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Modernes Luftschiff zu Besuch : Im echten Zeppelin über Flensburg schweben: Wer kriegt das letzte Ticket?

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Aus der Onlineredaktion

Flensburg und der Zeppelin: Ihre Wege haben sich oft gekreuzt. Am 24. September kommt es zu einem spektakulären Treffen.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2017 | 16:42 Uhr

Flensburg | Ein letztes Single-Ticket ist am Mittwochnachmittag noch erhältlich für einen der raren 40-minütigen Rundflüge mit einem waschechten Zeppelin über Flensburg. Der 24. September – gleichzeitig der Wahlsonntag – markiert die erste Landung eines Flugobjektes der legendären Friedrichshafener Luftschiffschmiede seit über 100 Jahren in der Fördestadt.

<p>1928: Ein Zeppelin über Flensburg.</p>

1928: Ein Zeppelin über Flensburg.

Foto: Stadtarchiv Flensburg

Es ist ein besonderer Moment für die Zeppelin Luftschifftechnik GmbH & Co. KG, wie auch für Flensburg. Der berühmteste Sohn der Stadt, Hugo Eckener war schließlich das Gesicht der Epoche der fliegenden „Silberzigarren“. Als Partner und Nachfolger des vor genau einhundert Jahren verstorbenen Ferdinand Graf von Zeppelin ist Eckener in 1920er und 1930er Jahren der Elon Musk der Luftfahrt, ein umjubelter Weltstar, der den Zeppelin über den Nordpol steuert (1931) und der den ersten transatlantischen Linienverkehr einführt.

Die Entwicklung der Zeppelin-Eckenerschen Starrluftschiffe spielte und spielt sich weit entfernt von den hiesigen Förden in Ludwigshafen am Bodensee ab. Dort, in leicht ähnlicher Umgebung, wurde das unvergleichliche Gefühl des fast lautlosen Dahinschwebens am 18. September 1997, also fast auf den Tag genau vor 20 Jahren, wiederbelebt, als der erste Prototyp des Zeppelin „NT“ sich als Wiedergeburt erstmals in die Luft über dem Bodensee schwang. Also noch ein Jubiläum. Dass der Zeppelin den weiten Weg quer über Deutschland antritt, hat nicht zuletzt aber auch mit guten Beziehungen zu tun: Die beiden in Flensburg lebenden Urenkel des Grafen von Zeppelin, die Geschwister Elinor Kaempfe und Roy Freiherr von Koenig, haben bewirken können, dass das Luftschiff nach einem Abstecher in Norddeutschland wenigstens für einen Tag nach Flensburg kommt.

Ganz so spektakulär wie 1928, als ein Zeppelin nach einer Ozean-Überquerung über die Heimatstadt seines Kapitäns Eckener glitt, wird es bei der Ankunft am 23. September aber doch nicht. Denn an die Größen der legendären Luftschiff-Giganten aus der Zeppelin-Schmiede reicht der „NT“ nicht annähernd heran. Die in Lakehurst verunglückte LZ 129 „Hindenburg“ hatte eine Gesamtlänge von 246,7 Metern und einen größten Durchmesser von 41,2 Metern. Das erfolgreichste Verkehrsluftschiff der Ära, der Typ LZ 127, das 1929 auf für die erste Weltumrundung verwendet wurde, war immerhin 236,6 m lang und mit einem Durchmesser von 30,5 m versehen. Das NT-Leichtgewicht mit einer Kapazität von zwölf Passagieren kommt nur auf 75 Meter Länge, und nur auf ein Zwangzigstel des Volumens der Allergrößten. Er ist damit aber immer noch länger als ein Airbus 380 (73 Meter) und auch deutlich größer als zeitgenössische Werbe-Luftschiffe, denen man häufiger auf Großveranstaltungen wie der Kieler Woche begegnet. Außerdem können Luftfahrt-Interessierte und Nostalgiker hier mitfliegen.

Der Zeppelin war und ist ein Fluggerät, mit dem man praktisch überall hinkommt. Es braucht keine Landebahn und kein Startbahn und die Manövriereigenschaften gleichen denen eines Hubschraubers.Technisch hat sich viel verändert. Starrluftschiffe gibt es nicht mehr. Der NT ist konstruiert mit einer Dreiecksträgerstruktur im Inneren der Hülle und gilt damit als halbstarres Luftschiff. Die Hülle besteht aus einem dreischichtigen Laminat und ist mit Helium gefüllt. Ein Unfall wie 1936 mit dem LZ 129 „Hindenburg“ in Lakehurst ist damit ausgeschlossen, da Helium anderes als der damals verwendete Wasserstoff nicht entflammbar ist. Allein unter statischem Auftrieb aufsteigen, das können die NT-Modelle aber nicht mehr, dafür benötigen sie Motoren. Der Antrieb erfolgt durch drei 200 PS starke und bewährte Flugmotoren mit Schwenkpropellern, die senkrechtes Starten ermöglichen.

Nachgearbeitet hat die Reederei aber nicht nur bei der Technik, sondern auch beim Personalschlüssel. Zu Eckeners Zeiten kamen auf einen Passagier die doppelte Anzahl an Bediensteten an Bord. Arbeitsintensiv sind die neuen Luftschiffe immer noch, aber sie kommen bei den Ausflügen mit zwei Piloten und drei Personen Bodenpersonal bei bis zu zwölf Passagieren aus. Der Zeppelin NT wird heute sowohl als schwebende Werbefläche als auch für touristische Rundflüge verwendet. Die Flotte der Reederei transportierte 2016 über 20.000 Passagiere.

Für die bis zu 55 Passagiere auf den vier Flügen ab Schäferhaus gibt es viel zu entdecken. Da keine Trennwand zum Cockpit existiert, können Mitreisende den Piloten direkt bei der Arbeit zusehen, während sie in 300 bis 600 Metern Höhe vor Panoramafenstern über Flensburg gleiten.

Der Rundflug kostet 365 Euro pro Person, für Kinder unter zwölf Jahren 292 Euro. Die Buchung kann online unter www.zeppelin-nt.de oder über das Callcenter der Reederei (07541-5900-0) erfolgen. Informationen unter Telefon 0461-3136477.

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