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Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 08:15 Uhr

Genealogie : Im Familienforscher-Fieber

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Woher stammen meine Vorfahren? Hobby-Familienforscher begeben sich auf die Spuren ihrer Ahnen. Die Recherche ist zeitaufwändig – doch mit etwas Geduld kommt man zu interessanten Ergebnissen.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2015 | 12:15 Uhr

Flensburg | Es war noch während seiner Schulzeit, als Kurt-Günter Jörgensen ein Buch bekam, das sein Leben verändern sollte. Dieses Buch stammte von seinem im Krieg gefallenen Onkel, der darin die Lebensgeschichten der Familienmitglieder festgehalten hatte. Jörgensen las das Buch mit großer Begeisterung und fragte sich: „Was passiert mit der nächsten Generation?“ Und damit fing alles an.

Der damals 15-Jährige war vom Familienforscher-Fieber gepackt und wollte alles, wirklich alles, über seine Vorfahren wissen. Die Geschichten, die ihm seine Großmutter erzählte, schrieb er in seinen Klassenheften auf. Stolz zeigt er ein Tagebuch von seinem Vater, das dieser als 21-jähriger Leutnant nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geführt hatte. Damals wurde er in Nürnberg von den US-Amerikanern gefangen genommen und ist mit einem Freund ausgebrochen und nach Flensburg geflohen. Geschichten wie diese helfen Jörgensen herauszufinden, was mit seinen Ahnen passiert ist. „Außerdem kann man die Standesämter kontaktieren und Kirchenbücher durchgehen“, sagt der zertifizierte Genealoge. Hilfreich seien auch Tagebücher oder Ahnenpässe. Die Daten der Kirchenbücher – vor allem die Familiennamen – müsse man jedoch genau überprüfen, denn die Pastoren hätten die Namen so geschrieben, wie sie sie hörten. Und da viele Leute nicht schreiben oder lesen konnten, wurden viele unkontrollierte Fehler übermittelt.

Dass die Familienforschung keine Zeitverschwendung ist, sondern auch erfolgreich verlaufen kann, zeigen Jörgensens Ergebnisse. Dafür braucht man jedoch einen langen Atem. Den hat der 66-jährige Flensburger. Immer nachts hat er geforscht, als er plötzlich eine Idee hatte. Er öffnet seinen Laptop und erzählt, dass er knapp 20 Jahre gebraucht hat, um das Rätsel der Familiengeschichte seiner Urgroßmutter zu lösen. „Nach der Wende konnte ich auf mehr Quellen zugreifen“, erzählt Jörgensen und bezieht sich damit auf die Wiedervereinigung. „Einige unserer Familienmitglieder lebten nämlich in Preußen.“ Wie seine Urgroßmutter. Diese ist, zusammen mit ihrem Bruder, von der Stiefmutter auf einem Schiff aus den Ostgebieten nach Sonderburg geschickt worden, wo sie ihren Ehemann kennen lernte und ein neues Leben begann. Doch damit ist die Geschichte nicht erzählt. Jörgensen stieß bei seinen Forschungen auf Familienmitglieder, die mit Schweden und Moskau in Verbindung gebracht wurden, und wollte wissen, was es damit auf sich hat.

Die jahrelangen Forschungen sind erfolgreich gewesen. Jörgensen zeigt begeistert eine Power-Point-Präsentation, aus der hervorgeht, dass seine Vorfahren viele Wanderungen auf sich genommen haben, bis sie schließlich nach Flensburg kamen. Ein Mann namens Pierre Cochoy, der 1660 geboren und 1723 beigesetzt wurde, lebte in Frankreich. Dessen Nachfahren zogen von Frankreich über die Niederlande, Schweden, Russland, die Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Polen und Sonderburg nach Flensburg.

Peter Gimm aus Schafflund, der vor 15 Jahren mit der Hobby-Familienforschung begonnen hat, ist beeindruckt von Jörgensens Ergebnissen. Er selbst hat seine Familiengeschichtenoch nicht so weit verfolgen können. Da sein Nachname sehr selten ist, wollte er wissen, wo seine Ahnen denn eigentlich herkamen. Und bald fand er heraus, dass er Wurzeln in Thüringen und Schleswig-Holstein hat. „Das Beste an der Familienforschung sind die Geschichten“, erzählt der 51-Jährige. Diese erfährt man am besten von den Großeltern, Eltern oder Verwandten. „Und dann interessiert man sich für die Akten.“ Gimm hat zum Beispiel die Entnazifizierungsakte seines Großvaters durchgeblättert. Die Art und Weise, wie sein Großvater die Fragen beantwortet hat, sei für ihn aufschlussreich gewesen. Die Forschung sei sehr komplex, denn bei jeder Generation kommen immer mehr Ahnen dazu. Da kann man leicht den Überblick verlieren. Doch das hält die beiden Männer nicht davon ab, weiter nach Daten zu suchen.

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