zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 11:30 Uhr

Illegalen Altkleidersammlern auf der Spur

vom

Abfallwirtschaftsgesellschaft klagt über "Auswüchse" / Umweltpolizei ermittelt

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Schleswig-Flensburg | Die Altkleidersäcke mit den daran befestigten typischen rot-weißen Zetteln standen in der vergangenen Woche aufgereiht am Straßenrand in Jübek und Gammellund. Ein Mann beförderte sie mit geübtem Griff flink auf die Ladefläche seines Kleintransporters. Doch einem Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsgesellschaft Schleswig-Flensburg (ASF), der den Mann eine Zeit lang beobachtete, kam die Sache merkwürdig vor. Er rief die Polizei. Als die Beamten den Mann kontrollierten, stellte sich schnell heraus, dass der ASF-Mitarbeiter den richtigen Riecher hatte: Der Kleintransporterfahrer hatte die Säcke illegal an sich genommen. Für die Sammlung konnte er keine Genehmigung vorweisen.

Seit Inkrafttreten des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes im Sommer vergangenen Jahres muss jede Altkleidersammlung vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) genehmigt werden. Grünes Licht gibt die Behörde den Antragstellern jedoch nur dann, wenn jene ihre Zuverlässigkeit ebenso belegen können wie ausreichende Verwertungswege. Doch die Bearbeitung der Anträge kann sich über Wochen und sogar Monate hinziehen. Mancher Kleinunternehmer spart sich das Verfahren. Stattdessen lässt er Zettel drucken, die auf eine Sammlung hinweisen, verteilt diese in der Region und hofft darauf, dass ihm beim Einsammeln der Wertstoffe niemand auf die Schliche kommt. Die Chance, nicht erwischt zu werden, ist gut. Die Bürger können anhand der Sammelzettel nicht erkennen, ob es sich um eine genehmigte oder illegale Aktion handelt. Klärung kann jedoch ein Anruf bei der ASF verschaffen, die als öffentlich-rechtlicher Träger für die gesamte Müllentsorgung im Kreisgebiet zuständig ist.

ASF-Geschäftsführer Aksel Busse ärgert sich über die "Auswüchse", die die illegalen Altkleidersammlungen mittlerweile angenommen hätten. Die Täter bringen die ASF damit um Einnahmen, die eigentlich dazu dienen sollen, die Müllgebühren im Kreisgebiet zu stabilisieren. Das Geschäft mit Altkleidern ist lohnend: Am freien Markt werden bis zu 400 Euro für eine Tonne bezahlt. Als die ASF 2012 in den Altkleidermarkt einstieg, konnte sie gleich im ersten Jahr 25 Tonnen im Wert von fast 10 000 Euro einsammeln. Dieses Ergebnis wurde im ersten Quartal dieses Jahres bereits übertroffen. Und was geschieht mit den alten Hemden, Hosen, Röcken und Jacken? Nach Schätzungen des Deutschen Roten Kreuzes, das ebenso eifrig wie seriös alte Kleidung einsammelt, werden etwa fünf Prozent an Bedürftige ausgegeben. Der Großteil wird einer anderen Verwendung zugeführt. Die Industrie stellt daraus unter anderem Dämm-Materialien her.

Im Fall des Jübek-Gammellunder-Schadstoffsammlers hat die Umweltpolizei die Ermittlungen aufgenommen. Beamter Thorsten Hartig fertigt eine Anzeige, die wiederum an das LLUR weitergereicht wird. Als die Beamten den Sammler stoppten, hatte er bereits über 300 Kilogramm Altkleider auf der Ladefläche. Diese musste er in Begleitung der Polizei auf dem Recycling-Hof am Haferteich abliefern. Wie begehrt nicht mehr benutzte Kleidung ist, zeigt auch der folgende Fall: In der Nacht zum Freitag, 26. April, entwendeten Unbekannte zwei laubgrüne Altkleidercontainer, die eine Entsorgungsfirma auf dem Parkplatz des Toom-Baumarktes an der St.-Jürgener-Straße in Schleswig aufgestellt hatte. Laut Polizei müssen sie dafür einen erheblichen Aufwand betrieben haben (Zeugenhinweise: Telefon 0 46 21 / 843 11).

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen