Im Klassenzimmer auf großer Fahrt

Plattdeutscher Sprachunterricht mit hohem Unterhaltungswert: Günter Herrmann und Kathrin Schuppenhauer (in Regenmantel als Wal) in Aktion
Plattdeutscher Sprachunterricht mit hohem Unterhaltungswert: Günter Herrmann und Kathrin Schuppenhauer (in Regenmantel als Wal) in Aktion

Käpt’n Priem und das zahnlose Krokodil: Experimentelles Schultheater mit der Niederdeutschen Bühne

shz.de von
20. Januar 2015, 14:02 Uhr

Mit der zweisprachig deutsch–plattdeutschen Klassenzimmergeschichte für Grundschüler „Kapitän Priem und das zahnlose Krokodil“ von Jörg Schade geht die Niederdeutsche Bühne Flensburg ganz neue Wege. Alle Erst-, dann alle Drittklässler der Zentralschule Harrislee erlebten die Premiere des fröhlich musikalischen, ganz auf Interaktivität ausgelegten Kinderstücks. Autor Schade hat sich bereits mit seinen Klassik-für-Kinder-Produktionen deutschlandweit einen Namen gemacht. Die Musik stammt von Prof. Andreas Tarkmann.

Die gelungene Regie führt Jes Hansen.
Für die Zentralschule ist die Mitmachtheater-Schulstunde Teil des mit diesem Schuljahr begonnenen freiwilligen Unterrichtsangebots Niederdeutsch an Grundschulen, das landesweit an 27 Schulen startete. 40 Harrisleer Erstklässler, das sind 50 Prozent, haben sich für das Angebot angemeldet. „Dass es so viele sind, damit haben wir nie gerechnet; da sehen wir uns bestätigt“, sagt Schulleiter Jürgen Bethge. Dass Menschen aus der Kultur in die Schule kommen, sei wunderbar, freut er sich über die harmonische Kooperation von Zentralschule und NDB: „Wir sind stolz, die Premiere in unserem Hause zu haben.“ Plattdeutsch sei Kulturerbe: „Da haben wir auch eine Verantwortung.“

„Wir müssen bei den Kleinen ansetzen, wenn die Kinder das Plattdeutsche ins Ohr bekommen sollen“, meint NDB-Leiter Rolf Petersen. „Wenn Kinder mit Platt etwas Gutes verbinden, das ist schon viel“, ergänzt Schade. Unabhängig ob es sich um Plattdeutsch-Stützpunkt-Schulen handele oder nicht: „Wir reisen gern in der Region umher, um das Stück in 1. bis 4. Klassen aufzuführen“, ermutigt Petersen alle Pädagogen, sich für die mobile Produktion ohne großen Aufwand an die Flensburger Niederdeutsche Bühne zu wenden.

Wie in einer fast normalen Schulstunde geht es los. Locker schlüpft Günter Herrmann in die Rolle des netten Vertretungslehrers, assistiert von „Referendarin“ Kathrin Schuppenhauer. Doch bald klettert Herrmann, den viele der Kleinen schon aus den freiwilligen Plattdeutsch-Stunden kennen, als nur platt schnackender Kapitän Priem auf den Schultisch, baut sich aus Schleswig-Holstein-Karte und Kartenständer Mast und Segel. Mit von wehenden Kinderhänden erzeugtem „Wind“ geht es auf Fantasiereise an ferne Küsten, wo hinter der Tafel Kreidepiraten lauern, ein singender Wal Wasser ausstößt und Leuchtturmwärterin Lilly (alles Schuppenhauer) sehnsüchtig auf Petroleum wartet, damit das Licht im Leuchtturm wieder brennen kann. Der spielerische Sprachen-Zugang macht sichtlich Spaß und Käpt’ns Platt ist kein bisschen Hindernis für das Verständnis. So ganz nebenbei kommt mit der Action-reichen „Vertretungsstunde“ das Gefühl für die niederdeutsche Sprache ’rüber.

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