zur Navigation springen

Landesrunde an der Europa-Uni Flensburg : Im Kreuzverhör der Pisa-Polizei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei der Landesrunde der 54. Mathematik-Olympiade in Flensburg gibt es für die 154 Teilnehmer neben zwei Klausuren auch Spiel und Spaß.

von
erstellt am 23.Feb.2015 | 15:00 Uhr

Flensburg | Johann Stellmach hat keine Ahnung. Etwas irritiert blickt er die vier Schüler vor sich in der Flensburg-Galerie an. Sie wüssten gern von dem Flensburger, ob Straftäter künftig nach dem Kommutativgesetz verurteilt werden sollten. Auf diese Frage hätten die selbsternannten Pisa-Polizisten Marco (14), Lisa (13), Gotje (12) und Lisa-Marie (14) wohl selbst von Bundesjustizminister Heiko Maas keine überzeugende Antwort bekommen – von einem Mathematiker dagegen schon. Denn das Kommutativgesetz ist eine der grundlegenden Regeln der Algebra.

Wovon Johann Stellmach noch nie gehört hat, ist für das Schüler-Quartett trotz ihres jungen Alters Basiswissen. Die vier Jugendlichen gehören zu den 154 schleswig-holsteinischen Schülern der Jahrgangsstufen 5 bis 13, die am Freitag und Sonnabend an der Landesrunde der 54. Mathematik-Olympiade an der Uni Flensburg teilnahmen.

Teil dessen ist nicht nur das Brüten über anspruchsvollen Mathe-Aufgaben in den Uni-Hörsälen, sondern auch Spaß und Kennenlernen der anderen Teilnehmer. Möglich wurde dies, da die Landesrunde in Flensburg erstmals an zwei statt nur an einem Tag ausgetragen und entzerrt wurde. So teilten sich die Teilnehmer am Sonnabendnachmittag in acht Arbeitsgruppen auf. Darunter war auch die Pisa-Polizei, die wiederum in drei Kleingruppen in der Flensburg-Galerie und im Fördepark Passanten mit versteckten Mathe-Fragen konfrontierte und die Antworten auf Band aufnahm. Die häufigste Antwort der Befragten: „Ich weiß es nicht.“

Deutlich mehr Ahnung von Mathe haben die Schüler, die allerdings zu den talentiertesten Nachwuchsmathematikern im Land zählen. Für sie war die Mathe-Olympiade eine Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zu messen. „Der Wettbewerb wird auch jenen Schülern gerecht, die in der Schule zu kurz kommen“, sagt Uni-Vizepräsident Prof. Andreas Christian. „Das Leistungsspektrum im Schulunterricht ist teilweise gewaltig.“ Daher sehe er die Olympiade als sinnvolle Ergänzung dazu.

Einen Schritt weiter geht Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar, ihres Zeichens Diplom-Mathematikerin. Sie hält die Mathe-Olympiade für ein Ereignis von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. „Mathematik hilft den Kindern, in Strukturen zu denken, Risiken zu definieren und sollte daher gefördert werden.“

Das hört Jonas Eggers gern. Der elfjährige Fünftklässler der Auguste-Viktoria-Schule ist zum ersten Mal bei der Olympiade dabei. „Ich hatte schon immer Spaß mit Zahlen, habe daher viele Mathe-Spiele gespielt und bin dran geblieben.“ Damit habe Jonas früh ein wesentliches Merkmal der Mathematik erkannt, sagte der Mathe-Professor Hinrich Lorenzen, der seit zwölf Jahren die Landesolympiade in Schleswig-Holstein organisiert und in Flensburg lehrt. „Das Faszinierende ist, Gedankengänge zu entwickeln, die nicht immer mit dem Alltag zu tun haben, aber das Gehirn beschäftigen.“

Ordentlich beschäftigt wurden die Gehirne der 154 Teilnehmer auch während der beiden jeweils vierstündigen Klausuren am Freitag und Sonnabend. Bei diesen zählte Gotje zwar nicht zu den Besten, doch ihre Teilnahme an der Olympiade bereut sie dennoch keineswegs. „Es hat sehr viel Spaß gemacht und ich habe neue Leute kennen gelernt.“ Marco, Lisa und Lisa-Marie aus ihrer Pisa-Polizei-Gruppe zählen definitiv dazu.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen