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