Illegaler Kahlschlag an der Schönen Aussicht

Grüner Hang: Der alte Baumbestand am östlichen Fördeufer steht unter Naturschutz. Foto: Marcus Dewanger
Grüner Hang: Der alte Baumbestand am östlichen Fördeufer steht unter Naturschutz. Foto: Marcus Dewanger

Hausbesitzer fällt 30 Bäume im Landschaftsschutzgebiet / Umweltpolizei ermittelt

shz.de von
20. März 2012, 06:45 Uhr

Flensburg | Zwei Tage genügten, um vergangene Woche rund 30 Bäume am Fördehang von Solitüde ein paar Kronen kürzer zu machen. Auf einem Hanggrundstück an der Schönen Aussicht feierten die Kettensägen ein kleines Massaker. Die Umweltpolizei ermittelt.

Nach polizeilichen Ermittlungen muss sich die Sache am Dienstag und Mittwoch vergangener Woche zugetragen haben. Auf einem Wald bestandenen Grundstück an der Wasserseite der Flensburger 1-A-Lage hatte jemand für ein Haus im Dauerschatten den Horizont geöffnet und ein lästiges Baum-Karree beseitigt. Der Umwelttrupp des Polizeibezirksreviers, der durch aufgeschreckte Nachbarn alarmiert worden war, konnte nur noch vollendete Tatsachen zu Protokoll nehmen. Um ein Wohnhaus herum waren etwa 30 zum Teil 15 Meter hohe Bäume radikal heruntergeschnitten worden. Und zwar unabhängig vom Stammumfang auf eine gleichmäßige Höhe von etwa vier Meter. "Das war schon ein massiver Eingriff in den alten Baumbestand", stellte Polizeisprecher Matthias Glamann fest. "Die Bäume sind regelrecht abrasiert worden!"

Und nicht nur die Kleinen. Die Größten von ihnen - neun an der Zahl - hatten einen Stammumfang von 2,12 Metern, ermittelten die Beamten. Oliver Fritzsche vom städtischen Umwelt- und Grünamt der Stadt geht davon aus, dass ein Teil der betroffenen Bäume unter dem Schutz des Naturschutzgesetzes und der Baumschutzsatzung stehen dürften.

Zu reparieren ist da wohl nichts mehr. Fritzsche vermutet, dass sich die großen Bäume von der Kappung nicht mehr erholen werden. "Die werden zwar nochmals stark von unten austreiben, um das große Wurzelwerk zu versorgen. Aber die schnell wachsenden Äste sind wie angeklebt. Die brechen beim nächsten Sturm gleich wieder ab."

Nach Auskunft der Naturschutzbehörde wurde die Maßnahme zwar von einer Fachfirma ausgeführt - allerdings nicht gerade fachmännisch. Ein Antrag auf Genehmigung des Baumschnitts sei nicht eingegangen, infolgedessen verstoße die Baumfällung gegen die Schutzverordnung. Inklusive Bußgeld und Ersatzpflanzung können auf den Verursacher jetzt Kosten in vierstelliger Größenordnung zukommen.

Der Grundstückseigentümer war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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