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Tiere im ÖPNV : Im Bus wird der Hund zum Menschen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tierischer Tarifkonflikt im ÖPNV: Schoßhunde fahren gratis, Hütehunde zahlen Höchstpreis, Frauchen hat das Nachsehen.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2014 | 07:00 Uhr

Flensburg | Am wenigsten kann Maxi dafür. Als Bordercollie-Husky-Mix ist man vornehmlich fürs Hüten und Schlittenziehen zuständig und nicht für Transport-Tarife im Öffentlichen Personen Nahverkehr. Dennoch gibt es zwischen Maxi und dem Flensburger ÖPNV eine Schnittmenge – und zwar eine ziemlich ärgerliche. Maxi ist ihren Menschen zuliebe Vielfahrerin und zahlt als Begleithund Zweibeiner-Höchsttarif. 44 Euro für die Monatskarte. Das findet Frauchen Lisa Roloff gar nicht gut. Sie ist nämlich Studentin. Da zählt jeder Cent.

Maxi ist vom Wesen her freundlich, friedlich und liebt die Küche von Lisas Mutter. Lediglich einige Terrier und natürlich Katzen vermögen die Hündin mit dem blauen und dem braunen Auge aus der Reserve zu locken, sonst sind keinerlei Auffälligkeiten bekannt, sagt Frauchen. Maxi ist ein normaler, friedvoller Vierbeiner. Na gut. Vielleicht haart sie ein bisschen viel.

Die 25-jährige Aktivbus-Kundin Lisa ist Maxis Mensch. Lisa wohnt auf dem Ostufer und studiert an der Flensburger Fachhochschule Betriebswirtschaft. Auf dem Campus müssen Hunde draußen bleiben. Deshalb hat Maxi einen zweiten Menschen, der auf sie aufpasst, wenn Lisa studiert. Birgit Timm, Lisas Mutter, ebenfalls Aktivbus-Kundin. Frau Timm wohnt auf der Westlichen Höhe und arbeitet in der Angelburger Straße beim Studienkreis. Dort sind Hunde erlaubt und Maxi verbringt daher viel Zeit in der Nachhilfe-Schule – wenn sie nicht gerade im Bus unterwegs ist. Zwischen östlicher und westlicher Höhe, der Angelburger Straße und zurück reißt Maxi mit ihren beiden Menschen täglich eine Menge Kilometer ab.

Weder Lisa Roloff noch Birgit Timm können nachvollziehen, warum die gerade mal kniehohe flauschig schwarz-weiß-gefleckte Maxi für die Monatskarte das Gleiche zahlen muss wie ein Mensch. Zumal das Tarifsystem der Aktiv-Bus unlogisch ist. Bei Einzelfahrscheinen zahlen Hunde nämlich den Kindertarif von 1,20 Euro, bei Monatskarten aber werden sie Erwachsenen gleichgestellt. Macht 44 Euro, statt der für Schüler berechneten 29 Euro. Und zwar nur größere Hunde wie Maxi. Dackel, Gipfel der Ungerechtigkeit, fahren bei der Aktivbus für lau. Weil Dackel Schoßhunde sind. Schoßhunde! Ausgerechnet die Teckel!

Noch gibt es kein Pardon bei Aktivbus. Auch die halb im Scherz gestellte Anfrage, ob nicht der Stempel einer Hundeschule dem Vierbeiner zur erhofften Ermäßigung von 15 Euro verhelfen könnte, wurde abschlägig beschieden. Zu Lisa Roloffs Leidwesen genießen Begleithunde im ÖPNV ohnehin nicht viel Akzeptanz. „Wir müssen uns schon einiges anhören“, sagt sie. „Schaffen Sie ihr Vieh hier weg!“, „Ist der Köter auch wieder im Bus?“ und derlei freundliche Anfragen mehr. Und dabei sind Frauchen Roloff und Hilfs-Frauchen Timm samt Maxi betont defensiv. Nicht, dass Vollzahlerin Maxi einen menschlichen Sitzplatz besetzen würde. Nein. Maxi macht sich ganz klein. Bei Birgit Timm immer vor dem Notsitz, bei Lisa liegt sie in der vorderen Vierer-Sitzbank zu Frauchens Füßen.

Akivbus-Chef Paul Hemkentokrax hat selbst einen Hund. Mit „Apache“ ist er neulich in Berlin beinahe mal aus der Straßenbahn geflogen, weil dort Maulkorbzwang herrscht. Insofern ist er für die Nöte von Lisa Roloff sensibilisiert. „Irgendwie sind die Hunde aus dem Tarif gefallen“, räumt er ein. Früher fuhren Caniden ermäßigt zum Seniorentarif. Den gibt’s aber nicht mehr. Wir haben mal Schülertarif angedacht, aber der wird öffentlich gefördert. „Das wäre womöglich Subventionsbetrug gewesen“, sagt er. Immerhin: Der Fall Maxi soll für ihn Anlass sein, nochmals über den besten Freund des Menschen nachzudenken. „Wir werden diesen Gedanken nochmals bewegen.“

 

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